Künstliche Intelligenz

KI als Lernhilfe: IBM und Pearsons Pläne für den Umgang mit dem Fachkräftemangel

In einem hell erleuchteten, modernen Klassenzimmer sitzt eine vielfältige Gruppe von Lernenden verschiedenen Alters konzentriert vor Laptops, während im Hintergrund eine freundliche Lehrkraft entspannt und unterstützend mit einem kollegialen Lächeln auf einen Bildschirm zeigt, der innovative KI-gestützte Lernplattformen visualisiert – ein lebendiger Moment gemeinsamer Bildung und digitaler Zukunft.

Der globale Bedarf an qualifizierten Fachkräften wächst rasant – und mit ihm der Druck auf Bildungsanbieter, neue Wege für effektives Lernen zu erschließen. IBM und Pearson setzen dabei auf ein mächtiges Werkzeug: künstliche Intelligenz. Gemeinsame Initiativen sollen nicht nur Lernprozesse personalisieren, sondern auch die Zertifizierung von Fähigkeiten neu definieren und so dem Fachkräftemangel gezielt entgegenwirken.

Technologie trifft Bildung: IBM und Pearson planen die Zukunft des Lernens

IBM, ein Vorreiter im Bereich Enterprise-KI, und Pearson, einer der weltweit größten Bildungsanbieter, gaben im Jahr 2025 eine weitreichende Partnerschaft bekannt. Ziel ist es, KI-gestützte Lernplattformen zu entwickeln, die in der Lage sind, personalisierte Bildungswege zu gestalten, Fähigkeiten in Echtzeit zu validieren und Lernende nahtlos mit Arbeitsmarktbedarfen zu verknüpfen.

Diese Allianz spiegelt eine gesamtwirtschaftliche Herausforderung wider: Bis 2030 könnten laut einer Studie von McKinsey rund 85 Millionen Stellen weltweit unbesetzt bleiben, weil es an qualifizierten Fachkräften fehlt (McKinsey Global Institute, 2023). Besonders in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und KI-nahen Tätigkeiten sei die Lücke gravierend. Für Bildungsträger bedeutet das: mehr Druck, flexiblere, skalierbare und zugleich effektive Bildungsformate zu liefern.

Adaptive Lernpfade dank KI: Die Vision hinter der Partnerschaft

Im Zentrum der Zusammenarbeit stehen adaptive Lernumgebungen, in denen KI-Agenten Lernverhalten analysieren, Inhalte dynamisch anpassen und individuelle Lernstrategien vorschlagen. Unterstützt durch IBM Watsonx – ein KI-Toolkit, das speziell für Enterprise-Anwendungen designt wurde – sollen die Pearson-Plattformen künftig in Echtzeit auf Lernerfolge reagieren, Wissenslücken erkennen und passende Inhalte ausspielen. Pearson bringt seine umfangreichen Bildungsressourcen sowie didaktische Expertise ein, IBM sein technisches Know-how für skalierbare KI-Infrastrukturen.

Ein besonders innovativer Aspekt: Die Systeme sollen nicht nur Inhalte vermitteln, sondern auch Fähigkeiten validieren. Mithilfe von Natural Language Processing (NLP) und Machine Learning analysieren die Plattformen Texteingaben, Sprache und Handlungsmuster der Lernenden, um Zertifizierungsprozesse zu automatisieren. So sollen Micro-Credentials – also modulare, digital prüfbare Qualifikationsnachweise – an Bedeutung gewinnen.

Die KI-Zertifizierung revolutionieren: Neue Wege der Qualifikation

Eine der wesentlichen Herausforderungen im aktuellen Bildungssystem ist die starr strukturierte Zertifizierung. IBM und Pearson setzen hier auf „Skill-based Credentialing“ – ein Kompetenzmodell, das Wissen nicht mehr nach Kursdauer oder Teilnahme, sondern nach messbarer Fähigkeit anerkennt. Dabei soll AI nicht nur als Lernhelfer agieren, sondern als Prüfer, Coach und Mentor zugleich.

Strategisch verfolgt man so zwei Ziele: Zum einen mehr Menschen den Zugang zu qualifizierter Weiterbildung zu ermöglichen – unabhängig von Bildungsstand oder geografischem Ort. Zum anderen Unternehmen schnellere und genauere Informationen über Qualifikationen potenzieller Mitarbeitender bereitzustellen.

