Mit Version 5.1 bringt openHAB eine der bedeutendsten Erweiterungen in seiner Geschichte: die native Integration von Apple HomeKit. Damit wird die Open-Source-Plattform nicht nur noch flexibler, sondern öffnet sich auch einem bisher weitgehend abgeschirmten Ökosystem – mit potenziellen Auswirkungen auf den gesamten Smart-Home-Markt.
Ein Meilenstein für die offene Hausautomatisierung
openHAB (Open Home Automation Bus) zählt seit über einem Jahrzehnt zu den führenden quelloffenen Projekten im Bereich der Heimautomatisierung. Die Plattform zeichnet sich besonders durch ihre herstellerunabhängige Architektur aus und unterstützt mittlerweile über 380 sogenannte „Bindings“ – Integrationen zu Smart-Home-Geräten und -Diensten. Mit Version 5.1 – veröffentlicht im Dezember 2025 – gelingt openHAB ein entscheidender Schritt: die erstmalige, offizielle Unterstützung für Apple HomeKit.
Bisher war es Nutzern nur über manuelle Workarounds – etwa in Kombination mit dem Zusatzdienst Homebridge – möglich, HomeKit-Geräte mit openHAB zu verbinden. Das war fehleranfällig und technisch aufwendig. Mit der neuen nativen Integration entfällt dieser Umweg. Die Verbindung erfolgt nun direkt über das neue HomeKit Binding, das offiziell in die stabile openHAB-Distribution aufgenommen wurde.
Was steckt hinter der neuen HomeKit-Integration?
Die neue Schnittstelle basiert auf dem offenen HAP-Protokoll (HomeKit Accessory Protocol) und ermöglicht eine bidirektionale Kommunikation zwischen HomeKit-kompatiblen Geräten und der openHAB-Instanz. Damit ist nicht nur die Steuerung über Apple-Geräte wie iPhone oder Siri möglich, sondern auch die Integration von HomeKit-Zubehör in komplexe Automatisierungsszenarien innerhalb von openHAB.
Laut den Release Notes auf github.com/openhab sind neben Lampen, Schaltern und Thermostaten auch Sicherheitsgeräte wie Türschlösser oder Kameras kompatibel – sofern sie HomeKit-zertifiziert sind. Für Entwickler bieten sich zudem neue Möglichkeiten, etwa durch die Kombination von HomeKit mit MQTT, KNX, Z-Wave oder Zigbee über openHAB.
Besonders erwähnenswert ist dabei die verbesserte Datenschutzarchitektur: HomeKit setzt – anders als viele Cloud-basierte Systeme – auf lokale Kommunikation. Das spielt insbesondere in der datensensiblen EU eine Rolle. openHAB 5.1 bleibt dieser Philosophie treu und setzt weiterhin auf lokale Integrationen, lokale Steuerung und vollständige Datenhoheit der Nutzer.
Warum das einen Paradigmenwechsel bedeutet
Apple HomeKit galt lange als geschlossenes System, geprägt von einem strengen Zertifizierungsprozess und festen Partnerrichtlinien. Die Öffnung über openHAB könnte nun die Brücke zwischen proprietärem Komfort und quelloffener Flexibilität schlagen. Das hat Signalwirkung:
- Mehr Kompatibilität: Nutzer müssen sich nicht mehr zwischen HomeKit und anderen Systemen wie Alexa, Google Home oder openHAB entscheiden. Alles kann in einer zentralen Logik orchestriert werden.
- Weniger Vendor-Lock-in: Die Verbindung von HomeKit mit offenen Standards wie MQTT oder Zigbee eröffnet Nutzern mehr Wahlfreiheit bei der Hardwareauswahl.
- Stärkere Interoperabilität: Geräte verschiedener Hersteller – etwa ein Eve-Thermostat (HomeKit) und ein Aqara-Bewegungssensor (Zigbee) – können nun nativ im selben Automation-Flow kooperieren.
Digitale Souveränität, wie sie in der europäischen Smart-Home-Diskussion immer wieder gefordert wird, bekommt so eine neue Basis. Der Schritt ist auch strategisch relevant angesichts wachsender Kritik am „Walled Garden“-Ansatz großer Hersteller.
