Künstliche Intelligenz

Bankensektor im Wandel: Die Rolle von KI-Agenten und der Bedarf nach Transparenz

Ein heller, freundlicher Büroarbeitsplatz im modernen Bankgebäude, an dem ein Team aus verschiedenen Fachleuten in entspannter Atmosphäre an Laptops und Tablets zusammenarbeitet, während natürliches Sonnenlicht durch große Fenster fällt und Wärme sowie Vertrauen ausstrahlt, die die harmonische Verbindung von Mensch und moderner KI-Technologie symbolisieren.

Intelligente Agenten verändern nicht nur Suchmaschinen und Chatbots – im Finanzwesen stehen sie kurz davor, ganze Geschäftsprozesse neu zu definieren. Prognosen zeigen: Bis 2026 könnten KI-Agenten in Banken allgegenwärtig sein. Gleichzeitig wächst der Druck auf Institute, diese Systeme nachvollziehbar und vertrauenswürdig zu gestalten.

KI-Agenten auf dem Vormarsch: Wie SAS die Zukunft der Finanzbranche sieht

Die Analytics-Spezialisten von SAS prognostizieren tiefgreifende Umwälzungen im Bankensektor: Künstliche Intelligenz – und spezifisch KI-Agenten – sollen das wirtschaftliche Rückgrat traditioneller Bankenprozesse neu strukturieren. Laut dem SAS Trend Report 2024 wird bis 2026 mehr als die Hälfte aller Kundeninteraktionen in Banken zumindest teilweise durch KI-Agenten unterstützt.

KI-Agenten – in diesem Kontext digitale Softwaresysteme, die eigenständig Aufgaben planen, entscheiden und ausführen können – sind dabei keine Zukunftsmusik mehr. Moderne Implementierungen reichen von RPA-unterstützten (Robotic Process Automation) Kreditprüfungen über Chatbots mit Natural Language Understanding bis hin zu GPT-basierten Co-Piloten für Kundenbetreuer. SAS betont insbesondere die Rolle multimodaler KI-Systeme, die verschiedene Datenquellen wie Text, Sprache, Bild und Transaktionsdaten simultan analysieren, um Entscheidungen autonom zu treffen.

Die Treiber hinter diesem Wandel sind vielfältig: steigende Kundenerwartungen hinsichtlich schneller, personalisierter Services; ein zunehmender Fachkräftemangel; sowie der hohe Kostendruck bei steigender Regulierungsdichte. Hinzu kommt, dass agile Wettbewerber aus dem FinTech-Sektor etablierte Geldhäuser unter Innovationsdruck setzen.

Transparenz und Vertrauen: Voraussetzungen für den flächendeckenden KI-Einsatz

Mit der zunehmenden Automatisierung durch KI-Agenten geht unweigerlich eine zentrale Herausforderung einher – Vertrauen. Kundinnen und Kunden akzeptieren KI-gestützte Entscheidungen nur dann, wenn sie diese nachvollziehen können. Gerade im sensiblen Umfeld finanzieller Entscheidungen – etwa bei Kreditzusagen, Risikobewertungen oder Anlageempfehlungen – wächst der Ruf nach erklärbarer KI („Explainable AI“).

Laut einer Studie der Bank of England aus dem Jahr 2025 vertrauen nur 37 % der Kundinnen und Kunden einer KI-basierten Kreditentscheidung ohne menschliche Überprüfung. Gleichzeitig erklärte Deloitte im AI Trends Report 2025, dass 71 % der Banken erklärbare KI-Modelle in ihre Systeme integrieren wollen – ein Anstieg um 25 % gegenüber 2023.

Organisationen wie das AI Transparency Institute in Zürich fordern daher verbindliche Transparenzkriterien: von auditierbaren Algorithmen bis hin zu standardisierten Impact-Assessments. Die EU nimmt mit dem AI Act (voraussichtlich mit voller Gültigkeit ab 2026) ebenfalls Kurs auf eine streng regulierte Nutzung hochriskanter KI-Systeme – zu denen auch viele Finanzanwendungen zählen.

Technologische Realität: So setzen Banken heute bereits KI-Agenten ein

Praxisbeispiele aus der Branche zeigen, wie KI-Agenten bereits heute signifikante Vorteile bringen – bei gleichzeitig zunehmender technischer Komplexität. Die Deutsche Bank beispielsweise testete 2025 erfolgreich einen generativen KI-Agenten, der automatisch regulatorisch konforme Kreditbriefe formulierte. Das Pilotprojekt reduzierte die Bearbeitungszeit um 62 %.

Auch auf der Kundenseite wird experimentiert: Die niederländische ING erweiterte ihre Mobile-Banking-Plattform mit einem multimodalen KI-Assistenten, der Transaktionen analysiert, Sparziele vorschlägt und Warnungen bei untypischem Ausgabeverhalten ausspricht. Laut unternehmenseigenen Angaben wurde das Tool in Q3/2025 über 1,8 Millionen Mal genutzt – bei einer Zufriedenheitsrate von 89 %.

