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Intels Herausforderungen: Die Folgen des 18A-Prozessabbruchs von Nvidia

Ein sonnendurchflutetes, modern eingerichtetes Hightech-Labor mit fokussierten Ingenieuren, die konzentriert an mikroskopisch kleinen Chipstrukturen arbeiten, eingefangen in lebendigen Farben und warmem Tageslicht, das Hoffnung und Innovation ausstrahlt.

Die Ankündigung von Nvidia, sich aus dem Testprogramm von Intels ambitioniertem 18A-Halbleiterprozess zurückzuziehen, wirft ein Schlaglicht auf die Realitäten eines aggressiv umkämpften Fertigungsmarktes. Während Intel mit seinem IDM-2.0-Ansatz die Spitze der Chipfertigung zurückerobern will, sendet die Entscheidung des weltweit wertvollsten Chipherstellers ein deutliches Signal: Vertrauen muss verdient werden – nicht versprochen.

Intels 18A-Prozess: Die technologische Hoffnung

Der 18A-Knoten (1,8 Nanometer), ein zentraler Pfeiler von Intels Plan, bis 2025 die technologische Führung zurückzuerlangen („five nodes in four years“), steht für einen radikalen Wandel in der Herstellungsstrategie. Er kombiniert bahnbrechende Technologien wie RibbonFET (eine Gate-All-Around-Transistorarchitektur) und PowerVia (Stromversorgung von der Rückseite des Wafers), um höhere Dichte, Energieeffizienz und Leistung zu ermöglichen.

Doch während sich Intel technologisch stark zeigt, ist die industrielle Realität komplexer. Das Unternehmen hat mehrfach angekündigte Zeitpläne verfehlt. Erst im Q3/2025 bestätigte CEO Pat Gelsinger in einer Analystenkonferenz, dass sich der Großserienstart von 18A auf „die erste Hälfte 2026“ verschieben dürfte – trotz früheren Beteuerungen, alles laufe „on track“.

Im hartgetakteten Fertigungsmarkt, in dem TSMC dominiert und Samsung aufschließt, kann jede Verzögerung strategische Partner kosten – wie nun Nvidia gezeigt hat.

Nvidias Ausstieg: Ein strategischer Warnschuss

Im September 2025 erklärte Nvidia CEO Jensen Huang, dass man die Evaluierung von Intels 18A-Prozess abgeschlossen und sich „strategisch anders orientiert“ habe. Zwar habe man die 18A-Testchips vom „Intel Foundry Services“ (IFS) Team erhalten, so Huang, aber man werde künftig „primär mit bestehenden Partnern wie TSMC zusammenarbeiten“.

Zwischen den Zeilen liest sich das wie ein diplomatischer Rückzug. Branchenanalysten verweisen auf unterschiedliche Erwägungen:

  • Technologischer Reifegrad: Trotz Innovationen hat Intel weniger Erfahrung mit Foundry-Fertigung für Dritte als etwa TSMC.
  • Lieferzuverlässigkeit: Nvidia, deren GPU-Zyklen nun jährlicher werden, benötigt maximale Planbarkeit – etwas, das Intel gegenwärtig nicht garantieren kann.
  • Kosteneffizienz: Experten wie Gartner schätzen, dass 18A rund 40 % teurer in der Implementierung ist als TSMCs vergleichbare N2-Prozesse (Quelle: Gartner Semiconductor Market Forecast Q4/2025).

Aus unternehmensstrategischer Sicht ergibt Nvidias Entscheidung ebenfalls Sinn: Mit einem Jahresumsatz von über 90 Milliarden US-Dollar (FY2025) und einer dominierenden Marktstellung bei KI-Workloads muss Nvidia keine Experimente eingehen – es kann auf Bewährtes setzen.

Folgen für Intel: Reputationsverlust und Kursdämpfer

Nvidias Exit hatte unmittelbare Konsequenzen für Intel – nicht nur symbolischer Natur. Am Tag der Bekanntgabe sackte die Intel-Aktie an der NASDAQ um 4,7 % ab. Innerhalb einer Woche belief sich das Minus auf über 11 %, was laut Bloomberg rund 12 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtete.

Analysten sehen darin mehr als nur eine taktische Kursbewegung: „Es deutet auf einen Vertrauensverlust hin“, sagt Stacy Rasgon (Bernstein Research). „Wenn ein Branchenführer wie Nvidia einer neuen Plattform öffentlich den Rücken kehrt, sendet das ein Signal an andere potenzielle Kunden.“

Intel hatte große Hoffnungen auf IFS als neue Umsatzquelle gesetzt. Bis 2030 sollte IFS 15–20 % des Gesamtumsatzes beisteuern. Dieses Ziel erscheint nun zunehmend ambitioniert.

