Cloud-Dienste gehören längst zum digitalen Alltag in Unternehmen – sie versprechen Flexibilität, Skalierbarkeit und Effizienz. Doch mit dem Komfort steigt auch das Risiko: Sicherheitslücken, Datenverlust oder Datenschutzverletzungen sind reale Bedrohungen. Unternehmen müssen wissen, wie sie sich effektiv schützen können.
Cloud-Sicherheit: Eine unterschätzte Herausforderung
Mit dem fortschreitenden Einsatz von Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Lösungen erhöhen sich die Anforderungen an die IT-Sicherheit erheblich. Laut dem Cloud Security Report 2024 von Check Point Software berichten 75 % aller IT- und Sicherheitsexperten, dass sie Sicherheitsprobleme mit ihrer Cloud-Infrastruktur erlebt haben. Die Ursache: Fehlkonfigurationen, mangelnde Transparenz und unzureichende Zugriffskontrollen.
Die zunehmende Komplexität von Multi-Cloud-Architekturen verschärft die Lage zusätzlich. Sicherheitsverantwortliche haben es mit einer größer werdenden Angriffsfläche und unklaren Verantwortlichkeiten zu tun – insbesondere im Shared-Responsibility-Modell vieler Anbieter.
Die häufigsten Sicherheitsrisiken in der Cloud
Cloud-basierte IT-Umgebungen bringen spezifische Sicherheitsrisiken mit sich, die Unternehmen kennen und aktiv adressieren müssen. Zu den häufigsten Bedrohungen zählen:
1. Fehlkonfigurationen und unzureichende Zugriffskontrollen
Die meisten Cloud-Sicherheitsvorfälle lassen sich auf falsch konfigurierte Dienste zurückführen. Wenn beispielsweise S3-Buckets von Amazon nicht korrekt eingestellt sind, können sie öffentlich zugänglich sein – ein gefundenes Fressen für Angreifer.
Zu den häufigsten Fehlern gehören:
- Öffentliche Berechtigungen auf Speicherdiensten
- Kein Einsatz von Identity- und Access-Management (IAM) mit Least-Privilege-Prinzip
- Unzureichende Protokollierung und Monitoring
Laut „State of Cloud Security 2024“ von Orca Security sind 36 % aller untersuchten Cloud-Umgebungen von mindestens einer kritischen Fehlkonfiguration betroffen.
2. Datenverlust und mangelnde Verschlüsselung
Datenverlust kann aus unterschiedlichen Gründen auftreten: versehentliches Löschen, Hardware-Fehler auf Provider-Seite oder Ransomware-Angriffe. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass sensible Daten unverschlüsselt übertragen oder gespeichert werden.
Beispiel: Im Jahr 2023 wurde durch eine Fehlkonfiguration bei Microsoft ein Blob-Container mit internen Daten öffentlich zugänglich – betroffen waren 38 Terabyte an Informationen, darunter sensible Authentifizierungsdaten.
3. Unautorisiertes Datenzugreifen und Insider-Bedrohungen
Ein erheblicher Teil der Datensicherheitsverletzungen findet durch interne Nutzer statt: Mitarbeiter, Auftragnehmer oder Dritte, die legitimen Zugang erhalten, aber Sicherheitsrichtlinien umgehen oder ausnutzen. Laut dem Verizon Data Breach Investigations Report 2024 ist bei 28 % aller Sicherheitsvorfälle ein Insider beteiligt.
Hier ist der Einsatz von Zero-Trust-Architekturen entscheidend: Jedes Gerät, jeder Nutzer und jede Anwendung muss kontinuierlich überprüft werden – unabhängig davon, ob er innerhalb oder außerhalb des Netzwerks agiert.
4. Schatten-IT und mangelhafte Sichtbarkeit
Mitarbeitende nutzen oft Cloud-Dienste außerhalb der offiziellen IT-Freigabe – sogenannte Schatten-IT. Diese Dienste unterliegen keiner Sicherheitskontrolle und erhöhen die Angriffsfläche erheblich.
Eine Gartner-Studie aus dem Jahr 2023 schätzt, dass bis zu 30 % aller Cloud-Ausgaben auf Schatten-IT zurückgehen. Damit einher geht oftmals ein vollständiger Kontrollverlust der IT-Abteilung über den Datenstrom und Compliance-Vorgaben.
