Apple könnte bald die faltbare Smartphone-Ära betreten – zumindest deuten neue Leaks darauf hin. Erste Renderbilder, die Insidern zugeschrieben werden, zeigen ein Konzeptgerät, das vieles verspricht und den nächsten großen Innovationssprung markieren könnte. Doch was steckt technologisch dahinter – und wie realistisch ist ein Marktstart in naher Zukunft?
Erste Einblicke: Was zeigen die Renderbilder des iPhone Fold?
In den vergangenen Wochen sorgten durchgesickerte Renderaufnahmen und Mockups eines angeblichen „iPhone Fold“ für Aufsehen in sozialen Medien und Tech-Foren. Die Quelle: Jon Prosser, ein für Apple-Leaks bekannter YouTuber und Tech-Influencer, der bereits in der Vergangenheit mit korrekten sowie umstrittenen Vorabinformationen Schlagzeilen machte. Ein aktuelles Video auf Front Page Tech zeigt ein Gerät mit einem horizontal faltbaren Design – analog zum Samsung Galaxy Z Fold5 – mit einem beinahe rahmenlosen 8-Zoll-Innenbildschirm und einem sekundären Außendisplay von rund 6 Zoll.
Das gezeigte Konzept lässt ein extrem dünnes Scharnier vermuten, das sich beim Zusammenklappen fast vollständig im Chassis versenkt. Das erinnert stark an das Scharnierkonzept von Huawei (Mate Xs2) oder Honor (Magic V2). Auffällig ist außerdem die Kameraeinheit, die stark an die aktuelle iPhone 15-Serie anknüpft. Ob die Renderbilder jedoch authentisch sind oder auf Basis früher Prototyp-Informationen entstanden, bleibt offen. Apple hat sich – wie gewohnt – nicht dazu geäußert.
Technologische Baustellen: Wie weit ist Apple bei Foldables wirklich?
Technologisch hat Apple gegenüber der Android-Konkurrenz bei faltbaren Displays aufzuholen. Laut einem TrendForce-Report aus dem 3. Quartal 2025 entfielen lediglich 1,5 % aller weltweit verkauften Smartphones auf Foldables; gleichzeitig dominiert Samsung mit über 60 % Marktanteil diesen Sektor. Apple hat bisher keine Geräte mit flexibler Displaytechnologie veröffentlicht, wohl aber in zahlreichen Patentanmeldungen Interesse signalisiert. Zuletzt wurde eine Patentschrift publik, in der ein selbstheilendes Displaymaterial beschrieben wird, das Kratzer automatisch ausgleichen soll – ein potenzieller Gamechanger in puncto Langlebigkeit.
Erfahrungen mit Mini-LED, Ceramic Shield und LTPO-Technologien könnten Apple helfen, ein besonders robustes und energieeffizientes faltbares Display zu entwickeln. Außerdem ist bekannt, dass Apple in Kooperation mit LG Display und BOE flexibles OLED-Material testet. Intern kursieren laut The Information Prototypen mit unterschiedlichen Faltmechanismen – darunter auch ein Clamshell-Design wie beim Galaxy Z Flip.
Obwohl Insider wie Ming-Chi Kuo einen Marktstart frühestens 2026 prognostizieren, deuten jüngste Personalverschiebungen innerhalb von Apple’s Display Engineering Group darauf hin, dass das Thema intern stark priorisiert wird.
Der Markt für Foldables: Wachsender Trend oder Nischenprodukt?
Der globale Markt für faltbare Smartphones entwickelt sich dynamisch – wenn auch auf niedrigem Niveau. Laut IDC wurden im Jahr 2025 weltweit knapp 30 Millionen Foldables verkauft – ein Zuwachs von etwa 48 % gegenüber dem Vorjahr. Prognosen deuten auf eine Verdreifachung dieses Volumens bis 2028 hin, insbesondere durch steigende Nachfrage in Südkorea, China, den USA und Teilen Europas.
Treiber dieses Trends sind vor allem Hersteller wie Samsung, Huawei, Honor, Oppo und Motorola, die kontinuierlich in Design, Haltbarkeit und Preisoptimierung investieren. Apple hatte bislang keine Eile, in diesen Markt einzusteigen – eine typische Strategie des Konzerns, der oft erst dann agiert, wenn Technologien ausgereift sind und eine breite Zielgruppe ansprechen.
