Samsung treibt die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) mit beispielloser Geschwindigkeit voran: Bis 2026 sollen rund 800 Millionen Galaxy-Geräte weltweit mit KI-Funktionen ausgestattet sein. Diese ambitionierte Roadmap hat nicht nur Auswirkungen für die Verbraucher, sondern verändert auch die Wettbewerbsdynamik im globalen Technologiemarkt grundlegend.
Von der Cloud ins Gerät: Samsungs KI-Strategie im Überblick
Seit dem Launch des Galaxy S24 im Jahr 2024 hat Samsung den strategischen Paradigmenwechsel hinter „Galaxy AI“ deutlich gemacht: Weg von reiner Cloud-KI, hin zu einer hybriden Infrastruktur mit leistungsfähiger On-Device-Intelligenz. Dabei setzt der Elektronikriese auf den Exynos-2400- und Snapdragon-8-Gen-3-Chipsatz, die speziell für KI-Anwendungen optimiert wurden – mit dedizierten Neural Processing Units (NPUs), die lokale Sprachverarbeitung, maschinelles Lernen und Bildbearbeitung ohne Cloud-Anbindung ermöglichen.
„Unsere Vision ist es, KI zu demokratisieren“, erklärte TM Roh, President und Head of Mobile eXperience Business bei Samsung Electronics, in einem offiziellen Statement. „Wir möchten Galaxy AI für möglichst viele Geräte verfügbar machen, nicht nur für Flaggschiffmodelle.“
Um diese Vision umzusetzen, plant Samsung laut Unternehmensangaben, KI-Features stufenweise über Software-Updates in Tablets, Smartwatches und Mittelklasse-Smartphones der Galaxy A-Serie zu bringen.
Globale Marktimplikationen: Ein neuer KI-Wettlauf entsteht
Die Größenordnung der Expansion ist in der Branche beispiellos. Mit 800 Millionen Geräten innerhalb von zwei Jahren strebt Samsung keine Nischenintegration an, sondern eine flächendeckende KI-Adoption. Zum Vergleich: Apple nennt bislang keine genauen Zahlen zur KI-Verfügbarkeit auf iPhones, und viele chinesische Hersteller wie Xiaomi, Oppo oder Vivo setzen hauptsächlich auf Cloud-basierte Dienste über Dritthersteller.
Experten sehen Samsungs Offensive daher als marktdynamisches Signal. „Das Vorhaben könnte den gesamten Android-Markt unter Innovationsdruck setzen“, sagt Prof. Dr. Johanna Meier, Lehrstuhlinhaberin für Mobile Computing an der TU München. „Wenn Samsung es schafft, auch Mittelklassemodelle mit funktionaler On-Device-KI auszustatten, dürfte das eine technologische Sogwirkung erzeugen.“
Bereits 2025 wird laut IDC mit einem Anstieg an KI-fähigen Smartphones von 15 % (2023) auf rund 45 % gerechnet – eine Zahl, die Samsungs Expansion maßgeblich beeinflussen dürfte (Quelle: IDC Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker, Q3 2025).
Mehrwert für Verbraucher: Was KI im Alltag bringt
Mit dem Einzug von Galaxy AI in alltägliche Nutzergeräte verschieben sich auch die Erwartungen an die Funktionalität von Mobile Devices. Samsung nennt als Kernfunktionen derzeit:
- Live Translate: Echtzeit-Sprach- und Textübersetzungen bei Anrufen – lokal auf dem Gerät verarbeitet.
- Note Assist: Automatische Zusammenfassungen, Formatierungen und To-do-Erkennungen in Samsung Notes.
- Generative Edit: Bildbearbeitung mit KI-Assistenz – inklusive Entfernen unerwünschter Objekte oder Neugestaltung von Bildhintergründen.
- Browsing Assist: Kontextsensitive Inhaltszusammenfassungen für Webseiten und Nachrichten.
Besonders Datenschutzbedenken begegnet Samsung mit der On-Device-Strategie: Sensitive Daten verlassen das Smartphone nicht mehr – eine wichtige Entscheidung im global sensiblen Kontext digitaler Privatsphäre.
