Nie war Arbeitsspeicher so gefragt wie heute: Mit dem weltweiten Boom künstlicher Intelligenz steigen die Preise für DRAM und NAND rasant. Nutzer und Unternehmen spüren die Auswirkungen in Form teurer werdender PC-Komponenten – doch was genau steckt hinter dieser Entwicklung?
Steigende RAM-Preise: Eine Momentaufnahme
Seit Anfang 2024 verzeichnen Analysten massive Preissteigerungen bei DRAM-Modulen (Dynamic Random Access Memory) und NAND-Flash-Speichern. Die Preise für DDR5-RAM sollen laut TrendForce im dritten Quartal 2025 um durchschnittlich 13–18 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen sein – eine Entwicklung, die sich ins vierte Quartal fortsetzt (Quelle: TrendForce, August 2025).
Parallel klettern auch die Preise für NAND-Flash, die Grundlage für SSDs und Mobilgeräte-Speicher. Hier ergab eine Analyse von Statista aus dem September 2025 einen Anstieg von rund 22 % gegenüber dem Vorjahr. Die Kombination aus Angebotsverknappung und Nachfragerekord treibt die Margen für Hersteller, aber auch die Ausgaben für Endkunden in die Höhe.
KI-Trend als bedeutendster Preistreiber
Zentrales Element der aktuellen Entwicklung ist der globale KI-Aufschwung. Generative KI-Anwendungen wie GPT-5, Claude 3, Midjourney V7 oder Custom-Language-Modelle transformieren inzwischen ganze Industrien. Diese Systeme basieren auf hochkomplexen neuronalen Netzen, die immense Mengen an Speicher benötigen – sowohl während des Trainings als auch im laufenden Betrieb.
Ein typisches Trainings-Cluster für Large Language Models (LLMs) kann mehrere Terabyte an HBM3- oder DDR5-Speicher benötigen. Unternehmen wie Nvidia, Google, Meta oder Amazon Web Services ordern deshalb seit Monaten aggressive Mengen an High-End-RAM-Modulen, was zu einer Art Verdrängungswettbewerb zwischen Serveranbietern und Consumer-Markt geführt hat.
Laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia wird der weltweite Server-DRAM-Markt 2025 über 61 Milliarden US-Dollar Volumen erreichen – eine Verdopplung im Vergleich zu 2023.
Weitere Faktoren: Fertigungskapazitäten & Lieferketten
Der KI-Hype trifft auf eine Halbleiterindustrie, die bereits durch strukturelle Engpässe belastet ist. Speicherhersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron betreiben komplexe Produktionslinien, deren Ausweitung Jahre benötigt. Gleichzeitig führen reduzierte Investitionen aus dem Speichercrash 2022/23 dazu, dass Reserven in den Lagerbeständen fehlen.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen zwischen den USA und China, die 2025 wieder vermehrt zu Exportrestriktionen für Hochleistungsspeicher geführt haben. Auch regionale Stromausfälle – zuletzt in Taiwan im Juni 2025 – beeinträchtigen die Produktionsqualität in weit verzweigten Lieferketten.
Besonders kritisch zeigt sich der Markt für DDR5-Speicher, dessen feingliedrige Architekturen deutlich schwieriger herzustellen sind als frühere DDR4-Generationen. So meldete das Branchenportal DRAMeXchange im Oktober 2025, dass die durchschnittliche Herstellungsausbeute (Yield) für DDR5 derzeit nur bei etwa 60–65 % liegt – was im Vergleich zu den historischen 85–90 % als deutlich weniger effizient gilt.
Technologie-Umstellungen in Konsumprodukten
Doch nicht nur Rechenzentren zeigen sich verantwortlich für den RAM-Boom. Auch der Consumer-Bereich erlebt durch neue Technikzyklen steigenden Speicherhunger. Laptops, Smartphones und Game-Konsolen wie die PlayStation 6 oder Xbox Nova setzen auf RAM-Ausbaustufen von 32 oder sogar 64 GB.
Windows 12 und aktuelle macOS-Versionen optimieren aggressive Caching-Strategien, was höhere RAM-Anforderungen im alltäglichen Betrieb mit sich bringt. Auch Apps mit lokal ausgeführten KI-Funktionen – etwa Bildbearbeitungssoftware oder Audioanalyse-Tools – verlangen mehr Speicherkapazitäten. Laut einer Canalys-Analyse vom August 2025 verfügen mittlerweile 47 % der verkauften Notebooks über mindestens 32 GB RAM – ein Wert, der 2023 noch bei unter 20 % lag.
Wie Verbraucher jetzt reagieren können
Die steigenden RAM-Preise betreffen nicht nur IT-Abteilungen oder Data-Center-Betreiber, sondern auch ganz alltägliche Nutzer. Wer Hardware plant oder aufrüstet, muss daher strategisch vorgehen. Hier unsere wichtigsten Empfehlungen:
- Kaufzeitpunkt sorgfältig wählen: Historisch sinken RAM-Preise im ersten Quartal eines Jahres durch saisonale Effekte und Lagerabbau. Wer nicht dringend aufrüsten muss, kann davon profitieren.
- Kompatibilität prüfen: Besonders bei älteren Systemen kann ein RAM-Upgrade ineffizient sein. Vorher prüfen, ob Prozessor und Mainboard DDR5 bzw. LPDDR5 unterstützen – oder ob ein Komplettsystem sinnvoller wäre.
- Second-Hand-Markt beobachten: Insbesondere Unternehmen setzen auf kurze Innovationszyklen. Auf Plattformen wie eBay oder Refurbished-Portalen finden sich häufig günstige Speicheroptionen mit Gewährleistung.
Blick nach vorn: Entspannung erst 2026?
Die mittelfristige Lage auf dem RAM-Markt bleibt angespannt. Zwar investieren führende Unternehmen wie Samsung (13 Milliarden USD Investitionszusage für ein neues DRAM-Werk in Texas, Quelle: Bloomberg, September 2025) in neue Kapazitäten, doch diese werden frühestens 2026 produktiv nutzbar sein.
Auch eine Konsolidierung am Markt könnte zu geringeren Produktionsmengen führen. Micron etwa kündigte im Oktober 2025 eine Reduktion seiner DRAM-Linien um 8 % an, um die Margen stabil zu halten. Analysten von Gartner prognostizieren daher, dass sich der Markt erst im Laufe von Q3 2026 nachhaltig normalisieren werde.
Gleichzeitig nehmen immer mehr regionale Anbieter – etwa aus Vietnam und Indien – erste Fertigungen in Angriff, um dem Einfluss großer Konzerne wie SK Hynix oder Western Digital etwas entgegenzustellen. Ob diese marktverändernde Wirkung entfalten können, bleibt abzuwarten.
Fazit: RAM wird strategische Komponente
Der RAM-Markt 2025 ist ein Paradebeispiel dafür, wie technologische Trends, geopolitische Unsicherheiten und Fertigungszyklen miteinander verschmelzen. Künstliche Intelligenz wirkt dabei als starker Katalysator für neue Nachfrage, verschärft jedoch auch Engpässe in einer ohnehin angespannten Industrie.
Verbraucher wie Unternehmen sind gut beraten, das Thema aktiv zu beobachten und RAM-Beschaffung gezielt zu planen. Wer zu spät reagiert, zahlt doppelt – oder erhält schlicht nicht die benötigte Hardware.
Wie steht es bei euch: Habt ihr schon von steigenden RAM-Preisen beim letzten Upgrade gemerkt? Diskutiert mit uns in den Kommentaren oder auf unseren Social-Kanälen – wir sind gespannt auf eure Erfahrungen!




