IT-Sicherheit & Datenschutz

Die Rolle von Penetrationstests in der modernen IT-Security

In einem hell erleuchteten, modernen Büro sitzt ein fokussierter IT-Sicherheitsexperte vor mehreren Monitoren mit Code und Netzwerkgrafiken, umgeben von natürlichem Tageslicht und einer warmen, einladenden Atmosphäre, die die Bedeutung von Penetrationstests für digitale Sicherheit eindrucksvoll vermittelt.

Cyberkriminalität entwickelt sich rasant – und mit ihr die Anforderungen an eine belastbare IT-Sicherheitsstrategie. Für Unternehmen sind Penetrationstests längst mehr als eine Kür: Sie sind ein entscheidender Faktor zur Erkennung, Einschätzung und Behebung von Schwachstellen. Doch wie funktionieren sie konkret, und warum gewinnen sie in Zeiten wachsender digitaler Bedrohungsszenarien immer weiter an Relevanz?

Was sind Penetrationstests – und warum sind sie unverzichtbar?

Penetrationstests, kurz Pentests genannt, sind kontrollierte Sicherheitsüberprüfungen, bei denen ethische Hacker – sogenannte White-Hat-Hacker – gezielt versuchen, in IT-Systeme einzudringen. Ziel ist es, Schwachstellen zu identifizieren, bevor sie von kriminellen Akteuren ausgenutzt werden können. Sie simulieren reale Cyberangriffe mit der Intention, nicht nur Schwächen aufzudecken, sondern auch die Reaktionsfähigkeit von Systemen und Teams zu analysieren.

Die Bedeutung dieser Tests nimmt zu, denn Datensätze, digitale Infrastrukturen und Cloud-Systeme sind heute das Rückgrat jedes modernen Unternehmens. Laut dem „IBM Cost of a Data Breach Report 2024“ liegt der durchschnittliche Schaden durch eine Datenpanne bereits bei 4,45 Millionen US-Dollar weltweit – ein Allzeithoch. In Deutschland liegt dieser Wert laut Bitkom umgerechnet bei rund 3,2 Millionen Euro pro Schadensfall, Tendenz steigend.

Penetrationstests sind kein Ersatz für andere Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls, SIEM-Systeme oder EDR-Lösungen, sondern eine strategisch Ergänzung. Sie schließen die Lücke zwischen bekannten Sicherheitskontrollen und tatsächlichen Realweltszenarien.

Trusted Hacking – Angriffssimulation mit Verantwortung

Die Durchführung von Penetrationstests erfolgt meist durch spezialisierte Dienstleister oder interne Red Teams und unterliegt festen Regeln. Das Prinzip des Trusted Hackings beruht auf klar definierten Verträgen, Scope-Definitionen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Nur was explizit erlaubt ist, wird getestet. Die ethische Dimension steht im Vordergrund – Vertrauen zwischen Auftraggeber und Tester ist das Fundament jedes erfolgreichen Pentests.

Typische Phasen eines Penetrationstests umfassen:

  • Informationsbeschaffung: Sammlung öffentlicher und interner Datenquellen
  • Identifikation von Schwachstellen: Anwendung von Schwachstellenscannern und manueller Prüfung
  • Exploitation: Ausnutzung der Schwachstellen zur Einschätzung ihrer Kritikalität
  • Post-Exploitation: Ermittlung potenzieller Folgeschäden und lateral movement
  • Reporting und Remediation-Empfehlungen

Ein professionell durchgeführter Bericht nach einem Pentest enthält nicht nur eine Auflistung von Schwachstellen, sondern auch eine klare Risikobewertung (z. B. nach CVSS 4.0) und priorisierte Handlungsempfehlungen.

Reale Beispiele für erfolgreiche Pentest-Strategien

Zahlreiche Unternehmen, insbesondere im Finanz- und Gesundheitswesen, setzen inzwischen auf regelmäßige oder kontinuierliche Penetrationstests. Ein exemplarisches Beispiel liefert die Deutsche Kreditbank (DKB), die ihre Infrastruktur jährlich durch ein externes Red Team prüfen lässt. Dabei wurde 2023 etwa eine kritische Schwachstelle in einem SaaS-Backup-Service entdeckt – noch bevor sie öffentlich bekannt wurde. Die Sofortmaßnahmen verhinderten potenziellen Datenabfluss im Umfang von über 12 TB Kundendaten.