Ein Beispiel ist die Integration von KI-basierten Skill Assessment Tools in Lernplattformen. Diese analysieren Bearbeitungszeit, Problemlösungsverhalten oder textuelle Antworten und vergleichen sie mit branchentypischen Kompetenzprofilen. IBM experimentiert hier mit GPT-basierten Systemen zur Bewertung technischer Fallbeschreibungen in der Softwareentwicklung, Data Science und Cybersicherheit.

Marktdynamiken und der wachsende Bedarf an KI-basiertem Lernen

Die Nachfrage nach EdTech-Lösungen mit KI-Komponenten hat sich in den letzten 24 Monaten erheblich beschleunigt. Laut dem Global Artificial Intelligence in Education Market Report 2025 wächst der KI-Bildungsmarkt mit einer durchschnittlichen Rate von 38,3 % pro Jahr. Bis 2030 soll das Marktvolumen 47 Milliarden US-Dollar erreichen. Eine aktuelle Umfrage von HolonIQ zeigt zudem: 68 % der weltweit größten Universitätsnetzwerke planen, KI-basierte Lernassistenten bis 2028 fest in den Curricula zu verankern.

Der Business Case ist bestechend: Unternehmen wie Pearson versprechen sich von KI-gesteuerten Produkten nicht nur höhere Nutzerbindung, sondern auch enorme Effizienzgewinne durch automatisierte Betreuung, Bewertung und Curriculumsentwicklung. Der Bildungssektor – traditionell träge – beginnt sich rasch zu wandeln.

Potenzial und Herausforderungen: Was Bildung, Politik und Wirtschaft jetzt tun sollten

Die KI-gesteuerte Transformation des Lernens eröffnet enorme Potenziale, jedoch auch neue Herausforderungen. Die praktische Umsetzbarkeit wird maßgeblich davon abhängen, wie offen Institutionen für technologiegestützte Prozesse sind – und ob politische Akteure den rechtlichen Rahmen rasch anpassen.

  • Bildungseinrichtungen sollten ihre Curricula neu denken: Künftig zählen nicht mehr allein Abschlüsse, sondern nachweisbare Fähigkeiten. Hochschulen und Berufsschulen sind gut beraten, zertifizierbare Microskills in ihre Programme zu integrieren.
  • Unternehmen sollten KI-basierte Bildungsplattformen in interne Weiterbildungsstrategien einbinden: Skill-Gaps lassen sich effizienter schließen, wenn interne Mitarbeiterschulungen adaptiv und KI-gestützt erfolgen. IBM bietet mit dem Open P-TECH-Programm bereits eine solche Plattform für junge Fachkräfte an.
  • Politik und Förderinstitutionen müssen regulatorische Klarheit schaffen: Für die Anerkennung KI-validierter Zertifikate braucht es verbindliche Standards – etwa im europäischen Qualifikationsrahmen oder durch Zertifizierungsverbände.

IBM und Pearson sehen sich hier als Impulsgeber. Bereits in der ersten Pilotphase des Programms an rund 1.200 Schulen in Nordamerika zeigte sich: Lernende, die mit KI-unterstütztem Feedback arbeiteten, erzielten im Schnitt 26 % bessere Ergebnisse in standardisierten Onlinetests (Pearson Education Impact Report, Q3 2025).

Ausblick: KI für den Wandel der Arbeitswelt nutzen

Die langfristigen Effekte der KI-gestützten Lernhilfen könnten epochal sein – besonders für jene Berufsprofile, die heute von Disruption und Automatisierung bedroht sind. Wenn es gelingt, die Hürden beim Zugang zu Bildung zu senken und Lernen stärker am individuellen Bedarf auszurichten, entsteht mehr Chancengleichheit. Gleichzeitig ermöglicht die KI-basierte Validierung eine präzisere Passung zwischen Kandidaten und Stellenbedarf – der Arbeitsmarkt wird effizienter.

Doch wie bei jeder technologischen Neuerung gilt: Der Erfolg hängt von der klugen Integration ab. IBM und Pearson betonen, dass ihre Plattformen Menschen nicht ersetzen, sondern Lernprozesse verbessern sollen. Insofern könnte Bildung 4.0 der Schlüssel sein – für mehr Teilhabe und mehr Talente in einer zunehmend digitalisierten Weltwirtschaft.

Welche Rolle könnten KI-Lernplattformen in Ihrer Organisation spielen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ideen mit der Community in den Kommentaren.

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