Mit einem koordinierten Schlag hat das FBI gemeinsam mit internationalen Partnern das Untergrundforum Ramp übernommen – ein virtueller Umschlagplatz für Ransomware-Angriffe, gestohlene Daten und Hacker-Tools. Die Operation markiert einen Wendepunkt in der Bekämpfung von Cyberkriminalität. Doch was bedeutet dieser Erfolg tatsächlich für die Szene – ein Einbruch oder nur ein kurzer Rückschlag für die Täter?
Ein Forum fällt: Die Operation gegen Ramp
Ende Januar 2026 wurde klar: Die Plattform Ramp, eines der zentralen Foren für Ransomware-Akteure, war nicht länger in den Händen ihrer Betreiber. Stattdessen präsentierte sich Besuchern des Forums eine Nachricht des FBI und mehrerer internationaler Strafverfolgungsbehörden. „This domain has been seized“ – eine Phrase, die Cyberkriminelle weltweit aufhorchen ließ.
Ramp hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Treffpunkte der Ransomware-Ökosphäre entwickelt. Das 2021 gegründete Forum wurde nach der Schließung von RaidForums und dem Rückzug von XSS zu einem zentralen Knotenpunkt. Hier wurden Zugangsdaten zu kompromittierten Netzwerken verkauft, Exploits getauscht und Ransomware-as-a-Service (RaaS) betrieben. Laut Analysen von Flashpoint und Recorded Future zählte Ramp Anfang 2025 über 2.500 aktive Mitglieder mit nachweislicher Beteiligung an Cyberangriffen.
Nach Angaben des US-Justizministeriums erfolgte die Übernahme im Rahmen einer monatelangen, verdeckten Operation, bei der FBI-Agenten nicht nur Administratoren identifizierten, sondern auch Infrastrukturen analysierten und Server lokalisierten. Unterstützt wurde die Aktion u. a. von EUROPOL, der britischen NCA und Sicherheitsbehörden aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea.
Technische Analyse und Hintergründe der Operation
Die technische Ausführung der Ramp-Übernahme ist bemerkenswert und verdeutlicht die zunehmende Professionalität staatlicher Cyberabwehr. Laut einer Analyse des deutschen Sicherheitsdienstleisters G DATA nutzten die Ermittler u. a. Zero-Day-Exploits zum Eindringen in die Serverinfrastruktur und führten sogenannte „watering hole attacks“ gegen spezifische Mitgliedergruppen durch.
Ein zentraler Bestandteil der Operation war offenbar ein Honeypot-System, bei dem eine getestete Kopie von Ramp unter Kontrolle von Ermittlern betrieben wurde. Dadurch konnten spezifische Täteraktivitäten dokumentiert, individuelle Bitcoin-Wallets identifiziert und Kommunikationsbeziehungen kartografiert werden.
Besondere Aufmerksamkeit fanden Posts hochrangiger Ramp-Administratoren, die über Pseudonyme wie „Soldat“ und „Sinkhole“ bekannt waren. Laut Informationen von Cisco Talos wurden mehrere dieser Administratoren im Zeitraum Dezember 2025 bis Januar 2026 in Osteuropa verhaftet. Die genauen juristischen Folgen sind bislang unklar – ein Hinweis auf die komplexe Rechtslage internationaler Cyberdelikte.
Auswirkungen auf die kriminelle Szene
Die unmittelbare Reaktion der Szene war ein explosionsartiger Anstieg an Warnungen auf alternativen Foren und in Telegram-Kanälen. „Don’t trust any forum anymore“, „Leak your tools before they leak you“ – mit solchen Botschaften reagierten Mitglieder verschiedener Black-Hat-Communities.
Doch wie nachhaltig ist der Schlag gegen Ramp? Die Vergangenheit liefert gemischte Signale. Nach der Zerschlagung von DarkMarket (2021) etwa entstand binnen drei Monaten mit Hydra eine neue Plattform mit noch größerer Reichweite. Auch das Forum XSS profitierte 2022 kurzfristig von Benutzerabwanderungen anderer geschlossener Plattformen.
Eine aktuelle Studie des McAfee Advanced Threat Research Teams von Dezember 2025 zeigt: 71 % der Forenaktivitäten im Cybercrime-Bereich verlagern sich innerhalb von sechs Monaten nach einer Forenschließung auf neue oder bereits existierende Plattformen. Gut vernetzte Akteure passen sich schnell an – lediglich Anfänger oder weniger etablierte Gruppen verlieren den Anschluss.