Allerdings zeigt sich: Der Entwicklungsaufwand ist enorm. Die Abstimmung zwischen Fachexpertinnen, Data Scientists, Legal-Teams und Ethikkommissionen wird zur neuen Normalität agiler KI-Implementierung. Unternehmen setzen daher verstärkt auf verantworungsvolle MLOps (Machine Learning Operations) sowie kontinuierliche Modellvalidierung – ein Trend, den Gartner als „AI Quality Chain“ bezeichnet.

Risiken bewusst managen: Zwischen Innovation und Verantwortung

Mit der steigenden Verbreitung von KI-Agenten wachsen auch die Risiken – von algorithmischer Voreingenommenheit (Bias) über fehlerhafte Datenbasis bis hin zu Systemkomplexität, die für nicht-technisches Personal kaum durchschaubar ist. Die Financial Stability Board (FSB) warnte 2025, dass unregulierte KI-Systeme Systemrisiken für die globale Finanzstabilität bergen könnten.

Regulierer antworten inzwischen mit klaren Leitlinien: Die BaFin fordert etwa seit Mitte 2025 KI-spezifische Risikoanalysen bei jedem Technologieeinsatz über 100.000 Euro. Die Europäische Zentralbank integriert KI-Kontrollaspekte in ihre Prüfungen unmittelbar nach Inkrafttreten des AI Acts. Banken müssen damit nicht nur nachweisen, dass Entscheidungen korrekt sind – sondern auch, dass das System dahinter ethisch einwandfrei aufgebaut ist.

Für Banken wird es deshalb entscheidend, den Spagat zu meistern: Innovation vorantreiben, aber dabei Vertrauen und Kontrolle nicht opfern. Die Entwicklung hin zu „Trusted AI Agents“ – transparent, auditierbar und compliant – wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Neuer Kundenkontakt: KI als Beziehungsarchitekt

Eine oft unterschätzte Konsequenz des KI-Einsatzes ist die Transformation der Kundenbeziehung. Intelligente Agenten ermöglichen proaktive Interaktionen auf datenbasierter Basis: Sie erkennen Lebensereignisse (z. B. Jobwechsel), analysieren emotionale Tendenzen im Kontaktverlauf und passen Services dynamisch an. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die menschliche Komponente verloren geht – etwa wenn Kunden Berater digital „nicht mehr erreichen“ oder sich entmündigt fühlen.

Eine Accenture-Umfrage vom September 2025 zeigt: 64 % der Bankkund:innen schätzen digitale Beratung – aber 72 % wünschen sich, im Zweifel auf einen echten Menschen zurückgreifen zu können. Der nahtlose Übergang zwischen Maschine und Mensch – auch „Agent Handoff“ genannt – wird damit zum strategischen Ziel moderner Omnikanal-Bankinglösungen.

Hier zeigt sich eine Erkenntnis, die zunehmend Konsens wird: KI ersetzt Berater nicht, sondern ergänzt sie – im besten Fall als unsichtbarer Kopilot, der datenbasiert unterstützt, aber nicht dominiert.

Empfehlungen für Banken: So gelingt der KI-Einsatz nachhaltig

Damit KI-Agenten nicht zum Risiko, sondern zum Zukunftsvorteil werden, sollten Banken folgende Handlungsfelder fokussieren:

  • Transparenz schaffen: Erklärbare Modelle (XAI), Dokumentation der Trainingsdaten, verständliche Kommunikationsstrukturen für Kund:innen und Prüfstellen implementieren.
  • Interdisziplinäre Teams etablieren: Erfolgreicher KI-Einsatz gelingt nur im Zusammenspiel von IT, Recht, Fachabteilungen und Ethikbeauftragten. Crossfunktionale Governance-Modelle machen den Unterschied.
  • Customer Experience im Zentrum behalten: Technologische Effizienz darf nie auf Kosten der emotionalen Kundenbindung gehen. Hybride Modelle mit Mensch-Maschine-Übergängen bieten den größten Mehrwert.

Fazit: KI-Agenten sind gekommen, um zu bleiben – aber unter Auflagen

Die nächsten Jahre werden entscheidend dafür sein, ob Banken den Sprung von reaktiven Systemen hin zu intelligent-agierenden KI-Agenten nachhaltig meistern können. Die technologischen Möglichkeiten sind da. Doch nur wer Vertrauen schafft, regulatorische Anforderungen erfüllt und echten Kundennutzen generiert, wird auf Dauer bestehen.

Die Chancen sind enorm: kosteneffizientere Prozesse, individuellere Beratung, schnelle Skalierbarkeit. Gleichzeitig gilt es, aus ethischen Fehlern anderer Branchen frühzeitig zu lernen. Der Mensch darf nicht zum Blackbox-Nutzer degradiert werden.

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