Die nächste Generation von Konsolen lässt auf sich warten – und das liegt nicht an fehlenden Innovationen, sondern an steigenden RAM-Preisen. Eine Entwicklung, die Gamer wie Hersteller gleichermaßen beschäftigt und sogar Branchenriesen wie Sony und Microsoft unter Druck setzt.
Weshalb RAM zum Engpass wird
Bereits seit Mitte 2023 beobachten Marktanalysten eine anhaltende Preisrallye bei DRAM-Modulen. Dieser Trend beschleunigte sich bis Ende 2025 dramatisch. Die Gründe dafür sind vielschichtig: gestiegene Nachfrage in Rechenzentren aufgrund von KI-Anwendungen, ein überstrapazierter Produktionszyklus in Fernost sowie geopolitische Spannungen, die die weltweite Lieferkette weiter destabilisieren.
Laut Daten von TrendForce stiegen die Preise für DDR5-DRAM seit Q1 2024 durchschnittlich um rund 78 % – ein Wert, der noch vor wenigen Jahren undenkbar schien. Besonders gefragt sind Module mit hoher Bandbreite, wie sie in modernen Konsolen verbaut werden: GDDR6 und GDDR7. Diese Chips sind nicht nur teuer, sondern derzeit auch schwer zu beschaffen.
Der koreanische Speicherchiphersteller SK hynix, einer der Hauptlieferanten für GDDR6/7, meldete im Oktober 2025 eine ausgelastete Produktionskapazität und warnte vor Lieferengpässen bis mindestens Q2 2026. Micron und Samsung äußerten sich ähnlich. Die Marktverengung betrifft nicht nur Gaming-Hardware, sondern auch Branchen wie Automotive und Server-Infrastruktur.
Was das für die PlayStation 6 und Xbox Next bedeutet
Die nächste Generation der Konsolen, intern als PlayStation 6 und Xbox Next bezeichnet, war ursprünglich für Ende 2025 bzw. Anfang 2026 erwartet worden. Doch laut Berichten von Bloomberg und dem japanischen Magazin Famitsu prüfen Sony und Microsoft derzeit eine Verschiebung der Markteinführung in das zweite Halbjahr 2026 – ein Novum in der jüngeren Konsolenhistorie. Der Hauptgrund: unklare Kosten- und Lieferprognosen für die geplanten Speicherarchitekturen.
Beide Hersteller setzen laut internen Leaks auf 32 bis 64 GB GDDR7-RAM – etwa doppelte Kapazität im Vergleich zur aktuellen Konsolengeneration. Das soll eine höhere Auflösung, stabilere Framerates und neue KI-basierte Spielmechaniken ermöglichen. Doch die speicherintensiven Anforderungen treffen auf einen äußerst angespannten Markt. Analyst Ross Young von DSCC kommentierte in einem Interview mit CNBC: „Wenn GDDR7-Preise weiter steigen, droht ein Kostenpunkt, bei dem Sony und Microsoft ihre Konsolen defizitär verkaufen müssten oder neue Starttermine in Betracht ziehen müssen.“
Branchenweite Auswirkungen: Von Entwicklung bis Release
Für Entwicklerstudios bedeutet die RAM-Krise vor allem eines: Planungsunsicherheit. Große Publisher wie Ubisoft, Activision Blizzard oder CD Projekt Red haben ihre Next-Gen-Titel auf Basis spezifizierter Hardwarearchitekturen entwickelt. Ein späterer Release der Konsolen zwingt viele dazu, entweder Spiele erneut zu verschieben oder vorab Versionen für aktuelle Konsolen zu launchen. Letzteres birgt allerdings das Risiko, wichtige Features nicht vollständig umsetzen zu können, weil sie abhängig von RAM-Kapazitäten und Bandbreite sind.
Auch auf Verbraucherseite bleibt der Effekt nicht unbemerkt. Preisanalysen zeigen, dass die wahrscheinlich höher kalkulierten Herstellungskosten in Konsolenpreise weitergegeben werden. Bereits jetzt schätzen Marktbeobachter einen Einstiegspreis der PS6 bei über 649 Euro. Zum Vergleich: Die PlayStation 5 wurde 2020 für 499 Euro auf den Markt gebracht.
Hinzu kommen mögliche Startverzögerungen bei Zubehörprodukten wie VR-Brillen oder Raytracing-fähigem TV-Zubehör. Hier verursacht die Speicherknappheit ebenfalls Verteuerungen und Stoßzeiten in der Lieferkette.
