Die Zahl der Phishing-Angriffe auf Bankkunden erreicht ein neues Hoch: Cyberkriminelle nutzen immer raffiniertere Methoden, um persönliche Daten zu stehlen. Besonders betroffen sind derzeit Kunden zweier großer deutscher Banken – mit potenziell gravierenden Folgen für Kontoinhaber. Wie erkennen Nutzer betrügerische Mails rechtzeitig, und wie sollten sie im Ernstfall reagieren?
Wachsende Gefahr: Phishing-Kampagnen im Visier von Banken
Phishing ist längst keine Randerscheinung mehr – es gehört zu den am häufigsten eingesetzten Methoden im Werkzeugkasten von Online-Kriminellen. Laut dem Phishing Activity Trends Report Q4/2024 der Anti-Phishing Working Group (APWG) wurden weltweit über 1,45 Millionen Phishing-Websites identifiziert – ein neuer Rekordwert. Besonders im Fokus: Finanzinstitute. Im vierten Quartal 2024 richtete sich fast jede dritte Phishing-Kampagne (28,6 %) gezielt gegen Banken.
Auch deutsche Geldhäuser bleiben nicht verschont. Jüngsten Recherchen von Heise Security zufolge stehen aktuell insbesondere Kunden der Deutschen Bank und der Commerzbank im Fokus einer ausgeklügelten Phishing-Welle. Gefälschte E-Mails, die täuschend echt gestaltet sind, fordern Kunden zur Bestätigung ihrer Kontodaten, Freigabe von TANs oder Aktualisierung ihrer Zugangsdaten auf.
Täuschend echt: So funktionieren aktuelle Phishing-Mails
Die Angreifer setzen auf technisch ausgefeilte Fälschungen, bei denen Logos, Formulierungen und sogar E-Mail-Adressen der Banken imitiert werden. Oftmals stammt der Absender scheinbar von offiziellen Domains wie „kundenservice@commerzbank.de“ oder „technik@deutschebank.de“, wobei in Wirklichkeit gefälschte Absenderadressen (Spoofing) eingesetzt werden.
Inhalte der Mails variieren, folgen aber einem wiederkehrenden Muster:
- Warnung vor angeblich verdächtigen Aktivitäten im Konto
- Aufforderung zur sofortigen Verifizierung persönlicher Daten
- Vermeintlich „dringende“ Sicherheitsupdates oder neue AGBs
- Links zu angeblichen Login-Seiten, die Daten abgreifen
Diese Phishing-Websites sind mobilfreundlich gestaltet, SSL-verschlüsselt und führen teils sogar Zwei-Faktor-Abfragen durch – was sie auf den ersten Blick legitim erscheinen lässt. Laut einer Analyse des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) werden in Phishing-Angriffen 2025 zunehmend Deepfake-Techniken und „Human-like“-Textgeneratoren eingesetzt, um Social Engineering noch glaubhafter zu gestalten.
Phishing erkennen: Worauf Bankkunden achten sollten
Eine gesunde Portion Misstrauen ist der beste Schutz. Folgende Merkmale deuten auf Phishing-Versuche hin:
- Dringlichkeit: „Sofort handeln“, „letzte Warnung“ oder „Konto wird gesperrt“ sind typische Druckmittel
- Anredeform: E-Mails ohne persönliche Ansprache („Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde“) sind verdächtig
- Sprachliche Fehler: Auch wenn Phisher besser geworden sind – fehlende Umlaute, grammatikalische Fehler oder ungewöhnliche Ausdrucksweisen verraten oft den Betrug
- Hyperlinks prüfen: Mit dem Mauszeiger (nicht klicken!) über Links fahren – wenn hinter „www.commerzbank.de“ eine kryptische URL steckt, besser Finger weg
Gefahr im Anhang: E-Mail-Downloads als Einfallstor
Neben Links enthalten viele Phishing-Mails auch Anhänge im PDF-, ZIP- oder DOCX-Format. Diese enthalten teils Makros oder Javascript-Code, der beim Öffnen Schadsoftware (insbesondere Remote Access Trojaner, kurz RAT) nachlädt. Laut einer Analyse von Proofpoint aus September 2024 enthalten 22 % aller Phishing-Mails einen schädlichen Anhang – ein Anstieg von knapp 30 % gegenüber dem Vorjahr.