Marktausblick: Apple trifft Open Source
Der globale Smart-Home-Markt wächst kontinuierlich. Laut Statista wird das Marktvolumen bis 2028 auf über 231 Milliarden US-Dollar steigen – mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 12,6 %. Besonders Sprachsteuerung und systemübergreifende Automationen treiben die Nachfrage an. Während Apple HomeKit bislang primär in Premium-Setups eingesetzt wurde, macht openHAB die Integration nun auch für Bastler, Maker und Prosumer interessant.
Eine weitere Entwicklung kommt hinzu: Die zunehmende Bedeutung des Standardprotokolls Matter, das Interoperabilität verspricht – getrieben u. a. von Apple, Amazon, Google und der Connectivity Standards Alliance. Auch openHAB plant eine Matter-Integration, derzeit noch als Community-Add-on. Zusammen mit HomeKit ergibt sich eine starke Kombination aus Kompatibilität, Sicherheit und Automatisierungstiefe.
Wie relevant diese Offenheit ist, zeigen aktuelle Zahlen des Branchenverbands Bitkom: In Deutschland verwenden bereits 56 % der Haushalte mindestens ein Smart-Home-Gerät (Stand: Q3 2025). Anwender fordern zunehmend systemübergreifende Konnektivität, die nicht an Herstellergrenzen endet.
Echter Fortschritt: Das neue Main UI in openHAB 5.1
Neben der HomeKit-Integration hat openHAB 5.1 auch die Benutzeroberfläche – das „Main UI“ – umfassend überarbeitet. Die Oberfläche basiert weiterhin auf Angular und JSON-Konfigurationsdateien, bietet aber nun:
- Responsive Dashboards mit adaptivem Layout für Smartphones, Tablets und Smart Displays
- Drag-and-Drop-Szeneneditor für Automationen
- Kontextabhängige Tooltips und Onboarding-Assistenten
- Tiefere Integration von Gerätestatus in Echtzeit
Das überzeugt nicht nur Entwickler, sondern auch nicht-technische Nutzer. Besonders die neue visuelle Szenenbearbeitung senkt die Einstiegshürde deutlich. Komplexe Logiken lassen sich nun einfacher per GUI erstellen – etwa: Wenn die Haustür geöffnet wird, aktiviere das Licht im Flur und deaktiviere die Alarmanlage zwischen 17 und 22 Uhr – und zwar unabhängig davon, ob das aus HomeKit, Z-Wave oder Zigbee kommt.
Praktische Empfehlungen für Smart-Home-Enthusiasten
Wer von den Neuerungen in openHAB 5.1 maximal profitieren will, sollte folgende Schritte berücksichtigen:
- Setzen Sie auf HomeKit-kompatible Geräte mit offener API (z. B. von Eve oder Netatmo), um die native Anbindung in openHAB produktiv zu nutzen.
- Investieren Sie in ein Backup- und Versionsmanagement Ihrer openHAB-Konfiguration – insbesondere beim Wechsel auf eine neue Plattformversion.
- Nehmen Sie sich Zeit, das neue Main UI zu konfigurieren und individuell anzupassen. Eine klare Struktur erleichtert spätere Automatisierungen erheblich.
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in die openHAB Community-Foren, in denen bereits zahlreiche Erfahrungsberichte und Konfigurationsbeispiele zur HomeKit-Integration geteilt werden.
Fazit: Brücke zwischen Welten
Mit Version 5.1 definiert openHAB nicht nur seine technische Relevanz neu, sondern erschließt durch die HomeKit-Integration auch eine strategisch wichtige Nutzergruppe. Die offene Architektur trifft damit auf den Komfort eines etablierten, designorientierten Systems – ein Brückenschlag, der Schule machen könnte.
Gerade für technikaffine Nutzer in Europa markiert das Update einen tatsächlichen Game-Changer – weil es Wahlfreiheit, Datenschutz und Interoperabilität in einem System vereint. Die überarbeitete UI senkt zusätzlich die Einstiegshürde und macht openHAB damit zukunftssicherer denn je.
Wie bewährt sich die neue Integration in der Praxis? Welche Geräte laufen besonders stabil? Die Community wächst – diskutieren Sie mit im openHAB-Forum oder auf GitHub!




