Ob smarte Türschlösser, Thermostate oder Überwachungskameras – das Internet der Dinge (IoT) ist längst im Alltag angekommen. Doch mit dem Komfort wächst auch das Risiko: Immer häufiger werden vernetzte Alltagsgeräte zur Zielscheibe von Cyberkriminellen. Die Sicherheitslage spitzt sich zu – und wirft drängende Fragen zur digitalen Resilienz auf.
Gefahr aus dem Heimnetz: Warum IoT-Geräte ins Visier geraten
Die Zahl internetfähiger Geräte explodiert: Laut einer Prognose von Statista werden bis 2030 weltweit rund 29 Milliarden IoT-Geräte aktiv sein – ein beachtlicher Anstieg gegenüber den etwa 15 Milliarden im Jahr 2023. Schon heute integrieren Verbraucher smarte Lautsprecher, vernetzte Haushaltsgeräte oder Wearables fast selbstverständlich in ihren Alltag. Doch gerade diese Allgegenwärtigkeit macht IoT-Geräte zu einem attraktiven Angriffsziel.
Das Fachpapier „Security 2026: Sicherheitsrisiko IoT“, veröffentlicht vom deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), warnt eindringlich: „IoT-Geräte sind häufig schlecht gesichert, selten gepflegt und überdurchschnittlich oft Angriffen ausgesetzt.“ Die Ursachen liegen in einer Kombination aus veralteter Firmware, mangelnder Nutzerkonfiguration und dem wirtschaftlichen Druck vieler Hersteller, Produkte so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis: Millionen von Geräten kommunizieren unverschlüsselt, sind über Standardpasswörter erreichbar oder weisen bekannte Sicherheitslücken auf.
Hinzu kommt, dass sich für Angreifer neue strategische Möglichkeiten eröffnen: IoT-Systeme sind Teil größerer Netze und damit ein Einstiegspunkt in IT-Infrastrukturen – sei es im Smart Home, in Industrieanlagen (Industrial IoT, IIoT) oder kritischen Infrastrukturen wie Energieversorgung und Gesundheitswesen.
Smarte Geräte als Einfallstor: Beispiele und Angriffsformen
Die Angriffsmuster auf IoT-Geräte sind vielfältig – und sie entwickeln sich rasant. Zu den häufigsten zählen:
- Botnets und DDoS-Attacken: Infizierte IoT-Geräte werden zu Teilen großer Botnetze wie „Mirai“ oder „Mozi“, mit denen Angreifer massive Distributed-Denial-of-Service-Angriffe auf Server oder Dienste starten.
- Lateral Movement: Angreifer nutzen eine kompromittierte Kamera oder einen smarten Router als Ausgangspunkt, um sich im Heimnetz weiterzubewegen – etwa hin zu PCs, Laptops oder NAS-Systemen.
- Datenspionage: Smarte Assistenten, Kameras oder Babyphones können zur Ausspähung genutzt werden – ohne dass Betroffene es bemerken.
- Ransomware auf IoT: Erste Prototypen verschlüsselnder Schadsoftware (wie „Ekans“ in Industrieumgebungen) zeigen, dass auch IoT-Systeme gezielt außer Betrieb gesetzt werden können.
Ein besonders spektakulärer Fall ereignete sich 2025: Über 250.000 smarte Sicherheitskameras eines populären Herstellers wurden durch eine Schwachstelle in der Firmware kompromittiert. Ein Botnetz legte mehrere Videoplattformen lahm – und bewies, wie gefährlich ungesicherte Geräte in der Masse sind.
Statistische Fakten: Die Bedrohung in Zahlen
Die Sicherheitslage im IoT-Segment verschärft sich. Zwei aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2025 unterstreichen die Dramatik:
- Laut Verizon Data Breach Investigations Report 2025 waren 32 % aller dokumentierten Sicherheitsvorfälle auf Schwachstellen in IoT-Geräten zurückzuführen – ein Anstieg von über 12 % gegenüber 2023.
- Eine Studie von Kaspersky ergab, dass allein im ersten Halbjahr 2025 über 1,7 Milliarden Brute-Force-Angriffe auf smarte Geräte registriert wurden – ein Plus von 45 % gegenüber dem Vorjahr.