Ein zentrales Cloud Security Posture Management (CSPM) kann hier Abhilfe schaffen, indem es unautorisierte Dienste erkennt und zentral verwaltet.
5. Datenschutzprobleme und regulatorische Risiken
Für Unternehmen mit Sitz in der EU oder mit europäischen Kunden ist die Einhaltung der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) elementar. Viele Cloud-Anbieter speichern Daten jedoch außerhalb der EU oder übertragen sie in Drittstaaten – oft ohne ausreichende vertragliche Absicherung.
Organisationen riskieren hier nicht nur Bußgelder, sondern auch Reputationsverlust. Insbesondere der US CLOUD Act sorgt seit Jahren für Sorge, da er US-Behörden unter bestimmten Umständen Zugriff auf Daten bei US-Dienstleistern erlaubt – auch wenn diese außerhalb der USA gespeichert werden.
Wie Unternehmen Risiken effektiv minimieren
Eine wirkungsvolle Cloud-Sicherheitsstrategie basiert auf einem mehrschichtigen Ansatz, der technologische Maßnahmen mit organisatorischen Prozessen kombiniert. Folgende Best Practices helfen dabei, die Risiken zu kontrollieren und die Sicherheit zu stärken:
- Implementieren Sie rollenbasierte Zugriffskontrollen: Setzen Sie auf das Least-Privilege-Prinzip und kontrollieren Sie regelmäßig die Berechtigungen aller Nutzer und Dienste.
- Nutzen Sie durchgängige Verschlüsselung: Daten sollten sowohl im Ruhezustand als auch bei der Übertragung verschlüsselt werden – idealerweise mit einem unternehmensgeführten Key-Management-System.
- Audits, Logging und Monitoring: Aktivieren Sie Cloud-native Logging-Funktionen (z. B. CloudTrail bei AWS) und integrieren Sie SIEM-Systeme zur proaktiven Bedrohungserkennung.
Ein weiterer zentraler Punkt: regelmäßige Schulungen. Mitarbeitende sollten verstehen, welche Sicherheitsrichtlinien im Cloud-Betrieb gelten und wie sie sicher mit Anwendungen und Daten umgehen.
Security-by-Design: Cloud-Infrastrukturen sicher aufbauen
Eine sichere Cloud beginnt schon bei der Architektur. Setzen Sie auf ein Security-by-Design-Prinzip, bei dem Sicherheitsaspekte bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden – nicht erst als Add-on.
Dazu gehören u.a.:
- Mandatorische Verschlüsselung für alle persistenten und transienten Daten
- Automatisierte Compliance-Prüfung bei jeder neuen Infrastrukturänderung (z. B. mit Infrastructure as Code Scanning Tools)
- Segmentierung von Workloads und Netzwerken zur Risikominimierung im Angriffsfall
Zukunftsausblick: Mehr Regulation, mehr Automatisierung
Der Trend der nächsten Jahre zeigt weiterhin eine starke Verschiebung in Richtung Public Cloud – IDC prognostiziert, dass 2026 über 70 % aller Workloads cloudbasiert sein werden. Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck: Mit dem kommenden NIS2-Gesetz der EU (in Kraft seit Oktober 2024) müssen viele Organisationen deutlich strengere Anforderungen an Cybersecurity und Cloud-Management nachweisen.
Neue Technologien wie Cloud Workload Protection Platforms (CWPP), Cloud-Native Application Protection Platforms (CNAPP) oder Data Security Posture Management (DSPM) helfen Unternehmen, Gefahren automatisiert zu erkennen und zu beheben – in Echtzeit und CI/CD-kompatibel.
Cloud-Sicherheit ist kein statischer Zustand. Sie muss kontinuierlich mitwachsen, angepasst und überdacht werden – technologisch, strategisch und organisatorisch.
Fazit: Sicherheit ist Teamsache
Die Absicherung der Cloud verlangt ein Umdenken: Sicherheit darf nicht mehr reaktiv, sondern muss proaktiv gestaltet werden – mit transparenten Prozessen, klarer Verantwortlichkeit und technischer Exzellenz. Wer Cloud-Risiken erkennt, versteht und gezielt adressiert, baut Resilienz auf – gegen Bedrohungen, Ausfälle und Compliance-Verstöße.
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