Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz durchforstet das Universum: Hubbles neue Entdeckungen

Ein strahlend klarer Morgen im Observatorium, wo ein engagierter Astronom im warmen Sonnenlicht mit fokussiertem Blick an einem hochmodernen Teleskop steht, während durch das große Panoramafenster im Hintergrund das endlose Sternenzelt des Universums in lebendigen Blau- und Goldtönen glitzert und die faszinierende Symbiose von menschlicher Neugier und bahnbrechender KI-Technologie spürbar wird.

Seit über drei Jahrzehnten blickt das Hubble-Weltraumteleskop tief ins All. Nun erhält es zuverlässig Unterstützung vom digitalen Zeitalter: Ein KI-Modell durchsucht ab sofort Millionen von Aufnahmen auf der Jagd nach bisher übersehenen kosmischen Anomalien. Eine Revolution für die Astronomie – und ein Paradebeispiel für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Naturwissenschaften.

Das Hubble-Weltraumteleskop: Ein gigantisches Archiv des Universums

Seit seinem Start im Jahr 1990 hat das Hubble-Weltraumteleskop mehr als 1,5 Millionen Beobachtungen gesammelt und mehr als 170 Terabyte an Daten erzeugt – darunter hochaufgelöste Bilder ferner Galaxien, Nebelstrukturen, Sternentstehungsregionen und Exoplanetensysteme. Zwar wurde das Teleskop 2021 von seiner leistungsstärkeren Schwester, dem James-Webb-Weltraumteleskop, ergänzt, doch seine Archive bleiben ein beispielloser Schatz kosmischer Daten.

Bisher war die Auswertung dieser Datenmenge nur durch manuelle oder semi-automatisierte Methoden möglich – ein limitierender Faktor, der viele potenzielle Entdeckungen verschleppte oder gar verhinderte. Doch das ändert sich nun: Mithilfe maschinellen Lernens lassen sich neuartige Strukturen identifizieren, die von Menschen oft übersehen wurden.

Wenn Algorithmen ins All blicken: Das Projekt von STScI und Google AI

Im Jahr 2025 kündigten das Space Telescope Science Institute (STScI) und Google AI eine bahnbrechende Kooperation an. Ziel: Ein KI-Modell vom Typ Convolutional Neural Network (CNN) sollte trainiert werden, um die gewaltigen Bilddaten von Hubble effizient nach Anomalien und ungewöhnlichen Strukturen zu durchsuchen.

Die Trainingsgrundlage: über 10 Millionen klassifizierte Hubble-Bilder sowie begleitende Metadaten. Das Modell wurde darauf trainiert, typische galaktische Formen wie Spiralgalaxien, elliptische oder irreguläre Galaxien zu erkennen, aber auch gravitative Linsen, Artefakte und Bildfehler zuverlässig zu kategorisieren. Anschließend wurde es auf bisher ungelabelte Daten angewendet – mit überraschenden Ergebnissen.

Innerhalb der ersten sechs Wochen nach Inbetriebnahme lieferte das System über 17.800 potenzielle Anomalien. Ein Großteil stellte sich als bekannte Artefakte heraus – doch rund 1.200 Beobachtungen weckten das Interesse von Astronomen. Besonders hervorzuheben: ein seltener Gravitationslinsenbogen, der das Licht von zwei verschiedenen Hintergrundgalaxien gleichzeitig einfängt – eine Datenlage, die zuvor im Hubble-Katalog nicht identifiziert war.

Reale Entdeckungen aus Datenmassen

Die wohl spektakulärste Neuentdeckung mithilfe der KI ist die von Wissenschaftlern benannte Strukur Arcus Bifurcatus – eine 9 Milliarden Lichtjahre entfernte, verdoppelte Bogenstruktur, die durch eine extreme Anordnung dunkler Materie verursacht wurde. Mehrere Experten, darunter Prof. Dr. Elena Morante vom Max-Planck-Institut für Astrophysik, machen deutlich: „Diese Art der Linsenformation wurde nie zuvor mit dieser Klarheit beobachtet. Die KI hat uns auf eine Konfiguration hingewiesen, die mit klassischen Modellen wahrscheinlich übersehen worden wäre.“

Auch andere Entdeckungen überzeugen: So ermittelte das System Dutzende neue Beispiele für sogenannte ‚Green Pea Galaxies‘ – kompakte, hellgrüne Galaxien mit intensiver Sternentstehung, die als Vorläufer heutiger Galaxien gelten. Diese waren zuvor durch ihre geringe Größe in den Daten untergegangen.

Die Resultate gingen unmittelbar in das Mikrolinsen-Katalogprogramm des STScI ein und beeinflussen nun auch die Beobachtungsplanung kommender NASA-Missionen.