Die Gründe für diesen Anstieg sind vielfältig: Während Konsumenten zunehmend smarte Geräte nutzen, fehlt es vielen Herstellern weiterhin an tiefgehender Sicherheitsintegration. Ein erhebliches Problem stellt auch das sogenannte „Security by Design“-Defizit dar: Noch immer sind bei zahlreichen Produkten Sicherheitsfunktionen eher kosmetischer Natur als integraler Bestandteil der Architektur.
Gängige Schwachstellen und technologische Hintergründe
Technisch betrachtet sind die typischen Schwachstellen in IoT-Geräten jedoch oft ähnlich – und damit systematisch ausnutzbar. Dazu gehören:
- Standardzugänge und Passwörter, die nie geändert wurden
- Geräte ohne automatische Updates oder Patch-Management
- Mangelhafte oder fehlende Verschlüsselung (z. B. bei Kommunikation mit dem Cloud-Dienst)
- Veraltete Betriebssystemkomponenten auf Embedded Devices (z. B. Linux Kernel 2.x oder wenig gepflegte ARM-Distributionen)
- Sicherheitslücken in proprietärer Firmware, die oft nie öffentlich dokumentiert werden
Die Herausforderung verstärkt sich angesichts der Tatsache, dass viele Nutzer technische Details nicht durchschauen – oder schlicht überfordert sind mit Konfiguration und Absicherung. In Kombination mit der Langlebigkeit vieler IoT-Produkte (etwa vernetzte Küchengeräte, die 10+ Jahre genutzt werden) entsteht ein digitaler „Langzeitrisikofaktor“ in privaten Haushalten.
Hersteller in der Pflicht: Regulierung und Marktbewegungen
Angesichts der Risiken rücken auch die Hersteller zunehmend ins Visier von Politik und Aufsichtsbehörden. 2024 verabschiedete die EU mit dem Cyber Resilience Act (CRA) eine verbindliche Regulierung für vernetzte Produkte. Demnach müssen IoT-Hersteller ab Mitte 2025 ihre Geräte auf grundlegende IT-Sicherheitsfunktionen prüfen lassen – vergleichbar mit einer CE-Kennzeichnung für Sicherheit.
Auch in den USA gibt es Fortschritte: Die U.S. Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) veröffentlichte neue Frameworks für sichere IoT-Entwicklung. Unternehmen wie Google und Apple setzen zunehmend auf Secure Enclaves und gerätebasierte Identitätsapparate, um IoT-Geräte besser abzusichern. Gleichzeitig entstehen neue Sicherheits-Stack-Anbieter, etwa für sichere Edge-Gateways und transparente Firmware-Validierung.
Was Nutzer jetzt tun können: Drei effektive Schutzstrategien
Auch wenn viele Risiken strukturell sind – Verbraucher sind nicht schutzlos. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich die Angriffsfläche deutlich verringern. Die wichtigsten Empfehlungen:
- Geräte kennen und segmentieren: IoT-Geräte sollten nie im gleichen Netz betrieben werden wie Rechner oder Smartphones. Erstellen Sie separate VLANs oder nutzen Sie Gäste-WLANs nur für IoT-Komponenten.
- Zugänge sichern und regelmäßig ändern: Ersetzen Sie Standardpasswörter konsequent durch starke, einzigartige Zugangsdaten. Nutzen Sie, wo verfügbar, Zwei-Faktor-Authentifizierung.
- Firmware und Updates aktiv verwalten: Kontrollieren Sie regelmäßig die Herstellerseiten auf aktuelle Firmware-Versionen. Aktivieren Sie automatische Updates, sofern verfügbar.
Zusätzlich lohnt es sich, auf unabhängige Sicherheitsbewertungen zu achten – Plattformen wie Bitdefender, AV-Test.org oder Stiftung Warentest bieten regelmäßig Einschätzungen zur Sicherheit smarter Produkte.
Fazit: Resilienter Alltag im Zeitalter smarter Geräte
IoT-Geräte gehören längst zum digitalen Alltag – doch mit Bequemlichkeit kommt auch Verantwortung. Die Sicherheit vernetzter Systeme wird 2026 zu einem der zentralen Themen der IT-Sicherheitsbranche. Verbraucher, Hersteller und Politik müssen an einem Strang ziehen, um das riesige Innovationspotenzial des IoT nicht durch massive Vertrauensverluste zu gefährden.
Informieren Sie sich regelmäßig, achten Sie auf Sicherheit schon beim Kauf – und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit der Community. Nur durch Vernetzung im besten Sinne des Wortes lässt sich die nächste Generation des Internets dauerhaft schützen.




