Die Zukunft von Künstlicher Intelligenz wird nicht nur durch Technologie, sondern auch durch Kapital entschieden. SoftBank sucht händeringend nach Investoren, um seine Milliardenpläne für OpenAI zu verwirklichen – denn die Uhr tickt. Welche Risiken, Strategien und Auswirkungen diese Finanzierung auf den globalen Tech-Markt hat, analysieren wir im Detail.
SoftBanks Ambitionen: Warum OpenAI zum Schlüsselprojekt wurde
SoftBank ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um riskante, aber potenziell bahnbrechende Investitionen geht. Nach Großprojekten wie dem Vision Fund, der unter anderem Uber, WeWork und Arm finanzierte, fokussiert sich der japanische Technologieinvestor erneut auf ein Hochrisiko-, aber Hochpotenzial-Feld: Generative KI. Der technologische und strategische Fokus liegt dabei auf OpenAI als dem derzeit prominentesten Anbieter großskaliger Sprachmodelle.
Im Sommer 2024 kamen erste Berichte auf, dass SoftBank Gespräche mit Investoren führe, um einen separaten Fonds in Höhe von rund zehn Milliarden US-Dollar aufzubauen, der gezielt Start-ups und Plattformen rund um OpenAI und dessen neues Ökosystem fördern soll. Dabei geht es nicht nur um Beteiligung an der Muttergesellschaft selbst, sondern um eine Positionierung im aufkommenden OpenAI-Ökosystem: Anwendungen, Infrastruktur, API-Lösungen, Cloud-Management.
SoftBank-CEO Masayoshi Son soll – laut Berichten von Bloomberg (Quelle: Bloomberg, August 2024) – direkt Kontakt zu OpenAI-CEO Sam Altman aufgenommen haben, um mögliche gemeinsame Strukturen zu diskutieren. Im Hintergrund läuft jedoch bereits der Wettlauf gegen die Zeit: Die Window-of-Opportunity für Infrastruktur-Finanzierungen bei KI-Plattformen wird zunehmend kleiner, weil andere Tech-Giganten eigene Lösungen priorisieren.
Potenzielle Investoren: Zwischen Risikokapital und strategischer Allianz
Das Investorenfeld für ein OpenAI-nahes SoftBank-Projekt ist breit, aber selektiv. Zum Kandidatenkreis zählen laut Informationen aus dem Marktumfeld institutionelle Kapitalgeber, darunter Pensionsfonds aus dem Nahen Osten, Family Offices aus den USA sowie strategisch orientierte Beteiligungsgesellschaften aus Südkorea und Singapur. Ein heißer Kandidat sind saudische Staatsfonds wie die PIF (Public Investment Fund), die bereits Erfahrung mit Tech-Investments aus SoftBanks Vision-Fund-Zeiten haben.
Doch das Investorenengagement ist kein Selbstläufer: Nach dem WeWork-Debakel ist SoftBanks Risikoprofil deutlich kritischer bewertet. Hinzu kommt: Die Marktpreise für Anteile an Plattform-Giganten wie OpenAI liegen nach der jüngsten Finanzierungsrunde im Frühjahr 2025 (Bewertung laut PitchBook: ca. 90 Milliarden US-Dollar) auf einem Allzeithoch. Viele Kapitalgeber zögern, zu spät und zu teuer einzusteigen.
Zudem wachsen regulatorische Unsicherheiten: Die geplante EU AI Act sowie neue US-Handelsvorgaben zu KI-Technologieexporten bremsen transkontinentale Deals. Auch China-basiertes Kapital ist aktuell de facto ausgeschlossen.
Warum SoftBank unter Zeitdruck steht
Der Zeitfaktor wird zum kritischsten Engpass der Initiative. Während Microsoft als strategischer Hauptpartner von OpenAI tiefer integriert wird – mit Zugriff auf exklusive Modelle und Infrastruktur – droht SoftBank der Anschluss zu entgleiten, sollten Finanzierungsverhandlungen nicht zügig abgeschlossen werden.
Laut Recherchen von The Information (September 2024) plant Microsoft, die Exklusivnutzung ihrer Azure-KI-Infrastruktur für Drittanbieter zu verschärfen. Dies hätte zur Folge, dass alle OpenAI-nahen Anbieter ohne strategische Microsoft-Anbindung logistische Nachteile in Bezug auf Hosting, Leistungsabnahme und API-Durchsatz hätten.
Für SoftBank bedeutet das: Entweder gelingt die kapitalstarke Mehrheitsplatzierung bis Ende Q1/2026 – oder das KI-Feld konsolidiert sich ohne sie.
