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Phishing-Angriffe im Visier: So schützen Sie sich vor der Barclays-Betrugsmasche

In einem hell erleuchteten, modernen Büro blickt eine empathische Frau mit beruhigender Zuversicht auf ihren Laptopbildschirm, während warme Sonnenstrahlen sanft durch die Fenster fallen und eine Atmosphäre von digitaler Wachsamkeit und vertrauensvoller Sicherheit schaffen.

Phishing bleibt eines der ältesten, aber zugleich effektivsten Werkzeuge im Arsenal von Cyberkriminellen – und derzeit geraten insbesondere Kunden der britischen Großbank Barclays ins Fadenkreuz. Die Betrugsmasche ist raffiniert, technologisch ausgeklügelt und nutzt psychologische Tricks, um Benutzer zur Preisgabe sensibler Daten zu bewegen. Doch es gibt Strategien, mit denen sich Verbraucher und Unternehmen wirksam schützen können.

Neue Angriffswelle im Namen von Barclays

Seit Mitte 2025 registrieren Security-Anbieter einen markanten Anstieg an Phishing-Angriffen, die sich gezielt gegen Barclays-Kunden richten. Die Kampagnen werden meist per E-Mail oder SMS verbreitet und nutzen täuschend echt aussehende Mitteilungen, die scheinbar von der Bank stammen. Laut dem aktuellen „Threat Intelligence Report“ von Proofpoint (Q4 2025) ist der Bankensektor mit einem Anstieg von 37 % bei gezielten Phishing-Kampagnen besonders betroffen – Barclays wird dabei als einer der am häufigsten missbrauchten Markennamen genannt.

Die Angriffe folgen häufig einem ähnlichen Muster: Die Opfer erhalten eine Mitteilung mit dem Hinweis auf eine angebliche unautorisierte Transaktion oder eine temporäre Kontosperrung. Ein enthaltenes Link-Element führt auf eine nachgebaute Login-Seite der Barclays-Webseite, auf der unachtsame Nutzer ihre Anmeldedaten eingeben – ein klassischer Credential Harvesting-Versuch.

Technik hinter der Täuschung: von Spoofing bis AI-generierte Inhalte

Die technologische Raffinesse hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Kriminelle nutzen heute ausgeklügelte Verfahren wie E-Mail-Spoofing und automatisierte Tools zum Aufbau dynamischer Phishing-Webseiten. Diese Seiten sind oft mit TLS-Zertifikaten ausgestattet, werden über legitime Hosting-Anbieter gehostet und sind schwer durch Browser-Sicherheitsmechanismen erkennbar.

Hinzu kommt der Einsatz von KI-generierten Texten und Deepfake-Stimmen. Laut einer Studie von Europol werden mittlerweile bereits in rund 17 % der Phishing-Versuche KI-basierte Textgeneratoren wie ChatGPT oder ähnliche Tools genutzt, um die Authentizität der Kommunikation zu erhöhen. Dies erschwert nicht nur die Erkennung durch den Menschen, sondern auch durch klassische Spam-Filter.

So erkennen Sie typische Merkmale der Barclays-Phishingmasche

Auch wenn viele Phishing-Mails ausgeklügelt gestaltet sind, lassen sich bei genauerem Hinsehen Hinweise auf eine Fälschung erkennen. Typische Merkmale bei der aktuellen Barclays-Welle sind beispielsweise:

  • Dringlichkeit im Text: Hinweise wie „Ihr Konto wird geschlossen“ oder „Sicherheitswarnung – sofort handeln“ sollen Panik auslösen.
  • Falsche Absenderadressen: Zwar geben sich Angreifer als „Barclays Support“ oder „Barclays Security Team“ aus, die E-Mail-Domain stammt aber oft nicht von barclays.co.uk.
  • Verkürzte oder maskierte Links: Link-Ziele stimmen häufig nicht mit dem sichtbaren Text überein.
  • Ungewöhnliche Anrede: Kunden werden mit „Sehr geehrter Benutzer“ angesprochen, statt mit ihrem Namen.

Ein zweiter Blick lohnt sich in jedem Fall – zum Schutz der eigenen digitalen Identität.

Angriffe auf Nutzerdaten: das Ziel dahinter

Interessant ist, dass es den Kriminellen nicht immer ausschließlich um Geld geht. Zwar werden erbeutete Login-Daten in vielen Fällen direkt genutzt, um Konten leerzuräumen oder Online-Zahlungen durchzuführen, doch ein Großteil der gestohlenen Informationen landet auch im Darknet auf sogenannten Credential-Marktplätzen. Eine Analyse von Digital Shadows zeigt, dass Barclays-Login-Datensätze 2025 im Schnitt für etwa 50–120 US-Dollar pro Account gehandelt wurden – abhängig vom Kontoguthaben und dem geografischen Herkunftsland des Opfers.

Die Daten finden zudem weiterverwertet Verwendung bei sogenannten „Credential Stuffing“-Angriffen auf andere Plattformen oder für Social Engineering-Aktivitäten in sozialen Netzwerken.

