Mit dem kommenden Update auf One UI 8.5 wagt Samsung den bislang größten Schritt in der Evolution seines Sprachassistenten Bixby. Die Integration des KI-Systems „Perplexity“ verspricht nicht nur mehr Kontextverständnis und schnellere Reaktionen, sondern positioniert Bixby neu im globalen Wettbewerb intelligenter Assistenten. Können Samsung-Nutzer nun wirklich von einem smarteren, nützlicheren Alltagsbegleiter profitieren?
Bixby 2.0 – Ein Neustart mit KI-Turbo
Nach Jahren der Kritik und des technischen Stillstands erfährt Bixby mit Version 2.0 ein Fundament-Update. Die größte Neuerung: die tiefe Integration von Perplexity, einer generativen KI-Plattform, die auf das „retrieval-augmented generation“-Modell (RAG) setzt. Dabei kombiniert Perplexity Large Language Models (LLMs) mit aktuellen Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen, ähnlich wie OpenAI’s GPT-4-Turbo mit Webzugang – jedoch zielgerichteter und datensparsamer. Samsung lizenziert eine angepasste, offline-fähige Version, optimiert für Edge Devices.
Die neue Bixby-Version ist nicht nur schneller und kontextsensibler, sondern auch deutlich sicherer. Durch On-Device-Processing fallen personenbezogene Daten nicht mehr zwingend in die Cloud, ein Vorteil gerade in datensensiblen Märkten wie der EU.
Perplexity inside – Wie Bixby zu neuem Leben erwacht
Perplexity ist keine Unbekannte. Das US-Startup, gegründet von ehemaligen KI-Engineers von OpenAI, Meta und Quora, machte 2025 mit seinem Such-KI-Ansatz Schlagzeilen. Statt Suchen anzuzeigen, generiert Perplexity direkt präzise Antworten – und belegt diese mit Quellenverweisen. Integriert in Bixby übersetzt sich das nun in intelligente, dialogorientierte Assistenzfunktionen: Nutzer erhalten beispielsweise sofortige Routenempfehlungen, Recherchen über Orte, Restauranttipps oder technische Anleitungen – basierend auf vertrauenswürdigen Quellen und Kontextdaten aus Kalender, Standort, App-Verläufen und Smart-Home-Systemen.
Ein Beispiel: Wer morgens fragt „Wie ist meine Pendelsituation heute?“ erhält nicht nur die Verkehrslage, sondern auch Infos zur Bahnstreiklage, Wetterwarnungen und ggf. Empfehlungen für optimierte Reisezeiten – inklusive Links zur Quelle, Funktionen zur Kalenderanpassung und Textbausteinen für Absage-E-Mails.
Bixby im Wettbewerb: Noch im Schatten von Siri, Alexa und dem Google Assistant?
Laut Canalys nutzten im Jahr 2025 weltweit 4,3 Milliarden Menschen zumindest gelegentlich einen digitalen Sprachassistenten – ein jährliches Wachstum von 9,5 %. Während Amazons Alexa und Google Assistant weiterhin führten, verlor Siri an Boden. Bixby fristete lange ein Nischendasein: Schätzungen zufolge lag die aktive Nutzerbasis 2024 bei unter 300 Millionen, bei einer Gesamtnutzerzahl von Samsung-Geräten von über 1,2 Milliarden (Statista, 2025).
Doch das neue Bixby 2.0 verspricht, diesen Trend zu durchbrechen. Besonders relevant: Die tiefere Personalisierung durch Multi-Turn-Kommunikation. Statt Einzelfragen versteht Bixby nun Folgekontexte – ähnlich wie GPT-4 oder ChatGPT – und kann Konversationen fortführen oder Daten aus früheren Interaktionen rekontextualisieren.
- Strategischer Tipp für Unternehmen: Wer eigene Anwendungen oder Services anbietet, kann über Samsungs Bixby-Developer-Studio gezielt neue Voice-Trigger bereitstellen, z.B. für digitale Kassenbons oder Support-Dialoge im After-Sales.
Praxiserfahrungen mit der Beta: Erste Stimmen aus der Community
Die One UI 8.5-Beta wurde Mitte Dezember 2025 zunächst in Südkorea und den USA veröffentlicht. Erste Rückmeldungen aus der Entwickler- und Tech-Enthusiasten-Community zeigen ein erstaunlich positives Bild: Viele berichten von einer „radikal verbesserten Relevanz der Antworten“, insbesondere bei komplexen Fragen. Auch die Geschwindigkeit der Ausführung stieg deutlich – erste Benchmarks der Community-Plattform XDA Developers zeigen eine bis zu 42 % reduzierte Latenz im Vergleich zu Bixby 1.7.
Ein in Seoul ansässiger Early-Access-Tester, @tech.seung, fasst es so zusammen: „Ich war kurz davor, Bixby auszuschalten. Jetzt nutze ich es täglich – besonders beeindruckt hat mich, wie es meine E-Mails zusammenfasst und automatisch Entwürfe für Antworten vorschlägt.“
- Tipp für Power-User: Einmal aktiviert, lässt sich Bixby 2.0 über Gesten und Kontext-Trigger automatisiert starten – etwa bei Erkennung einer Verbindung zu bestimmten Bluetooth-Geräten oder Smart-TVs.
