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GOG.com in neuen Händen: Was der Verkauf an einen Gründer für den Gaming-Markt bedeutet

Ein strahlendes, natürlich beleuchtetes Büro mit einem freundlichen Gründer mittleren Alters, der konzentriert und optimistisch vor einem modernen Computer sitzt, umgeben von warmen Holztönen, dezenten Gaming-Devices und nostalgischen Sammlerstücken – ein atmosphärisches Portrait, das den Neuanfang und die leidenschaftliche Heimkehr zu den Wurzeln einer beliebten digitalen Spieleplattform verkörpert.

Der digitale Spielevertrieb GOG.com kehrt zurück zu seinen Wurzeln: Einer der Mitgründer übernimmt das Portal von CD Projekt, dem Mutterunternehmen des Entwicklerstudios hinter „The Witcher“ und „Cyberpunk 2077“. Was bedeutet dieser Eigentümerwechsel für Nutzer, Entwickler und den Wettbewerb auf dem heiß umkämpften Markt für digitale Games?

Ein Rückkauf mit Signalwirkung

Am 15. Dezember 2025 gab CD Projekt offiziell bekannt, das Tochterunternehmen GOG.com an ihren Mitgründer und ehemaligen CEO Marcin Iwiński zu veräußern. Mit seiner eigens gegründeten Holdingstruktur übernimmt Iwiński die vollständige Kontrolle über die beliebte Vertriebsplattform, die seit ihrer Gründung 2008 eine DRM-freie Alternative zu Steam und Co. bietet. Inmitten eines herausfordernden Geschäftsjahres – CD Projekt verzeichnete im Jahr 2024 einen Nettoverlust von 15 Mio. Euro – markiert der Verkauf eine strategische Neuausrichtung für das börsennotierte Unternehmen und ein Comeback für Iwiński.

GOG.com (ursprünglich „Good Old Games“) steht besonders bei PC-Spielern hoch im Kurs, die auf digitale Spiele ohne Kopierschutz, faire Preise und nostalgische Klassiker setzen. In der Vergangenheit war die Plattform oft Pionier – etwa beim Re-Releasen von DOS-Games mit integrierter Emulation oder beim Angebot vollständig offline spielbarer Downloads.

Unabhängigkeit als strategische Entscheidung

Für CD Projekt war GOG über Jahre ein Herzensprojekt – aber zuletzt auch ein Verlustbringer. Zwar konnte die Plattform 2023 einen Jahresumsatz von rund 42 Mio. Euro erwirtschaften (Quelle: CD Projekt Financial Reports, 2023), doch die zunehmende Marktkonzentration rund um Plattformen wie Steam (Valve), den Epic Games Store und Microsofts Game Pass senkte die Wachstumsperspektiven erheblich. Hinzu kommt, dass viele AAA-Publisher verstärkt auf eigene Launcher setzen (z.B. EA mit Origin oder Ubisoft mit Connect), sodass der Drittvertrieb an Reichweite verliert.

Das Management von CD Projekt begründete den Verkauf mit einer klaren Fokussierung auf Kernbereiche: Die Entwicklung und Vermarktung eigener Spiele. Analysten schätzen, dass der Verkauf zwischen 10–15 Mio. Euro eingebracht haben könnte – offizielle Zahlen wurden nicht genannt. Iwiński kündigte unterdessen an, GOG als eigenständige Plattform weiterentwickeln und stärker auf Community-getriebene Features setzen zu wollen.

Neue alte Visionen unter Gründerführung

Der Rückzug unter ein visionäres Management bietet Chancen: Insbesondere retroaffine Gamer und Indie-Studios blicken mit Hoffnung auf einen möglichen Kurswechsel. Unter Iwińskis Führung könnte GOG wieder verstärkt auf Qualitätskuratierung, ausgeklügelten Kundendienst und technische Kompatibilität alter Titel setzen – eine Nische mit treuer Zielgruppe, aber begrenztem Wachstumspotenzial.

Interessant ist auch der Zeitpunkt: In einem Markt, der 2025 laut Statista auf ein Volumen von 248,45 Mrd. US-Dollar kletterte – mit digitalen Verkäufen als Haupttreiber – gilt digitale Distribution als Schlüsselindustrie. Steam dominiert mit über 50.000 Spielen und ca. 120 Mio. aktiven monatlichen Nutzern das Segment (Quelle: Statista, Global Gaming Report 2025). GOG.com hingegen bietet „nur“ etwa 6.000 Titel an, fährt dafür aber klar erkennbare Werte wie Fairness und Spieleigentum.