RAM-Markt im Umbruch: Ursachen, Dynamiken, Prognosen
Ein Blick auf die weltweite RAM-Landschaft zeigt, dass gleich mehrere Faktoren zusammenkommen. Der kräftige Nachfrageanstieg durch KI-Modelle, insbesondere durch Systeme wie GPT-4 und seine Nachfolger, hat den Markt seit 2023 stark beansprucht. Hyperscaler wie Google, Amazon AWS und Microsoft Azure stockten ihre Rechenzentren massiv auf – und rissen damit große Teile des DRAM-Marktes an sich.
Gleichzeitig kam es durch Naturkatastrophen und geopolitische Unsicherheiten zu Produktionsausfällen. Im Juni 2024 etwa musste Micron sein taiwanesisches Werk nach einem Erdbeben mehrere Wochen schließen. Dies führte zu einem Rückstau von über 30 Millionen DRAM-Modulen in der Supply Chain (Quelle: J.P. Morgan Memory Sector Report, Q3/2024).
Laut der Marktforschungsagentur Omdia könnten sich RAM-Preise 2026 auf einem Niveau einpendeln, das etwa 30–40 % über dem Vorkrisenniveau liegt – selbst bei stabiler Nachfrage. Dies liegt auch daran, dass moderne Fertigungsprozesse bei GDDR7 deutlich komplexer und energieintensiver sind als bei früheren Generationen.
Strategien der Hersteller: Wie Sony und Microsoft reagieren
Beide Konsolenhersteller sind sich des Problems bewusst – und versuchen gegenzusteuern. Sony etwa erwägt laut einem Bericht von Nikkei Asia, langfristige Lieferverträge mit Samsung abzuschließen, um Preisvolatilität abzufedern. Microsoft testet derweil laut Quellen von Windows Central alternative Speichermodule, unter anderem hybriden LPDDR6-X-RAM, der jedoch noch nicht in Massenproduktion verfügbar ist.
Darüber hinaus denken beide Unternehmen über skalierbare Konsolenstrukturen nach – etwa durch gestaffelte Editionen mit unterschiedlicher RAM-Ausstattung. Das würde auch Konsumenten die Wahl zwischen Performance- und Budget-Varianten geben, ohne dass technologische Innovationen geopfert werden müssen.
Ob das reicht, ist allerdings fraglich. Wie Damian Thong, Analyst bei Macquarie Capital, in einem Gespräch mit der Financial Times äußerte: „Sofern sich der RAM-Markt nicht stabilisiert, könnte dies die erste Konsolengeneration sein, bei der technologische Ambitionen hinter Marktrealitäten zurücktreten müssen.“
Was Verbraucher und Entwickler jetzt tun sollten
In einer Zeit, in der Hardwarezyklen unberechenbar und Lieferketten gestört sind, kommt es auf frühzeitige Planung an. Für Verbraucher und Entwickler ergeben sich daraus konkrete Maßnahmen:
- Entwickler sollten verstärkt plattformübergreifend entwickeln und Engines wie Unreal oder Unity flexibel für variable RAM-Ausstattungen optimieren.
- Gamer sollten geplante Hardwareanschaffungen gut timen und Preisentwicklungen regelmäßig beobachten – etwa über Preisvergleichstools oder RAM-Benchmark-Seiten.
- Hardware-Hersteller tun gut daran, in Vorbestellungssysteme zu investieren und Lieferverträge frühzeitig abzusichern, wie es Apple beim iPhone erfolgreich vormacht.
Fazit: RAM als Schlüsselressource und systemischer Risikofaktor
So unscheinbar Speicherchips auch wirken mögen – sie sind mehr denn je das Nadelöhr der digitalen Innovation. Die derzeitige RAM-Krise zeigt eindrucksvoll, wie abhängig moderne Konsolen-, KI- und Cloud-Technologien von wenigen, hochspezialisierten Zulieferern sind. Gleichzeitig wird klar: Ohne strategische Planung und flexible Hardwarearchitekturen wird der Innovationsschub der nächsten Konsolengeneration ausgebremst.
Doch es bleibt Hoffnung: Neue Fertigungstechnologien wie High-Bandwidth Memory 4 (HBM4) und Investitionen in europäische Chipwerke könnten mittelfristig die RAM-Märkte entlasten – und damit auch Sonys und Microsofts Zeitpläne retten. Bis dahin wird RAM jedoch nicht nur Speicher, sondern strategische Größe im globalen Wettlauf um Digitaltechnologie bleiben.
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