Reale Fälle belegen: Auch erfahrene Nutzer sind betroffen

Ein besonders aufsehenerregender Fall wurde im Juli 2025 im britischen Sussex bekannt: Ein selbstständiger Webentwickler verlor innerhalb weniger Stunden über 18.000 Pfund, nachdem er auf eine gefälschte Zwei-Faktor-Abfrage hereingefallen war. Die Angreifer hatten sich im Anschluss mit den Zugangsdaten direkt bei Barclays angemeldet und mittels einer mitübertragenen SIM-Tausch-Abfrage auch die Kontrolle über das 2FA-Verfahren übernommen.

Die Financial Conduct Authority (FCA) mahnt in ihrer Sicherheitsstatistik für 2025, dass rund 34 % aller in Großbritannien gemeldeten Bankbetrugsfälle auf Phishing-Kampagnen mit gefälschten Webseiten zurückzuführen sind – Tendenz steigend.

Schutzmaßnahmen gegen Phishing: was wirklich hilft

Das effektivste Mittel gegen Phishing-Angriffe bleibt die Kombination aus technischer Absicherung und Sensibilisierung. Während Antivirensoftware und DNS-basierte Filter erste Hindernisse für Angreifer schaffen, erfordern viele Phishing-Angriffe die aktive Mitwirkung des Nutzers – etwa das Eingeben persönlicher Daten.

Unsere Top-Empfehlungen für Verbraucher lauten deshalb:

  • Misstrauen bei ungewöhnlichen Nachrichten: Erhalten Sie eine Nachricht Ihrer Bank außerhalb üblicher Kommunikationswege (z. B. SMS mit Link), prüfen Sie deren Echtheit direkt bei der Bank – über eine offizielle Kontaktadresse.
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren: Aktivieren Sie 2FA wann immer möglich – idealerweise auf applikationsbasierter Grundlage (z. B. via Authenticator App) statt via SMS.
  • URL und Absenderadresse verifizieren: Öffnen Sie niemals unbekannte Links und prüfen Sie bei jeder Bank-Mail die vollständige Absenderadresse sowie die Ziel-URL in der Statusleiste Ihres Browsers.

Barclays selbst weist in seinen offiziellen Empfehlungen darauf hin, dass die Bank niemals Links in E-Mails zur direkten Anmeldung verschickt und niemals nach PINs oder vollständigen Passwörtern fragt.

Wie Unternehmen ihre Belegschaft absichern können

Auch Unternehmen sollten Maßnahmen zur Abwehr gezielter Phishing-Kampagnen treffen. Immerhin erfolgen laut Verizon Data Breach Investigations Report 2025 etwa 36 % aller erfolgreichen Sicherheitsverstöße in Unternehmen in Folge von Phishing-Angriffen.

  • Security-Awareness-Schulungen etablieren: Wiederholte, obligatorische Trainings für Mitarbeiter reduzieren signifikant die Bereitschaft, verdächtige E-Mails zu öffnen.
  • Technische Schutzmaßnahmen implementieren: E-Mail-Gateways mit Malware- und Phishing-Erkennung, SPF-/DKIM-/DMARC-Verfahren sowie URL-Rewriting sind essenziell.
  • Vorfallreaktionspläne testen: Ein klar definierter Incident Response Plan hilft, im Ernstfall schnell und wirksam zu handeln.

Der Schlüssel liegt in der Resilienz: Durch kontinuierliche Tests und ein gutes Bewusstsein bei allen Mitarbeitenden lassen sich Risiken erheblich minimieren.

Ausblick: Was kommt nach classic Phishing?

Die Angriffslandschaft entwickelt sich rasant. In jüngster Zeit registrierten Sicherheitsforscher vermehrt sogenannte „Quishing“-Angriffe – also Phishing via QR-Code. Dabei wird der QR-Code beispielsweise in PDF-Dokumenten oder auf Plakaten verteilt und führt dann auf gefälschte Webseiten.

Zudem sind Deepfake-gestützte Telefonbetrüge („Vishing“) auf dem Vormarsch. 2025 veröffentlichte das National Cyber Security Centre (NCSC) in Großbritannien eine Warnung vor audio-generierten Identitätsfälschungen, bei denen CEOs großer Firmen nachgeahmt wurden, um Überweisungen auszulösen. Solche Trends zeigen: Verteidigung im Cyberspace muss mit der Angriffsinnovation Schritt halten.

Fazit: Digitale Wachsamkeit ist heute essenziell

Die Betrugsversuche im Namen von Barclays dienen als warnendes Beispiel für die professionellen Methoden moderner Cyberkrimineller. Ob Verbraucher, Unternehmen oder IT-Sicherheitsexperten – alle stehen in der Pflicht, digitale Sorgfalt zur Gewohnheit zu machen. Achtsamkeit, Schulung und technische Schutzvorkehrungen bilden den effektivsten Dreiklang gegen Phishing.

Melden Sie aufgedeckte Phishing-Versuche Ihrer Bank, teilen Sie Erfahrungen in Ihren Netzwerken und helfen Sie mit, das digitale Bewusstsein zu stärken. Denn nur gemeinsam kann die Community den Täuschern einen Schritt voraus sein.

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