KI-gestützte Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind aus unserer digitalen Kommunikation kaum noch wegzudenken. Doch bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten birgt das Gespräch mit KI-basierter Software auch Risiken – insbesondere dann, wenn Nutzende unbedacht sensible Informationen preisgeben. Was genau sollte man besser nicht teilen? Und warum kann das gefährlich werden? Wir zeigen die sechs wichtigsten Dinge, die du Chatbots niemals anvertrauen solltest – und geben konkrete Tipps für einen sicheren, verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Warum Vorsicht geboten ist: Chatbots als Datenstaubsauger
Aktuelle Sprachmodelle wie OpenAIs ChatGPT basieren auf sogenannten Transformer-Architekturen, die über Milliarden von Parametern verfügen. Diese KI-Systeme analysieren jede Eingabe, um darauf eine möglichst passende Antwort zu generieren. Dabei gilt: Was du dem Chatbot mitteilst, kann gespeichert, analysiert und potenziell weiterverwendet werden – etwa zur Trainingsoptimierung künftiger Modelle. Zwar versprechen viele Anbieter Anonymisierung und Datenschutz, doch in der Praxis zeigen sich immer wieder Lücken.
Ein bekanntes Beispiel: Im März 2023 musste OpenAI vorübergehend ChatGPT offline nehmen, nachdem ein Bug in der Open-Source-Bibliothek Redis dazu führte, dass Nutzer Ausschnitte aus Fremd-Chats, inklusive Bezahldaten, angezeigt bekamen. Obwohl der Vorfall nur wenige Nutzer betraf, zeigte er: Selbst KI-Systeme großer Anbieter sind nicht vor Datenpannen gefeit. Der US-Techkonzern Samsung untersagte daraufhin im April 2023 intern die Nutzung von ChatGPT, nachdem sensible Quellcodes von Mitarbeitenden ungeschützt an das System weitergeleitet wurden.
Eine im Juni 2023 veröffentlichte Studie des Mozilla-Forschungsprojekts „*Privacy Not Included*“ zeigt zudem, dass viele KI-Tools unzureichende Datenschutzrichtlinien haben. Von 25 getesteten Chatbots schnitten fast 70 % schlecht in Bezug auf Transparenz und Privatsphäre ab. Besonders besorgniserregend: Einige Tools behalten sich in ihren AGB das Recht vor, Nutzeranfragen dauerhaft zu speichern oder an Dritte weiterzugeben.
Um sich davor zu schützen, sollten Nutzende verstehen, welche Inhalte sie besser für sich behalten. Hier sind sechs Kategorien sensibler Daten, die du unter keinen Umständen an einen Chatbot weitergeben solltest.
1. Persönlich identifizierbare Informationen (PII)
Zu den besonders sensiblen Informationen zählen persönliche Daten wie dein vollständiger Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder dein Geburtsdatum. Auch wenn ein Chatbot diese Angaben lediglich zur besseren Kontextverarbeitung abfragt, können sie bei unzureichender Sicherung oder Missbrauch in falsche Hände geraten.
Datenschutz-Gesetze wie die DSGVO verbieten die Verarbeitung personenbezogener Daten ohne ausdrückliche Einwilligung. Trotzdem ist Vorsicht geboten – denn nicht jeder KI-Anbieter sitzt in der EU oder hält sich an europäische Standards.
2. Finanzinformationen und Zahlungsdaten
Kontonummern, Kreditkartendetails, IBAN/BIC-Informationen oder Zugangsdaten fürs Online-Banking haben in einer Chat-Session mit einer KI nichts verloren. Diese Daten können für Phishing-Angriffe genutzt oder im schlimmsten Fall in Datenleaks verwertet werden.
Ein Sicherheitshinweis von Kaspersky aus dem Jahr 2024 warnte ausdrücklich davor, Zahlungsinformationen in KI-Tools einzugeben – zumal einige Anbieter Online-Dienste nutzen, bei denen Chatverläufe zur Modellweiterbildung verwendet werden.
3. Authentifizierungsdaten: Passwörter & Sicherheitsfragen
Ein klassischer Fehler ist die Weitergabe von Passwörtern, Zwei-Faktor-Codes oder Sicherheitsantworten – beispielsweise, wenn der Chatbot bei Login-Problemen helfen soll. Doch Chatbots speichern Konversationen temporär (und teils dauerhaft), sodass solche Informationen potenziell abrufbar bleiben.
Selbst wenn du deinen Chatverlauf später löschst, können zwischengespeicherte Daten systemseitig bestehen bleiben. Ein Bericht der Harvard Business Review (2023) betonte: Einer der größten Schwachpunkte in Unternehmens-Chats mit KI liegt in der unachtsamen Weitergabe von Zugangsinformationen.