Markttrends: Infrastruktur wird zur neuen Währung des KI-Zeitalters
Während Software-Lösungen wie ChatGPT im Rampenlicht stehen, verlagert sich der Wettbewerb zunehmend auf die darunterliegende Infrastruktur: Rechenzentren, Chips, Hosting-Cluster. Laut Synergy Research Group (Q3 2025) stieg der globale Umsatz für Hyperscale-Infrastruktur im KI-Betrieb im Jahresvergleich um 44 %. NVIDIA und AMD melden seit Anfang 2025 starke Gewinnsprünge im Data-Center-Segment.
Auch in Deutschland setzte sich dieser Trend fort: Laut einer Bitkom-Erhebung (2025) erwarten 68 % der Unternehmen steigenden Bedarf an KI-spezifischer Serverinfrastruktur innerhalb der nächsten zwei Jahre.
SoftBank setzt hier strategisch auf Sub-Exits: Beteiligungen an spezialisierten KI-Hosting-Anbietern, etwa aus dem Silicon Valley oder Singapur, könnten mittelfristig konsolidiert und unter ein Dachportfolio gestellt werden. Ziel: OpenAI-kompatible, regulierungskonforme Infrastruktur – „Made for Scaling“.
Vertrauen ist das neue Kapital
Neben Technologie und Geld zählt ein dritter, entscheidender Faktor: Vertrauen. Nach dem spektakulären Zusammenbruch von WeWork und den massiven Abschreibungen im Vision Fund I zweifeln viele institutionelle Investoren an SoftBanks Governance-Modell. Zur Wiederherstellung des Vertrauens setzt das Unternehmen auf mehr Transparenz sowie neue Partnerstrukturen mit geteiltem Kontrollmodell.
Im aktuellen Vorstoß wird auf eine sogenannte GP-LP-Struktur gesetzt – eine gängige Aufteilung zwischen General Partner (SoftBank) und Limited Partners (Investoren), bei der Governance-Elemente wie Investment-Komitees, Exit-Klauseln und KPI-basierte Ausschüttungen festgelegt sind. Eine Anlehnung an Silicon-Valley-Standards, die Vertrauen schaffen soll.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie bei jeder hochvolatilen Technologiefinanzierung gibt es auch hier zahlreiche Risiken:
- Technologischer Paradigmenwechsel: Derzeit dominante Modelle wie GPT-4 könnten binnen kurzer Zeit durch neue Architekturen (z. B. multimodale Foundation Models oder Sparse Expert-Netzwerke) obsolet werden.
- Politische Einflussnahme: Sowohl EU als auch die USA prüfen verstärkte Eingriffe in KI-Investitionen aus ausländischen Quellen – insbesondere, wenn diese sicherheitsrelevante Technologie betreffen.
- Überbewertung von Plattformen: Sollte OpenAI mittelfristig die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen, drohen signifikante Abschreibungen bei nachgelagerten Infrastruktur-Investments.
Trotz dieser Risiken lässt sich SoftBank kaum abschrecken: In aufsteigenden Technologiewellen – so die Logik des Unternehmens – entscheiden frühe All-In-Investitionen über Marktführer von morgen.
Handlungsempfehlungen für Tech-Strategen und Investoren
- Frühzeitig Allianzen mit Infrastrukturanbietern prüfen: Wer sich im OpenAI-Ökosystem etablieren will, sollte Zugang zu skalierbarer KI-Hardware und Cloud-Plattformen priorisieren, etwa über strategische Partnerschaften oder Co-Investitionen.
- Regulatorische Entwicklungen ständig monitoren: Investitionsentscheidungen sollten rechtliche Erwägungen aus dem EU AI Act und den US-Chip-Exportrestriktionen in Echtzeit berücksichtigen.
- Komplementäre Geschäftsmodelle entwickeln: Unternehmen, die OpenAI nicht direkt integrieren können oder wollen, sollten auf branchenspezifische Implementierungsplattformen (z. B. in FinTech oder Healthcare) setzen und so ein resilientes Geschäftsmodell rund um KI-Infrastruktur etablieren.
Fazit: Geld, Infrastruktur und Vertrauen – eine neue Dreifaltigkeit der KI-Wirtschaft
Die von SoftBank angestrebte Finanzierung für OpenAI ist Symptom und Signal zugleich: Die Welt der Künstlichen Intelligenz verschiebt sich von Forschungszentren zu Kapitalmärkten, von Code zu Infrastruktur. Wer heute entscheidet, mit welchem Kapital Infrastruktur für Foundation Models gebaut wird, bestimmt morgen, wer Zugang zur Künstlichen Intelligenz hat – und wer ausgeschlossen bleibt.
Ob SoftBank das Rennen gegen die Zeit gewinnt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Kampf um Vorherrschaft in der KI-Wirtschaft wird zunehmend zum Kampf um Hosting, Kapital und Vertrauen.
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