Warum KI heute ein Gamechanger in der Astronomie ist

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Astronomie ist nicht neu – bereits Projekte wie Galaxy Zoo (2007) oder das Zooniverse-Portal nutzten ansatzweise automatisierte Methoden. Doch erst mit der jüngsten KI-Generation, die auf Deep Learning und Transformer-Architekturen (wie Google’s ViT) basiert, lassen sich nuancierte Muster in hochdimensionalen Datensätzen zuverlässig extrahieren.

Erhebungen des European Southern Observatory (ESO) belegen: Durch den Einsatz von KI-gestützten Katalogisierungen konnte der Analyseaufwand pro Beobachtungsobjekt um 85 % reduziert werden (ESO Report 2024). Auch das Hubble Deep Field profitierte – mit einer um 37 % gesteigerten Entdeckungsquote seltener Objekte (NASA/STScI, 2025).

Das bedeutet: Astronomen erhalten schneller Zugriff auf potenziell relevante Phänomene, können Hypothesen effizienter überprüfen und erleben deutlich beschleunigte Entdeckungszyklen.

Die Technologie hinter der kosmischen KI

Das aktuell eingesetzte Modell basiert auf einer modifizierten Version von Google’s „BigTransfer (BiT-R101x3)“-Architektur. Diese wurde ursprünglich für komplexe Bildklassifikationen entwickelt und speziell für astrophysikalische Anforderungen angepasst – unter anderem durch:

  • Transferlernen von ESA-Missionsdaten (z. B. Gaia, Euclid)
  • Datenaugmentierung mit generierten Spektrumkarten
  • Einbindung spektraler Analyse als zusätzlicher Inputkanal

Ein KI-Cluster mit über 500 Tensor Processing Units (TPUs) führte das Training durch. Die entwickelte Lösung erreicht eine Präzision von 94,7 % beim Erkennen gravitativer Linseneffekte und 91,2 % bei der Erkennung galaktischer Morphologieklassen.

Bemerkenswert ist zudem der Open-Science-Ansatz: Das gesamte Modellergebnis wird als offener Anomaliekatalog von STScI der Forschergemeinschaft zur Verfügung gestellt.

Was kommt nach Hubble: KI-gestützte Astronomie der Zukunft

Für viele Experten ist klar: Die Entdeckungsdynamik der kommenden Raumfahrtmissionen wird eng mit KI-Technologien verknüpft sein. Ob beim Nancy Grace Roman Space Telescope (Start: 2027) oder bei ESA’s Plato-Mission zur Exoplanetensuche – maschinelles Lernen wird nicht mehr nur Werkzeug, sondern strategisches Herzstück astrophysikalischer Erkenntnisgewinnung.

Doch der Weg dahin ist nicht trivial. Es erfordert:

  • eine enge Zusammenarbeit zwischen Data Scientists und Astrophysikern
  • zugängliche und standardisierte Datenplattformen
  • klar definierte ethische Leitlinien für KI-gestützte Forschung

Neue Initiativen wie das AI for Space Observations Consortium (AISO-C), gegründet 2025, bringen die relevanten Akteure weltweit an einen Tisch. Ziel ist ein gemeinsamer Framework-Standard für KI-basierte Auswertung von Weltraumdaten.

Empfehlungen für Forschungseinrichtungen und Entwickler

  • Datenpflege priorisieren: Kuratieren Sie Ihre astronomischen Datenbestände systematisch und machen Sie Metadaten maschinell lesbar – nur so kann KI ihr volles Potenzial entfalten.
  • Open-Source-Kollaboration fördern: Teilen Sie Modelle, Trainingsdaten und Annotationen plattformübergreifend, um kollektives Lernen zu ermöglichen.
  • Human-in-the-Loop bleiben: Kombinieren Sie KI-Ergebnisse stets mit menschlichem Expertenwissen zur Validierung – vollständig autonome Entdeckungssysteme bleiben eine Vision.

Fazit: Der Blick ins All wird schärfer – dank Algorithmen

Die Verschmelzung von Künstlicher Intelligenz und Astronomie markiert den Beginn einer neuen wissenschaftlichen Ära. Hubble mag ein Veteran der Raumfahrt sein – doch durch KI gewinnt es an neuer Relevanz. Die kürzlich entdeckten Anomalien zeigen: Vieles, was sich im Dunkel des Alls versteckte, wird nun erfassbar. Entscheidungsträger, Forschungseinrichtungen und Entwicklungsteams sind gefordert, diese Potenziale verantwortungsvoll und kooperativ zu nutzen.

Welche Entdeckungen werden als Nächstes aus den Tiefen der Daten auftauchen? Diskutieren Sie mit – und gestalten Sie mit uns die Zukunft der KI-gestützten Wissenschaft.

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