IT-Sicherheit & Datenschutz

Telefonbetrug im Namen der Verbraucherzentrale: So schützen Sie sich

Eine helle, einladende Szene in einem modernen Wohnzimmer, in der eine freundliche Frau aufmerksam und informiert am Telefon spricht, während warmes Tageslicht durch ein Fenster fällt und eine Atmosphäre von Vertrauen, Wachsamkeit und Sicherheit vermittelt.

Immer häufiger geben sich betrügerische Anrufer als Mitarbeitende der Verbraucherzentrale aus, um sensible Daten zu erschleichen oder Menschen gezielt zu verunsichern. Hinter der vermeintlichen Beratung lauern kriminelle Absichten – und Tausende sind bereits betroffen. Doch es gibt klare Indizien, wie man die Masche erkennt und sich effektiv schützt.

Die neue Masche: Vertrauen missbraucht

Verbraucherschutzorganisationen genießen einen guten Ruf: Sie stehen für Unabhängigkeit, Kompetenz und Seriosität. Genau dieses Vertrauen nutzen Betrüger derzeit gezielt aus. Aktuell melden Verbraucherzentralen in mehreren Bundesländern eine steigende Zahl von Fällen, bei denen sich Telefonbetrüger als vermeintliche Mitarbeitende ausgegeben haben – in vielen Fällen mit beträchtlichen finanziellen Schäden für die Betroffenen.

So berichtet etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass allein im ersten Halbjahr 2025 über 1.700 solche Betrugsversuche gemeldet wurden – ein Anstieg von über 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die betrügerischen Anrufe reichen von angeblichen Rückerstattungen über Beratungsangebote bis hin zu düsteren Warnungen vor angeblichen Datenpannen.

Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) verschiebt sich die Betrugslandschaft zunehmend in den digitalen Kommunikationsraum – mit professionell gestalteten Skripten, Spoofing-Technologien zur Rufnummernmanipulation und dynamisch angepassten Gesprächsverläufen. „Die Täter beobachten sehr genau, wem die Menschen vertrauen – und nutzen diese Marken gezielt für ihre Zwecke“, erklärt ein Sprecher des BKA auf Anfrage.

Wie die Täter vorgehen: Phishing per Anruf

Die Anrufe erfolgen häufig unter Verwendung gefälschter Telefonnummern – durch sogenanntes Caller ID Spoofing erscheint auf dem Display eine vermeintlich seriöse Nummer, oftmals mit Vorwahl 030 oder der tatsächlichen Nummer einer Verbraucherzentrale. Die Stimmen am anderen Ende wirken freundlich, kompetent und sind gut geschult.

Typische Gesprächsverläufe starten oft mit dem Hinweis, man wolle über eine wichtige Rückerstattung oder eine mögliche Vertragsfalle informieren. In anderen Fällen warnen die Täter vor vermeintlichen Datenlecks und bitten um Abgleich oder Korrektur persönlicher Angaben. Der weitere Verlauf zielt meist darauf ab, sensible Informationen – wie Geburtsdaten, Kontonummern oder TANs – zu erfragen oder Zahlungen auszulösen.

Gefährlich ist dabei nicht nur der unmittelbare Betrug, sondern auch die langfristige Nutzung erbeuteter Daten für Identitätsdiebstahl oder weitere Phishing-Angriffe. Laut der Sicherheitsstudie „Phishing in Deutschland 2025“ des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) gaben 27 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr Fake-Anrufe erhalten zu haben – Tendenz stark steigend.

Im Interview: Dr. Katharina Walz von der Verbraucherzentrale Bayern

Frau Dr. Walz, wie erkennen Verbraucher, ob es sich um einen echten Anruf Ihrer Organisation handelt?

Dr. Katharina Walz: Grundsätzlich rufen wir nur dann an, wenn die Betroffenen vorher selbst Kontakt mit uns aufgenommen oder sich für eine konkrete Dienstleistung gemeldet haben. Niemals fragen wir proaktiv am Telefon nach sensiblen Daten oder fordern zu Überweisungen auf. Seriöse Verbraucherzentralen arbeiten schriftlich und transparent.

Welche Tricks beobachten Sie besonders häufig?