Doch dieser konservative Ansatz könnte Apple bald in Zugzwang bringen. Die aktuellen Bedenken vieler Nutzer – etwa zur Strapazierfähigkeit der faltbaren Displays oder der Akkulaufzeit – sind dank technischer Fortschritte (z.B. UTG-Glas, waterdrop hinges) zunehmend entkräftet. Zudem zeigen Umfragen von Canalys, dass rund 38 % der iPhone-Nutzer in den USA einem faltbaren iPhone offen gegenüberstehen – vorausgesetzt, der Formfaktor biete klare Mehrwerte.
Was bedeutet das für Apples Produktstrategie?
Ein iPhone Fold würde fundamental von der bisherigen iPhone-Linie abweichen – nicht nur optisch, sondern auch softwareseitig. iOS müsste für ein faltbares Display angepasst werden, insbesondere hinsichtlich Multitasking, App-Scaling und Dual-Screen-Funktionalitäten. Apple könnte hier von den Erfahrungen mit dem iPadOS profitieren: Split View, Stage Manager oder Drag-and-Drop zwischen Apps sind Funktionen, die sich gut auf ein klappbares Display übertragen lassen.
Marktanalysehäuser wie Gartner sehen in Premium-Foldables ein erhebliches Margenpotenzial. Ein potenzielles iPhone Fold dürfte sich oberhalb der iPhone-Pro-Serie (Preisrange: 1499–1999 USD) positionieren und könnte in Kombination mit Services wie Apple One+, Apple Pencil-Support und einem dedizierten Zubehör-Ökosystem neue Zielgruppen erschließen – etwa Business-Nutzer oder Kreative.
Hinzu kommt: Sollte Apple ein Foldable vorstellen, könnten auch andere Gerätekategorien – etwa das iPad mini oder künftige MacBooks – vom flexiblen Displayansatz profitieren. Ein nahtloses Ökosystem mit übergreifender Gerätefunktionalität würde Apples Plattformstrategie deutlich stärken.
Der Fall Jon Prosser: Leak oder mutmaßlicher Vertragsbruch?
Während die Renderbilder für viele Fans und Analysten eine willkommene Vorschau bedeuteten, hat die Veröffentlichung für Jon Prosser ein juristisches Nachspiel. Laut einem Bericht von Bloomberg ermittelt Apple wegen einer mutmaßlichen Verletzung von NDA-Vereinbarungen gegen mehrere Leaker – darunter Prosser. Ihm wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen erhalten und über seine Plattform „Front Page Tech“ kommerziell genutzt zu haben.
Prosser selbst weist die Anschuldigungen zurück, beruft sich auf seine journalistische Arbeit und den Schutz durch die Pressefreiheit. Die Klage könnte jedoch Signalwirkung in der Tech-Szene haben und den Zugang zu internen Informationen deutlich erschweren. Für die Debatte um das iPhone Fold bedeutet das: Offizielle Details könnten in den nächsten Monaten noch schwerer vorab zu erfahren sein.
Empfehlungen für Branchenbeobachter und Entwickler
- Trends und Patentanmeldungen beobachten: Wer frühzeitig Chancen im Foldable-Markt erkennen möchte, sollte Apples Patentanmeldungen (z.B. über das US Patent & Trademark Office) und Zulieferketten-Berichte regelmäßig analysieren.
- Cross-Platform-Apps für variable Bildschirmgrößen entwickeln: Foldables benötigen flexible UI-Konzepte. Entwickler*innen, die für iOS programmieren, sollten Progressive Layouts und flexible Rasterstrukturen einplanen.
- UX-Design auf neue Interaktionsmuster vorbereiten: Mit einem faltbaren Format ändern sich Erwartungen an Gestenführung, Split-Screen-Optimierung und Hold-States. UX-Designer*innen sollten frühzeitig testen, wie bekannte iOS-Paradigmen darauf übertragen werden können.
Fazit: Apple könnte dem Foldable-Markt neue Relevanz verleihen
Auch wenn das iPhone Fold bislang nur virtuell existiert, hat Apple erneut geschafft, die Aufmerksamkeit auf eine Produktkategorie zu lenken, die bisher eher ein Nischensegment bediente. Sollte der Konzern tatsächlich in die Foldable-Sparte einsteigen, wäre dies nicht nur technologisch ein gewaltiger Schritt – sondern auch ein Impuls für den gesamten Smartphone-Markt.
Ob 2026 nun das Jahr des iPhone Fold wird, bleibt offen. Doch die aktuelle Diskussion zeigt: Die Branche ist bereit. Was meint ihr – würdet ihr ein faltbares iPhone kaufen? Diskutiert mit uns in den Kommentaren oder in unserer LinkedIn-Community!




