Die No-Code-Automatisierungsplattform n8n gilt als innovatives Werkzeug zur schnellen Geschäftsprozessautomatisierung – doch aktuell zeigt sich auch ihre Schattenseite. Vier bedenkliche Sicherheitslücken, darunter eine kritische Schwachstelle mit CVSS-Wert 10.0, stellen eine ernsthafte Bedrohung für Unternehmen dar. Wer nicht schnell handelt, riskiert kompromittierte Systeme, Datenverlust und Geschäftsunterbrechungen.
Schwachstellenreport: Ein kritischer Blick auf die Sicherheitslücken in n8n
Am 3. Januar 2026 veröffentlichte das Zero-Day-Initiative-Projekt von Trend Micro eine detaillierte Analyse von vier CVEs, die gravierende Sicherheitslücken in der quelloffenen Automatisierungsplattform n8n dokumentieren. Besonders ins Gewicht fällt die Schwachstelle CVE-2024-28253, die mit der Höchstwertung 10.0 auf der CVSSv3-Skala als kritisch eingestuft wurde. n8n-Nutzer laufen dadurch Gefahr, dass unauthentifizierte Angreifer aus dem Netzwerk beliebige Workflows ausführen oder auf sensitive Daten zugreifen können.
Die betroffenen Versionen reichen zurück bis einschließlich 1.20.0, die am 21. März 2023 veröffentlicht wurde. Erst mit der Version 1.41.0 wurden die Lücken vollständig behoben. Die n8n GmbH veröffentlichte dazu am 4. Januar 2026 ein Sicherheitsbulletin, rät zum sofortigen Update und warnt explizit vor der Verwendung älterer Instanzen hinter Reverse Proxies oder in air-gapped Umgebungen, ohne ausreichende Authentifizierung.
Die vier Lücken im Überblick:
- CVE-2024-28250: Improper Access Control – ermöglicht unbefugten Zugriff auf interne Systemfunktionen.
- CVE-2024-28251: Improper Neutralization of Input – Risiko für Kommando-Injection in benutzerdefinierten Workflows.
- CVE-2024-28252: Exposure of Sensitive Information – leakt interne Variablen in Fehlermeldungen.
- CVE-2024-28253: Remote Code Execution – Höchstkritisch, da ohne Authentifizierung ausführbar.
Besonders CVE-2024-28253 erlaubt es Angreifern, über das REST API und manipulierte HTTP-Anfragen eigene Workflows auf fremden Servern auszuführen – mit weitreichenden Folgen bei Cloud-Deployments oder Multi-Tenant-SaaS-Umgebungen.
No-Code – bequemer Fortschritt trifft auf komplexe Risiken
No-Code-Tools wie n8n sollen Prozesse demokratisieren und weniger technikaffinen Mitarbeitenden ermöglichen, automatisierte Abläufe zu entwickeln. Laut Gartner werden bis 2027 über 65 % aller neuen Geschäftsapplikationen mit Low-Code- oder No-Code-Technologien entwickelt sein („Gartner Forecast Analysis: Low-Code Development Technologies, Worldwide“).
Der Komfort hat jedoch seinen Preis: Intransparent erstellte Workflows, unzureichende Rollenmodelle und fehlende Sicherheitsüberprüfungen sind in vielen Unternehmen Realität. Besonders in DevOps-armen Umfeldern werden Automatisierungstools oft ohne tatsächliche Kontrolle über Zugriffsrechte betrieben. Genau hier schlagen Sicherheitslücken wie in n8n mit voller Wucht zu.
Ein besonders hohes Risiko entsteht bei selbstverwalteten n8n-Installationen in Containern oder VMs, die weder mit Authentifizierung noch Firewalls geschützt sind. Die Plattform wird dabei häufig in Kombination mit offenen Quellen wie GitHub Actions, Zapier oder Make.com eingesetzt – Schnittstellen, die ihrerseits Sicherheitslücken tragen können.
Gefährdungspotenzial für Unternehmen
Die Popularität von n8n wächst rasant: Laut GitHub-Statistik wurde das Projekt über 43.000 Mal mit einem „Star“ markiert und gehört zu den Top 100 meistgefolgten Repositories in der Kategorie Automatisierung. Auch Unternehmen integrieren n8n zunehmend in ihre Datenpipelines, API-Gateways und Monitoringlösungen. Gerade in regulierten Branchen wie Finanzen oder Gesundheit ist dies problematisch, da sensible Daten automatisiert verarbeitet werden.