Auch das Berliner Startup ADA Health nutzt automatisierte Pentest-Lösungen via Bug-Bounty-Programme. Entwickler-Fixes werden innerhalb von 72 Stunden nach einem Fund intern finalisiert – eine bemerkenswerte Reaktionszeit, die nur durch klar definierte Prozesse und Schulungen möglich wird.

In der Industrie führt Siemens regelmäßig umfassende Sicherheitstests seiner digitalen Leitstände durch – eine Notwendigkeit, angesichts der zunehmenden Vernetzung von OT- und IT-Infrastrukturen (Stichwort Industrie 4.0).

Statistiken zeigen: Pentests reduzieren signifikant das Risiko

Eine 2025 veröffentlichte Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigte, dass Unternehmen, die mindestens alle zwölf Monate Penetrationstests durchführen, im Schnitt 37 % weniger schwerwiegende Sicherheitsvorfälle melden als Vergleichsunternehmen ohne regelmäßige Tests.

Zudem ergab eine Marktanalyse von Gartner (Q3/2025), dass der weltweite Markt für Pentesting-Dienstleistungen bis 2028 um jährlich durchschnittlich 14,8 % wachsen wird. Die Gründe: wachsendes Compliance-Druck, zunehmend ausgereifte Angriffsarten (z. B. Zero-Day-Angriffe) und der Trend zur Cyber-Versicherung, die proaktive Tests oft zur Voraussetzung machen.

Best Practices für die Umsetzung in Unternehmen

Die erfolgreiche Einführung und Etablierung von Penetrationstests in Organisationen erfordert klare Prozesse, Führungskompetenz und technisches Know-how. Unternehmen sollten nicht nur einen einzelnen Test durchführen, sondern eine nachhaltige Strategie verfolgen. Drei wesentliche Handlungsempfehlungen:

  • Integrieren Sie Penetrationstests in den Software Development Lifecycle (SDLC): Durch „Security by Design“ können Schwachstellen bereits während der Entwicklung reduziert werden.
  • Nutzen Sie einen Mix aus externen Pentest-Dienstleistern und internem Red-Team-Ansatz: Dadurch kombinieren Sie tiefes Domainwissen mit unabhängiger Außenperspektive.
  • Binden Sie die gesamte Organisation ein: Schulen Sie Ihre Mitarbeitenden in Secure Coding, Phishing Awareness und Incident Response, um die Wirkung von Pentests zu maximieren.

Gerade in einem dynamischen Cloud-Security-Umfeld sollten Pentests regelmäßig aktualisiert werden – vor allem bei Infrastrukturveränderungen, neuen Anwendungseinführungen oder nach M&A-Prozessen.

Blick in die Zukunft: Automatisierte Pentests und KI gegen Zero-Days

Die nächsten Jahre versprechen tiefgreifende Veränderungen: Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning lassen sich bereits heute komplexe Schwachstellen automatisiert aufspüren. Tools wie GitHub Copilot oder Microsoft Security Copilot bieten neue Möglichkeiten zur Ad-hoc-Analyse von Scans und Exploits.

Ein aufkommender Trend ist „Continuous Penetration Testing“. Statt periodischer Tests werden kontinuierliche Sicherheitssimulationen über automatisierte Frameworks durchgeführt. Anbieter wie Pentera oder BreachLock nutzen dafür agentenlose Ansätze, die mit bestehenden SIEM- und SOAR-Systemen integriert werden können.

Aus regulatorischer Sicht findet dieses Thema ebenfalls Einzug in Normenwerke: So fordert die NIS2-Richtlinie der EU, die am 18. Oktober 2024 in Kraft trat und ab 2025 operativ umgesetzt werden muss, von kritischen Infrastrukturen künftig einen Nachweis regelmäßiger Systemtests.

Unternehmen sollten sich daher frühzeitig auf KI-gestützte Pentesting-Plattformen vorbereiten, interne Red Teams technologisch aufrüsten und Security Testing als kontinuierlichen Prozess begreifen – nicht als punktuelle Maßnahme.

Fazit: Von der Pflicht zur Sicherheitsschlüsselkompetenz

In einer Welt, in der Angriffsflächen ständig wachsen, ist Reaktivität nicht mehr genug. Penetrationstests schaffen nicht nur faktische Sicherheit, sondern auch Vertrauen – bei Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden. Unternehmen, die heute in Pentest-Kompetenz investieren, sichern sich langfristige digitale Resilienz und werden zu aktiven Gestaltern ihrer Sicherheitsarchitektur.

Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit Pentests um? Welche Tools oder Dienstleister haben Ihre Sicherheitsstrategie verbessert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und vernetzen Sie sich mit anderen Expert:innen aus der Community!

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