Neue Funktionen im Detail – das bietet Bixby 2.0 mit One UI 8.5
Die wichtigste Neuerung ist neben der Perplexity-Integration das vollständige Redesign der Bixby-Oberfläche. Sie erinnert nun stärker an konversationelle Chat-Interfaces aus ChatGPT oder Microsoft Copilot. Weitere Neuerungen im Überblick:
- Prompt-Schnittstelle: Nutzer können Klartextanfragen stellen, die nicht wie typische Sprachbefehle formuliert sein müssen (z.B. „Plan mein Wochenende mit gutem Wetter in Süddeutschland“).
- Dynamische App-Verschränkung: Bixby greift direkt auf Inhalte in Samsung Notes, Kalender, E-Mail und Drittanbieter-Apps zu, wenn Berechtigungen gesetzt sind.
- On-Device-KI: Lokale Verarbeitung auch bei komplexeren Aufgaben wie Textzusammenfassungen, Smart-Remindern oder Stimmungsanalysen auf Audioaufnahmen.
- Kontext-Bewusstsein durch Sensorfusion: Bixby nutzt Standort-, Bewegungs-, Geräusche- und Netzwerkdaten kombinatorisch, um die beste Empfehlung zu geben – mit Opt-in-Modellen.
Ein interessanter Vergleich: Während der Google Assistant in der Pixel 9-Serie auf Gemini Nano setzt, nutzt Samsung für die Galaxy-Geräte mit Exynos- oder Snapdragon-Chips nun eine dedizierte Bixby-KI, die laut offiziellem Blogpost auf „Samsung Gauss Base und Perplexity Fusion Layer“ aufsetzt.
Datenschutz, Ethikfragen und Kontrolle
Bei aller Euphorie stellt sich die Frage nach den Grenzen intelligenter Assistenten. Wie transparent ist Bixby 2.0 in seinen Entscheidungen? Wird es möglich, KI-generierte Vorschläge als solche zu erkennen? Samsung beantwortet diese Fragen im Whitepaper zur One UI 8.5-Entwicklung mit mehreren Maßnahmen:
- Jede KI-generierte Antwort enthält (sofern aktiv) einen Quellenlink.
- Bixby erlaubt eine vollständige Export- und Löschfunktion aller bisherigen Dialoge.
- Personalisierung erfolgt strikt device-gebunden – keine Personendaten werden auf Samsung-Servern gespeichert.
Diese Ansätze orientieren sich an EU-Richtlinien (AI Act) und Datenschutzstandards gemäß DSGVO. Es bleibt spannend, ob sich Bixby mit diesen Datenschutzmerkmalen von US-zentrischen Plattformen differenzieren kann.
Was bedeutet Bixby 2.0 für den Markt der KI-Assistenten?
Der smarte Assistentenmarkt steht vor einer Neuordnung. IDC prognostiziert, dass bereits 2026 weltweit über 1,1 Milliarden Endnutzer regelmäßig multimodale KI-Assistenten auf Geräten nutzen – dreimal so viele wie noch 2023. Samsung zielt nun klar darauf, seine Userbasis systemweit zu aktivieren statt Bixby als Zusatzfeature zu behandeln. Der nahtlose Zugang über Tastenkombinationen, Sprach-Trigger und Automatisierungen ist dabei entscheidend.
Ob Bixby 2.0 ein echter Game Changer wird, hängt jedoch auch von der Offenheit des Systems für Entwickler und Partneranwendungen ab – und der Bereitschaft der Nutzer, bestehende Assistenten zugunsten der neuen Möglichkeiten zu ersetzen.
- Empfehlung für digital-affine Nutzer: Nutzen Sie die Beta-Phase zur aktiven Einflussnahme – Samsung evaluiert derzeit Feedbacks und Bugmeldungen aktiv über die Samsung Members App.
Fazit: Ein mutiger Neuanfang mit Potenzial
Bixby 2.0 ist mehr als ein Funktionsupdate – es ist ein technologischer Neustart. Die smarte Fusion aus Perplexity-KI, lokaler Verarbeitung und tiefer Einbettung in das Samsung-Ökosystem macht Hoffnung auf einen Assistenten, der wirklich versteht, antizipiert und sinnvoll agiert. Verglichen mit Alexa, Google Assistant oder Siri bietet Bixby in seiner neuen Form ein gleichermaßen leistungsfähiges, aber datenschutzfreundlicheres Nutzererlebnis.
Nun ist die Community gefragt: Welche Funktionen fehlen noch? Welche Skills braucht Bixby wirklich? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Ideen oder Vorschläge auf unseren Foren oder in den Kommentaren – der smarte Alltag beginnt mit smarter Beteiligung.