Dr. Walz: Häufig wird Angst erzeugt – etwa durch angebliche Sicherheitsvorfälle mit persönlichen Daten. Oder es wird eine Rückerstattung versprochen, für die man erst eine Bearbeitungsgebühr zahlen müsse. Solche Konstellationen dienen allein der Täuschung.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger schützen?

Dr. Walz: Zunächst: Misstrauisch sein, wenn ein Anruf unerwartet kommt. Immer nachfragen, welche Geschäftsstelle anruft, wer konkret spricht und welche Informationen der Gegenüber über einen hat. Und: Niemals persönliche Daten preisgeben oder Zahlungen leisten, ohne sich unabhängig rückzuversichern – etwa per Rückruf über eine bekannte Nummer oder über unsere Website.

Digitale Betrugstechniken: Zwischen Spoofing und Voice Phishing

Die zunehmende Professionalität der Täter ist technisch erklärbar: Durch Tools, die ursprünglich für legitime Callcenter entwickelt wurden, lässt sich heute mit geringem Aufwand jede Nummer simulieren. Diese Technik nennt sich Caller ID Spoofing und ist in vielen Ländern nur unzureichend reguliert. Hinzu kommt der Trend zur Automatisierung und KI-gestützter Spracherkennung, der sogenannte Vishing – Voice Phishing – auf ein neues Level hebt.

Laut einer Studie der Anti-Phishing Working Group (APWG) vom dritten Quartal 2025 sind Vishing-Angriffe weltweit um 38 % gestiegen – ein neuer Höchstwert. In Deutschland wird laut Bitkom 2025 jeder fünfte Erwachsene mindestens einmal im Jahr Ziel eines Telefonbetrugsversuchs – das entspricht rund 14 Millionen Personen.

So schützen Sie sich effektiv

Im Alltag ist es nicht immer leicht, gefährliche von echten Anrufen zu unterscheiden. Doch mit den folgenden Maßnahmen lassen sich Risiken deutlich reduzieren:

  • Fragen Sie nach vollständigen Namen, Abteilung und Rufnummer – und rufen Sie bei Unsicherheit selbst unter einer offiziellen Nummer zurück.
  • Notieren Sie Gesprächsverläufe und vergleichen Sie sie mit offiziellen Schreiben oder Kontaktdaten auf der Website der Verbraucherzentrale.
  • Installieren Sie eine zuverlässige Anrufschutz-App, die betrügerische Nummern filtert oder warnt. Bekannte Anwendungen wie „Truecaller“ oder „Tellows“ bieten aktuellen Schutz.

Was tun im Ernstfall?

Falls Sie dennoch hereingefallen sind oder unsicher sind, ob ein Gespräch echt war, ist schnelles Handeln entscheidend. Die Verbraucherzentralen bieten bundesweit Beratungsangebote an und sollten sofort kontaktiert werden. Ebenso ist eine Meldung an die Polizei sinnvoll – insbesondere, wenn es zu einem Datenverlust kam.

Auch der Verbraucherservice der Bundesnetzagentur stellt eine Anlaufstelle dar. Hier können unerlaubte Anrufe oder Rufnummern gemeldet und gesperrt werden. Die zentrale Rufnummer dafür lautet 0291 9955-206.

Transparenz und Prävention als gemeinsame Aufgabe

Die Verbraucherzentralen setzen auf verstärkte Aufklärung, Social-Media-Kampagnen und die Zusammenarbeit mit Polizei und Telekommunikationsanbietern, um betrügerische Nummern schneller zu sperren und Verbraucher zu sensibilisieren. Gleichzeitig ist jeder Einzelne gefragt: Nur wer informiert ist, kann sich schützen.

Einige Landeszentralen stellen bereits interaktive Anrufdatenbanken zur Verfügung, in die Betroffene verdächtige Nummern eintragen können – ein crowdsourcendes Frühwarnsystem mit wachsender Bedeutung.

Die aktuelle Betrugswelle zeigt, wie wichtig Medienkompetenz im digitalen Zeitalter ist – auch am Telefon. Wer seine Daten schützt, wachsam ist und weiß, wie Täter agieren, macht es ihnen deutlich schwerer.

Haben Sie selbst Erfahrung mit Telefonbetrügern gemacht oder Fragen zum Schutz Ihrer Daten? Teilen Sie Ihre Erlebnisse und diskutieren Sie mit unserer Redaktion in den Kommentaren – gemeinsam stärken wir das digitale Sicherheitsgefühl in der Community.

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