Laut einer Auswertung von TrendForce (Q3/2025) liegt Intel im Foundry-Markt derzeit mit einem Marktanteil von etwa 3 % weit hinter TSMC (56 %) und Samsung (16 %).

Hintergründe: Warum 18A entscheidend für Intel ist

18A ist nicht nur ein technisches, sondern ein symbolisches Projekt. Der Prozess soll beweisen, dass Intel wieder technologisch führen kann – vor allem nach Jahrzehnten des Schleuderkurses zwischen verzögerten Nodes, Managementwechseln und dem verlorenen Rennen gegen TSMC.

Intern sehen viele 18A als Test für den Erfolg des IDM-2.0-Modells – also der Verbindung aus Design, Foundry und Packaging unter einem Dach. Der Ausstieg Nvidias kratzt an dieser Vision: Wenn der führende Kundenkandidat geht, wie lassen sich dann weitere anziehen?

Intel hat zwar weiterhin Ambitionen mit Qualcomm, Amazon AWS und einigen RISC-V-Startups, doch deren Volumen und strategische Schlagkraft liegen aktuell deutlich unterhalb von Nvidia.

Einordnung im Markt: Branchenumbruch im Gange

Die Entscheidung Nvidias kommt in einer Phase, in der sich die gesamte Halbleiterbranche neu ausrichtet:

  • Geopolitische Spannungen treiben westliche Akteure dazu, regionale Fertigungskapazitäten auszubauen – ein Vorteil für Intel, das Standorte in den USA und Europa modernisiert (z.B. Magdeburg).
  • Künstliche Intelligenz verschiebt den Bedarf weg von generalisierten CPUs hin zu hoch spezialisierten Chips – was IFS theoretisch mit Chiplet-Designs und Advanced Packaging adressieren könnte.
  • Mehr Anbieter, weniger Konzentration: Die wachsende Komplexität macht Kund*innen bereit, mehr Foundry-Partner parallel zu bedienen – sogenannte „multisourcing strategies“ gewinnen laut McKinsey Forecast 2025 deutlich an Dynamik.

Doch gerade in diesem Kontext verliert Intel nun an Kredibilität. Der technologische Vorsprung alleine reicht nicht – entscheidend ist die operative Exzellenz.

Handlungsempfehlungen für Intel und Marktteilnehmer

  • Transparente Roadmaps: Intel sollte seine Prozessknoten-Updates realistisch und nachvollziehbar kommunizieren, um Erwartungen besser zu managen.
  • IFS-Fokus auf kleinere Kunden: Statt auf Tech-Giganten zu setzen, könnte Intel gezielt kleinere Kunden – etwa europäische Autoproduzenten oder Startups – mit End-to-End-Angeboten adressieren.
  • Investitionen in Vertrauen: Der Aufbau von Logistik, Supportstrukturen und IP-Repositories à la TSMC ist entscheidend, um Foundry-Kunden langfristig zu binden.

Ein vorsichtiger Optimismus bleibt

Trotz des Rückschlags bleibt Intels 18A-Prozess technologisch vielversprechend. Erste Testchips für das US-Verteidigungsministerium und enge Kooperationen mit dem DARPA-Programm zeigen, dass es sehr wohl Nachfrage gibt – wenn auch mit anderer Risikoprofilierung.

Auch Apple-Analyst Ming-Chi Kuo erklärte in einer Notiz im November 2025, dass der 20A- und 18A-Knoten von Intel „strukturell konkurrenzfähig“ zu TSMCs N3-Prozess sei – vorausgesetzt, Intel vollzieht den Ramp-up spätestens 2026 vollständig.

Für die Halbleiterindustrie bedeutet Nvidias Schritt nicht das Scheitern von IFS, sondern eine dringend notwendige Realitätsscheibe: In einem Markt, in dem Vertrauen und Planbarkeit fast ebenso wichtig sind wie reine Performance, müssen selbst Tech-Giganten ihre Versprechen einlösen.

Intel hat nun alle Augen auf sich gerichtet. Die Richtung ist vorgezeichnet – die Glaubwürdigkeit hingegen muss neu verdient werden.

Was denken Sie? Wie lange kann sich Intel den Rückstand leisten, bevor der Markt anderswo dauerhaft investiert? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren oder auf unseren Social-Kanälen – die Redaktion freut sich auf Ihre Einschätzungen.

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