Bankkunden sollten grundsätzlich keine Dateien aus unerwarteten E-Mails öffnen – insbesondere, wenn sie zur Eingabe von Daten auffordern oder passwortgeschützt sind.
Im Ernstfall richtig reagieren
Was tun, wenn man auf eine Phishing-Mail hereingefallen ist oder unsicher ist, ob eine Nachricht echt ist? Folgende Schritte sind entscheidend:
- Sofortige Sperrung des Online-Bankings telefonisch bei der jeweiligen Bank
- Änderung aller Passwörter, die ggf. betroffen sein könnten
- Anzeige bei der Polizei (Online-Wache oder lokal vor Ort)
- Installation eines aktuellen Virenscanners, um etwaige Malware zu erkennen und zu entfernen
Banken wie Deutsche Bank und Commerzbank bieten eigene Hotlines und Meldewege für verdächtige E-Mails an. So betont die Deutsche Bank: „Kunden sollten uns Phishing-Versuche an sicherheit@db.com weiterleiten, damit wir schnell reagieren können.“
Prävention lohnt sich: Tipps für nachhaltigen Schutz
Experten raten zu einem mehrstufigen Sicherheitskonzept, das technische und organisatorische Maßnahmen kombiniert. Neben allgemeiner Wachsamkeit helfen folgende Maßnahmen:
- Aktivieren von Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für alle Bank- und E-Mail-Konten, um den Zugriff bei Passwortdiebstahl zu erschweren
- Verwendung eines aktuellen Virenscanners, idealerweise mit Phishing-Blocker und Echtzeitschutz
- Schulung und Awareness: Viele Banken bieten mittlerweile kostenlose Phishing-Tests oder Sicherheitstrainings an
Laut Kaspersky (Global IT Security Survey 2024) nutzen erst 56 % der deutschen Internetnutzer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dabei liegt die Schadenshöhe durch Phishing-Angriffe laut Statista mittlerweile bei über 184 Millionen Euro jährlich in Deutschland (Stand: Ende 2024).
Banken setzen auf stärkere Gegenmaßnahmen
Die betroffenen Institute haben technische Gegenmaßnahmen verstärkt. Die Deutsche Bank nutzt mittlerweile KI-basierte Mustererkennung zur Früherkennung von Phishing-Domains, die Commerzbank arbeitet mit dem Bundesverband deutscher Banken und externen IT-Dienstleistern an einer zentralen Anti-Phishing-Infrastruktur.
Zudem setzen beide Häuser auf verstärkte Kundenkommunikation: Über E-Mail, App-Benachrichtigungen und Push-Nachrichten weisen die Banken regelmäßig auf aktuelle Betrugsmaschen hin. Die Banken betonen jedoch übereinstimmend: „Wir fordern niemals per E-Mail zur Eingabe von TANs oder PINs auf.“ Diese Regel sollte für Kunden absolut bindend sein.
Fazit: Aufmerksamkeit ist der beste Schutz
Phishing ist keine abstrakte Gefahr mehr – es geht um konkrete finanzielle Schäden, zunehmend auch um Identitätsdiebstahl. Wer wachsam bleibt, sich regelmäßig informiert und auf technische Schutzmaßnahmen setzt, kann das Risiko deutlich senken. Der Fall der Deutschen Bank und Commerzbank zeigt: Selbst etablierte Institute werden zur Zielscheibe, aber auch zur Vorreiterin in Sachen Reaktion und Schadensbegrenzung.
Was sind Ihre Erfahrungen mit Phishing-E-Mails? Haben Sie Hinweise, Beispiele oder Ideen? Teilen Sie Ihr Wissen in den Kommentaren oder schicken Sie uns Ihre Erlebnisse. Gemeinsam stärken wir das Sicherheitsbewusstsein in der digitalen Welt.