4. Geschäftsgeheimnisse & interne Unternehmensdaten
Unternehmen nutzen KI-Systeme zunehmend für Konzeption, Zusammenfassungen oder Übersetzungen – oftmals auch mit sensiblen Inhalten. Doch interne Strategiepapiere, Produktinformationen oder nicht veröffentlichte Daten gehören nicht in einen öffentlichen KI-Chatbot.
Die Wirtschaftsauskunftei Deloitte stellte in einem Whitepaper 2024 fest, dass 52 % der deutschen Unternehmen KI bereits in ihren Wissensarbeit-Prozessen einsetzen. Gleichzeitig geht fast ein Drittel davon aus, dass sensible Daten dabei unbeabsichtigt weitergegeben wurden.
- Vermeide es, Marketingpläne, Kundendaten oder Quellcode mit nicht-lizenzierten KI-Diensten zu teilen.
5. Medizinische und psychologische Informationen
Immer mehr Menschen nutzen Chatbots für Gesundheitsfragen – doch hier ist höchste Vorsicht geboten. Angaben zu Krankheiten, Therapien, psychischem Zustand oder Medikamenten unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht und dem Datenschutz nach §203 StGB (DE). ChatGPT & Co. sind weder medizinisch geprüft noch zum Umgang mit Gesundheitsdaten autorisiert.
Laut einer Umfrage von Statista im Februar 2024 nutzen rund 17 % der befragten Deutschen KI-Tools, um medizinische Einschätzungen einzuholen. Dass diese Informationen gespeichert oder in Trainingsdaten einfließen könnten, ist vielen dabei nicht bewusst.
- Nimm medizinischen Rat niemals aus Chatbots anstelle eines ärztlichen Fachpersonals an.
- Teile keine Krankheitsdetails, Diagnosen oder Laborwerte in offenen KI-Chats.
6. Informationen über Dritte
Der Datenschutz endet nicht beim eigenen Namen. Wer etwa Lebensläufe, Beziehungsdetails oder übergriffige Aussagen über andere Personen an einen Chatbot überträgt, verletzt potenziell deren Persönlichkeitsrechte.
Ein KI-Tool kann diese Informationen nicht rechtlich einordnen, speichert sie aber dennoch für Analysezwecke. Die Stiftung Warentest verweist in einer Analyse von 2023 darauf, dass auch unabsichtliche Eingaben über Dritte in Chat-Nachrichten gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen können.
- Besprich keine personenbezogenen Informationen anderer ohne deren Einwilligung.
- Vermeide auch anonymisierte Fallbeispiele, wenn Rückschlüsse auf reale Personen möglich sind.
Verantwortungsvoller Umgang mit KI: Was Nutzer aktiv tun können
Mit der wachsenden Verbreitung von KI-Anwendungen ist Medienkompetenz gefragt – denn technische Raffinesse ersetzt keine verantwortungsvolle Nutzung. Hier drei zentrale Empfehlungen für einen sicheren Umgang im Alltag:
- Verwende „Private Mode“ oder anonyme Nutzung, wenn verfügbar: Viele Anbieter wie OpenAI bieten inzwischen Optionen, Chats nicht für Trainingszwecke zu speichern. Deaktiviere diese Funktion aktiv in deinen Einstellungen.
- Bevorzuge lokale KI-Lösungen, wenn Datenschutz entscheidend ist: Tools wie LM Studio oder Ollama ermöglichen lokale, offline betriebene Modelle – insbesondere in sensiblen Anwendungsbereichen sinnvoll.
- Kontrolliere regelmäßig deinen Chatverlauf und lösche gezielt Inhalte: Insbesondere bei Plattformen mit cloudbasierter Speicherung solltest du alte oder riskante Chatinhalte löschen, um die Datenhoheit zu wahren.
Fazit: Maschine bleibt Maschine – und Datenschutz bleibt Menschenpflicht
Chatbots sind leistungsfähig, dialogorientiert und oft verblüffend hilfreich. Doch sie sind keine vertrauenswürdigen Wesen – sondern algorithmisch gesteuerte Systeme mit technischen und rechtlichen Grauzonen. Wer KI sicher nutzen will, muss die Risiken kennen und Grenzen respektieren. Es geht dabei nicht nur um Selbstschutz, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit sensiblen Informationen.
Welche Erfahrungen hast du mit Chatbots gemacht? Teile deine Gedanken und Best Practices mit der Community in den Kommentaren – und lass uns gemeinsam weiterdenken, wie wir digitale Intelligenz verantwortungsbewusst nutzen können.