Langfristige Disruption der Szene erfordert daher mehr als punktuelle Schläge – es braucht strukturellen Druck, internationale Kooperation und politische Konsequenzen.
Ransomware im Wandel: Welche Trends prägen 2026?
Ransomware-Angriffe bleiben 2026 eine der größten Bedrohungen für Unternehmen und kritische Infrastrukturen. Laut dem Branchenbericht „Cyber Threat Landscape 2026“ von ENISA stieg die Zahl der gemeldeten Ransomware-Vorfälle europaweit im Jahr 2025 um 17 % gegenüber dem Vorjahr.
Neuere Angriffsmuster setzen verstärkt auf Double-Extortion-Modelle (Datenverschlüsselung + Erpressung mit Datenveröffentlichung) und auf gezielte Angriffe gegen Lieferketten. Gruppen wie LockBit, BlackCat (alias ALPHV) und neue, post-ramp Akteure wie AgonyCorp professionalisieren ihre Strukturen weiter.
Ein besonderer Trend ist der Einsatz von KI-Modellen für Social Engineering. Hierbei erstellen Angreifer automatisiert individualisierte Phishing-Mails mit hoher Erfolgsrate. Ein aktueller Report von IBM X-Force zeigt, dass KI-basierte Phishing-Kampagnen im Jahr 2025 um 37 % effizienter waren als herkömmliche Angriffe.
Internationale Partnerschaften als Schlüssel
Die Erfolgsaussichten im Kampf gegen organisierte Cyberkriminalität sind eng mit grenzübergreifender Zusammenarbeit verknüpft. Die Operation gegen Ramp ist ein Paradebeispiel. Wie das FBI bestätigte, handelte es sich um eine „Joint Cyber Action Taskforce“ unter dem Dach der IC3-Initiative (Internet Crime Complaint Center).
Der Nutzen solcher Allianzen liegt auf der Hand: Schneller Informationsfluss, abgestimmte legale Mittel und gebündelte Ressourcen. Kritisch bleibt jedoch die Rechtskompatibilität: Nicht alle Staaten kooperieren in gleichem Maße, und Hoheitsfragen sowie Datenschutzregulierungen erschweren den Zugriff auf Server, IP-Adressen oder Finanzdaten.
Fachleute wie Prof. Dr. Tobias Urban vom Institut für IT-Recht der Universität Hannover fordern daher klarere gesetzliche Grundlagen für transnationale Cyberermittlungen. Ohne einheitliche Cybercrime-Rahmenabkommen bleibe der Kampf gegen Täter in sicheren Drittstaaten weitgehend wirkungslos.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Auch wenn der Schlag gegen Ramp ein wichtiges Signal ist, müssen Unternehmen ihre Abwehrmaßnahmen eigenständig weiterentwickeln. Die Gefahr durch Ransomware, Datenlecks und kompromittierte Lieferketten bleibt bestehen – in manchen Bereichen wächst sie sogar durch die dezentrale Verlagerung der kriminellen Szene.
- Sicherheitsbewusstsein schärfen: Schulen Sie regelmäßig alle Mitarbeitenden zu Social Engineering, Phishing und dem Erkennen verdächtiger Aktivitäten.
- Zero-Trust-Architektur implementieren: Setzen Sie auf eine Struktur, bei der kein Gerät oder Nutzer automatisch als vertrauenswürdig gilt.
- Cyberversicherungen evaluieren: Überprüfen Sie Deckungssummen und Ausschlüsse bestehender Policen – viele Ransomware-Varianten sind explizit ausgenommen.
Fazit: Wegweisende Schlacht – nicht das Ende des Krieges
Die Übernahme von Ramp durch das FBI ist ein deutliches Zeichen: Der Druck auf Cyberkriminelle nimmt zu. Doch wie jede Strafverfolgung im digitalen Raum zeigt auch dieser Fall, wie reaktiv und volatil die Lage bleibt. Die Szene lernt, verteilt sich neu, professionalisiert sich weiter – ein Katz-und-Maus-Spiel auf hohem technischen Niveau.
Dennoch zeigt die Operation, was mit Entschlossenheit, technischer Expertise und internationaler Abstimmung möglich ist. Die Cybersicherheit wird auch 2026 ein globales Thema bleiben – für Regierungen, Unternehmen und Endverbraucher gleichermaßen.
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