Laut einer Umfrage von Statista aus dem Jahr 2025 nutzten bereits 39 % aller mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum Automatisierungstools mit No-Code-Komponenten – oftmals ohne eine dedizierte Sicherheitsstrategie oder Code-Review-Prozesse.
Ungepatchte Lücken können unter anderem folgende Auswirkungen haben:
- Remote Code Execution (RCE) durch manipulierte HTTP-Requests auf API-Endpunkte.
- Exfiltration von Umgebungsvariablen, darunter Tokens, Passwörter und API-Keys.
- Manipulation produktiver Datenpipelines durch unautorisierte Benutzer.
- Umgehung interner Sicherheitsmechanismen durch Reverse-Proxy-Misskonfigurationen.
Welche Sofortmaßnahmen sollten Unternehmen ergreifen?
Die zeitkritische Natur der Schwachstellen macht entschlossenes Handeln erforderlich. Admins sollten n8n-Instanzen noch heute auf Version 1.41.0 oder höher aktualisieren. Zusätzlich raten Sicherheitsforscher zu folgenden Maßnahmen:
- Patchen und Version validieren: Schnelles Update auf mindestens Version 1.41.0 oder höher. Validieren Sie nach dem Update aktiv, dass die neue Version korrekt läuft (z. B. über „/healthz“-Endpoint).
- Zugriffskontrolle prüfen: Stellen Sie sicher, dass alle n8n-Instanzen durch Authentifizierung geschützt sind. Verhindern Sie insbesondere ungeschützten API-Zugriff aus dem Netz – selbst wenn die Instanz „nur intern“ läuft.
- Audit und Logging aktivieren: Aktivieren Sie Audit-Logs und API-Zugriffsprotokollierungen. Diese helfen, potenzielle Exploitation-Versuche nachzuverfolgen und Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Exportieren Sie Logs regelmäßig in ein SIEM-System.
Darüber hinaus empfiehlt sich ein Security-Review aller bestehenden Workflows, besonders solcher mit Custom Code Nodes oder direktem Dateizugriff.
Lernen aus der Lücke: Strategische Implikationen
Die Schwachstellenserie bei n8n ist kein Einzelfall: Auch andere No-Code-Tools wie Node-RED, Zapier oder Retool mussten in den vergangenen zwölf Monaten kritische CVEs patchen. Das unterstreicht einen notwendigen Paradigmenwechsel im Umgang mit Low-/No-Code-Plattformen: Sie müssen als vollständige Applikationen mit entsprechenden Absicherungsmechanismen behandelt werden – nicht als Spielwiesen.
Folgende strategische Lektionen lassen sich ableiten:
- No-Code-/Low-Code-Tools gehören in den Geltungsbereich der IT-Security-Policies des Unternehmens, inklusive Patch-Management- und Penetration-Test-Routinen.
- Sicherheitsbewusstsein muss über Dev-Abteilungen hinaus auf Citizen Developer ausgedehnt werden – z. B. durch gezielte Awareness-Trainings.
- Der Einsatz von Open-Source-Komponenten sollte kontinuierlich durch Dependency-Scanning und Vulnerability-Management begleitet werden.
n8n selbst hat mittlerweile reagiert: Neben dem Patch wurde ein neues Security Response Team gegründet, das sowohl Bug-Bounty-Programme als auch Disclosure-Richtlinien für ethische Hacker koordiniert. Zusätzlich wurde angekündigt, eine Authentifizierung „per default“ in zukünftigen Releases zu aktivieren – ein längst überfälliger Schritt.
Fazit: Automatisierung mit Sicherheitsanspruch denken
Die n8n-Sicherheitslücken sind ein Weckruf für die Tech-Community. No-Code ist kein Sicherheitsfreifahrtschein – im Gegenteil: Mit zunehmendem Einfluss auf kritische Geschäftssysteme steigt das Risiko exponentiell, wenn grundlegende Schutzmaßnahmen fehlen. Wer Prozesse ohne Schutz automatisiert, automatisiert im Zweifel auch seine Angriffsfläche.
Die gute Nachricht: Mit schnellem Handeln lassen sich viele der Risiken entschärfen. Doch dabei darf es nicht bleiben. Sicherheit muss fester Bestandteil jeder Automatisierungsstrategie sein. Nur so kann No-Code sein volles Potenzial entfalten – ohne zur Gefahr zu werden.
Welche Sicherheitsmechanismen setzt ihr bei euren n8n-Applikationen ein? Diskutiert mit uns in den Kommentaren oder teilt eure Erfahrungen auf #SecAutomation bei LinkedIn.