Der Wettbewerb: Überleben im Schatten von Giganten

Mit der Rückführung in Gründerhand stellt sich die Frage, wie GOG in einem Markt bestehen kann, in dem Wachstum fast ausschließlich durch Exklusivtitel, große Vertriebsdeals und starke Plattformvernetzung erzielt wird. Im Vergleich zu Steam mit seinen Empfehlungsalgorithmen und Social-Features oder dem Epic Games Store mit aggressiven Gratis-Spiel-Kampagnen, wirkt GOG teils altmodisch, aber auch charmant eigenständig.

Die größte Herausforderung liegt im ökonomischen Druck: Ohne DRM lassen sich viele Publisher von der Zusammenarbeit abschrecken. Auch die fortschreitende Konsolidierung im Gaming-Bereich – etwa die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft (2023) – macht es kleinen Plattformen schwer, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Und doch: Die Vertrauensbasis zu einer loyalen Community, der Wunsch nach Spieleigentum in Abo-geplagten Zeiten und Nischen wie klassische Adventures oder Indie-Schätze könnten GOG ein Profil geben, das keiner der Großen glaubhaft übernehmen kann.

Neue Wege denkbar: Blockchain, Modding, Open Source?

Einige Branchenbeobachter spekulieren bereits über innovative Richtungen. Könnte GOG in Zukunft auch Blockchain-basierte Eigentumsnachweise für Spiele anbieten – als digitales Pendant zu physischen Sammlungen? Ein solches Modell, gepaart mit DRM-freiem Vertrieb, könnte insbesondere für Sammler und Web3-affine Kunden attraktiv sein. Noch fehlt es an ausgereiften Anwendungen, aber der Trend zu digitalen Besitzrechten ohne Zentralinstanz schreitet voran.

Auch der Bereich des Moddings bietet Potenzial. Während Steam mit seinem „Workshop“ zeigt, wie Nutzer aktiv zur Erweiterung von Spielen beitragen können, ist GOG oft passiver Kurator. Eine aktivere Unterstützung oder sogar Förderung von Mods – etwa durch Integration in den GOG-Galaxy-Client – könnte nicht nur Engagement, sondern auch Bindung fördern.

Nicht zuletzt könnte GOG zum Leuchtturm freier Software im Gaming werden. Durch Bündnisse mit Plattformen wie itch.io oder Organisationen wie Free Software Foundation ließen sich Open Source-Games professionell kuratieren und sinnvoll monetarisieren.

Was bedeutet das für Nutzer?

Für GOG-Nutzer ergeben sich durch die neue Eigentümerstruktur zunächst keine sofort sichtbaren Änderungen – Spielebibliotheken bleiben erhalten, der Galaxy-Client funktioniert wie gewohnt. Doch mittelfristig könnte sich der Ton der Plattform verändern: Weniger Corporate-Kompatibilität, mehr Community-orientierte Entscheidungen.

  • Bleiben Sie auf dem Laufenden: Abonnieren Sie den offiziellen GOG-Newsletter oder folgen Sie dem neu aufgelegten Twitter-Account (X), um neue strategische Ausrichtungen schnell zu erkennen.
  • Auf DRM-freie Titel achten: Gerade Indie-Games und Retro-Spiele erscheinen bevorzugt auf GOG. Nutzer, die digitale Langlebigkeit und echte Besitzrechte priorisieren, sollten gezielt nach dieser Kennzeichnung filtern.
  • Galaxy-Client regelmäßig aktualisieren: Mit der angekündigten Neuausrichtung sind auch Feature-Updates wahrscheinlich – inklusive Unterstützung für Mods oder Cloud-Synchronisation.

Fazit: Sanfte Revolution oder nostalgischer Rückschritt?

Der Verkauf von GOG.com in die Hände seines Gründers ist mehr als nur eine Unternehmensnachricht – er ist Symbol einer Rückbesinnung auf alte Werte im Zeitalter der digitalen Konsummaximierung. Während Konzerne auf Abo-Modelle und maximale Kontrolle setzen, steht GOG für Offenheit, Besitz und Vertrauen. Ob diese Haltung ökonomisch langfristig tragfähig ist, hängt stark davon ab, wie innovativ und dennoch nischenfokussiert GOG in den nächsten Jahren agiert.

Die Gaming-Community steht nun vor der Frage: Unterstützen wir Plattformen, die auf Nutzerhoheit setzen – oder folgen wir weiterhin dem bequemen Ecosystem der Großen?

Diskutieren Sie mit: Welche Rolle sollte GOG.com in der Zukunft des digitalen Spielemarktes spielen? Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren oder auf unseren Social-Media-Kanälen!

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