Die Marktposition von VMware gerät unter Druck: Seit der Übernahme durch Broadcom und den daraus resultierenden Preissteigerungen steht die Virtualisierungs-Ikone zunehmend im Fokus von Kritik und Migration. Die Hosting- und IT-Infrastrukturbranche reagiert spürbar – mit weitreichenden Folgen für Anbieter, Kunden und technologische Strategien.
Strategiewechsel bei VMware: Preisstruktur als Provokation
Die Übernahme von VMware durch Broadcom für rund 69 Milliarden US-Dollar wurde im November 2023 abgeschlossen. Seither hat der neue Eigentümer signifikante Änderungen an Geschäftsmodell und Lizenzierung vorgenommen. Im Zentrum steht der Wegfall der zuvor verfügbaren, günstigen „perpetual licenses“ zugunsten eines Abo-Modells mit deutlich höheren Preisen – insbesondere für kleinere Hosting-Provider und mittelständische Unternehmen.
Die nun verpflichtende Subscription-Lizenzierung führte laut einer Analyse der Synergy Research Group bis Ende 2025 zu einem Umsatzrückgang von bis zu 7 % bei VMware-bezogenen Angeboten im Cloud-Hosting-Umfeld. Die schwankenden Kosten zwingen viele Anbieter dazu, ihre Margen zu überdenken oder ihre Virtualisierungsstrategie zu ändern.
Beispiel aus der Praxis: Der europäische Hosting-Anbieter OVHcloud kündigte nur wenige Wochen nach Preisanpassung an, seine VMware-Angebote kritisch zu prüfen und Alternativen, u.a. auf Basis von Proxmox und OpenStack, auszubauen.
Diese Reaktion ist kein Einzelfall. Auch Unternehmen wie Hetzner, IONOS oder kleinere MSPs (Managed Service Provider) berichten intern über eine Zunahme an Wechselwünschen und Neukundenanfragen im Bereich nicht-proprietärer Virtualisierungslösungen.
Preisspirale als Marktkatalysator: Was wird verdrängt, was gewinnt?
Die kritische Marktdynamik entfaltet sich auf zwei Ebenen: Erstens verlagern viele Unternehmen ihre Strategie weg von reiner VMware-Zentrierung hin zu hybriden, containerorientierten oder komplett open-source-basierten Architekturen. Zweitens entstehen durch die entstandenen Vakanzen Marktchancen für Mitbewerber.
Marktanalysten sehen vor allem in folgenden drei Technologien Gewinner der aktuellen Umwälzungen:
- Proxmox VE: Die auf KVM und LXC basierende Open-Source-Virtualisierungslösung verzeichnet laut GitHub seit Anfang 2024 einen Zuwachs von 23 % bei Repositories, die auf Proxmox abgestimmt sind.
- Nutanix AHV: Nutanix verzeichnete im 3. Quartal 2025 einen Umsatzanstieg von 17 % im Bereich alternativer Virtualisierungslösungen laut IDC.
- Kubernetes, KubeVirt und Container-native Architekturen: Vor allem in DevOps-nahen Umfeldern zeigt sich ein Trend zur Containerisierung – auch für Workloads, die traditionell auf klassischen Hypervisoren liefen.
Statistisches Fundament: Laut einer Marktstudie von Statista aus dem 2. Quartal 2025 gaben 42 % der befragten mittelständischen IT-Dienstleister in Europa an, ihre Investitionen in proprietäre Virtualisierungsplattformen zugunsten von Open-Source-Lösungen zu reduzieren.
Stressfaktor für Hosting-Anbieter und MSPs
Insbesondere im MSP-Segment und bei IaaS-Anbietern (Infrastructure-as-a-Service) sind die Reaktionen spürbar. Serviceverträge, die auf alten VMware-Konstruktionen basieren, geraten unter finanziellen Druck. Gleichzeitig besteht kein Gleichschritt zwischen den neuen Lizenzkosten und dem realisierbaren Kundenumsatz.
Viele kleinere Provider stehen vor dem Dilemma, entweder unprofitabel zu lizensieren oder ihre Plattformen kosten- und zeitaufwendig zu migrieren. Das sorgt nicht nur intern für Ressourcenbindungsprobleme, sondern beeinflusst auch deren Marktwirkung: Angebotsverschlankung, Dienstreduzierung und ein Innovationsstopp bei Nischenprodukten sind keine Seltenheit.