Technologische Herausforderungen und Grenzen
Die flächendeckende Einführung von KI auf Mittelklassegeräten bringt auch technische Limitierungen mit sich. Vor allem Speicherbandbreite, Energieverbrauch und thermische Belastung begrenzen den Umfang hybrider KI-Anwendungen. Samsung begegnet diesen Hürden mit angepassten Modellen wie quantisierten neuronalen Netzen, Datensparsames Preprocessing und Edge-AI-Offloading.
Dennoch bleibt der Balanceakt zwischen Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz schwierig. „Lokale KI bringt große Vorteile, setzt aber optimierte Algorithmen und Hardwareinnovationen voraus – besonders im Low-Power-Bereich“, so Dr. Markus Fuchs, KI-Forscher am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS).
Ein weiteres Risiko: die Fragmentierung von Benutzererfahrungen. Je nach Geräteserie und Region könnten nicht alle KI-Features vollständig verfügbar sein, was Konsistenzprobleme nach sich ziehen kann.
Branchentrends: Wie Samsung den KI-Markt transformieren könnte
Samsungs Public-Beta-Ansatz mit Galaxy AI erinnert an das Vorgehen bei foldables oder 5G: frühe Massenintegrationen mit iterativen Hardwarezyklen. Im KI-Raum könnte Samsung damit eine First-Mover-Position aufbauen – vergleichbar mit den KI-Ambitionen von Microsoft im Softwarebereich.
Branchenanalysten prognostizieren, dass bis 2027 mehr als 1,5 Milliarden Smartphones KI-fähig sein werden – nahezu ein Drittel davon lokal integriert (Quelle: Counterpoint Research, Mobile AI Trends 2025–2027).
Hinzu kommt die Öffnung gegenüber Drittanbietern durch die Galaxy AI SDK, die Samsung 2025 auf der Entwicklerkonferenz SDC vorstellen könnte. Damit würde sich ein Ökosystem modellieren, bei dem KI-Apps per API native Galaxy-Funktionen integrieren – ein potenzieller Play gegen Google und Apple.
Empfehlungen für Nutzer, Entwickler und Unternehmen
Die KI-Expansion von Samsung ist mehr als ein technisches Upgrade – sie bedeutet einen strategischen Wendepunkt für Nutzergewohnheiten, App-Architektur und Geschäftsmodelle. Darauf sollten sich Akteure jetzt vorbereiten:
- Für Endnutzer: Prüfen Sie regelmäßig Software-Updates und aktivieren Sie KI-Features gezielt in den Systemeinstellungen – viele Funktionen sind nicht standardmäßig aktiv.
- Für App-Entwickler: Beginnen Sie bereits jetzt mit der Integration Galaxy-AI-kompatibler SDKs, um Ihre Apps zukunftssicher zu machen und personalisierte KI-Funktionen nativ zu unterstützen.
- Für Datenschutzverantwortliche: Evaluieren Sie On-Device-KI als Alternative zu Cloud-Anbindungen. Senken Sie Datenrisiken durch lokale Verarbeitung und nutzen Sie Samsungs Transparenzberichte zur Compliance-Prüfung.
Fazit: Konvergenz von Hardware und Intelligenz
Samsung begnügt sich nicht mit inkrementeller Innovation – das Unternehmen verschiebt bewusst die Leistungsgrenzen mainstreamtauglicher KI. Der Schritt, 800 Millionen Geräte bis 2026 auszustatten, ist nicht nur ein Statement der Ingenieurskunst, sondern eine neue Messlatte für den mobilen KI-Markt.
Die Kombination aus technologiegetriebener Infrastruktur, datenschutzorientierter Architektur und Nutzerzentrierung macht Samsungs Projekt zu einem potenziellen Gamechanger. Für Tech-Interessierte, Entwickler und Unternehmen eröffnen sich neue Chancen – vorausgesetzt, sie planen strategisch und adaptieren frühzeitig.
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