Welche Alternativen rücken nun ins Rampenlicht?
Während die etablierten HCI-Anbieter (Hyper-Converged Infrastructure), darunter Nutanix, Scale Computing und Red Hat (mit RHEL und OpenShift Virtualization), weiterhin um Marktanteile wetteifern, rücken auch kleinere Projekte wie Harvester (SUSE), Virtuozzo oder Xen Orchestra stärker in das Blickfeld der Unternehmen.
Die Suche nach finanziell tragbaren, supportfähigen und dennoch leistungsfähigen Alternativen spielt sich dabei häufig entlang folgender Kriterien ab:
- Kompatibilität mit existierenden Workloads
- Community- oder Enterprise-Support
- Sicherheit der Roadmap und Zukunftsfähigkeit
- Integrationsfähigkeit mit modernen DevOps-Toolchains
Zudem spielt die strategische Unabhängigkeit gegenüber großen, US-zentrierten IT-Konzernen eine wachsende Rolle. EU-geförderte Projekte setzen zunehmend auf Sovereign-Cloud-Ansätze und fordern offene Schnittstellen statt herstellergebundener Technologiestacks.
Handlungsempfehlungen für Hosting- und Infrastrukturverantwortliche
Der Markt im Wandel erfordert strategisches sowie operatives Umdenken. Wir haben drei konkrete Empfehlungen für Entscheider zusammengestellt:
- Lizenzkosten lückenlos evaluieren: Berechnen Sie die realen TCO (Total Cost of Ownership) unter Einbeziehung zukünftiger VMware-Preismodelle, um Ertragsfallen zu vermeiden.
- Proof-of-Concept für Alternativen starten: Initiieren Sie Testumgebungen mit KVM-, Proxmox- oder Kubernetes-basierter Virtualisierung. Achten Sie auf Support-Möglichkeiten durch spezialisierte Partner.
- Migration möglichst interdisziplinär angehen: Beziehen Sie DevOps-Teams, Netzwerkverantwortliche und Controlling früh ein, um technische und wirtschaftliche Auswirkungen realistisch zu bewerten.
Langfristige Folgen: Fragmentierung oder Chance für Innovation?
Ein unmittelbarer Effekt der VMware-Preisanpassung ist die Zunahme von technologischer Heterogenität in Rechenzentren. Während die Anfangsphase durch Komplexität geprägt ist, erwarten viele Experten mittelfristig eine gesunde Dezentralisierung des Marktes.
Dr. Sandra Illing, Infrastrukturberaterin beim Fraunhofer IKS, kommentiert: „Die Preisdynamik treibt zunächst Unsicherheit, aber langfristig könnte sie die Innovationsresilienz europäischer Hosting-Architekturen stärken – sofern Open-Source-Modelle konsequent professionalisiert werden.“
Parallel dazu investieren cloudnahe Unternehmen verstärkt in Automatisierung und Service-Orientierung als Differenzierungsmerkmal. Die wirtschaftlichen Anreize hierfür werden durch den Migrationsdruck zusätzlich befeuert.
Fazit: Weitsicht gefragt – und neue Optionen nutzen
Die VMware-Preissteigerung wirkt in der Infrastrukturbranche wie ein Brandbeschleuniger: Althergebrachte Modelle geraten unter Legitimationsdruck, während sich neue Anbieter und Architekturen profilieren. Für Unternehmen bietet sich die Gelegenheit, Abhängigkeiten kritisch zu prüfen – und moderne, flexible Infrastrukturen auf Basis von Open Source, Kubernetes oder hybriden Virtualisierungstechniken zu etablieren.
Die kommenden 12 bis 24 Monate werden entscheidend sein: Wer jetzt handelt, kann nicht nur Kosten vermeiden, sondern sich für eine resilientere Zukunft positionieren.
Diskutieren Sie mit: Welche Alternativen zu VMware setzen Sie ein – und welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Teilen Sie Ihre Einschätzungen im Kommentarbereich oder senden Sie uns Ihre Lösungen für ein mögliches Follow-up-Feature.




