Mit einem mutigen Schritt in Richtung Retro-Zukunft hat HP einen vollwertigen Mini-PC vorgestellt, der vollständig im Gehäuse einer Tastatur untergebracht ist. Die kompakte Innovation erinnert nicht nur nostalgisch an Klassiker wie den Commodore 64, sondern bringt auch moderne Rechenleistung auf minimalem Raum unter – mit dem klaren Ziel, neue Maßstäbe im Segment mobiler Arbeitsplätze zu setzen.
Ein Klassiker neu interpretiert: Der Formfaktor als Botschaft
Der C64 von Commodore war in den 1980er-Jahren nicht nur ein technisches Highlight, sondern auch ein Symbol des Heimcomputerzeitalters. HP greift mit seinem neuen All-in-One-Tastatur-PC genau diese Idee auf – und transferiert sie ins Cloud-native, hybride Arbeitsumfeld der Gegenwart. Der neue Mini-PC, offiziell als HP OmniKey Compact angekündigt, liefert alle essenziellen Komponenten direkt im Tastaturgehäuse: CPU, RAM, SSD, Wi-Fi-Modul und Anschlüsse auf der Rückseite.
Genau wie der Raspberry Pi 400, der 2020 einen ähnlichen Ansatz verfolgte, schlägt HP hier eine Brücke zwischen professionellem Anspruch, platzsparendem Design und Plug-and-Work-Mentalität. Doch während der Pi sich primär an Bastler und Bildungsbereiche richtete, zielt HP deutlich auf das B2B- und Home-Office-Segment.
Technische Daten: Ein vollständiger Arbeitsplatz im Minimalformat
Der HP OmniKey Compact wird in mehreren Varianten erhältlich sein. Die Basisversion kommt mit einem Intel Core i5-1340P Prozessor mit 12 Kernen (4 Performance-, 8 Efficient-Cores), 16 GB LPDDR5-RAM und einer bis zu 1 TB SSD im M.2-Format. Alternativ wird es AMD Ryzen 7 7840U-basierte Modelle geben, die sich besonders an Entwickler und kreative Profis mit höherem GPU-Bedarf richten.
Das Gehäuse misst lediglich 28 x 11 cm, bei einem Gewicht von knapp 780 Gramm und integriertem Lüftersystem mit adaptivem Temperaturmanagement.
Zu den wichtigsten Schnittstellen gehören:
- 2x USB-C mit Thunderbolt 4
- 2x USB-A (3.2 Gen 1)
- 1x HDMI 2.1
- 1x Gigabit-Ethernet
- microSD-Kartenleser
- 3,5 mm Klinke (Audio)
WLAN 6E und Bluetooth 5.3 sind ebenso standardmäßig integriert wie ein TPM-2.0-Modul und Hardware-Unterstützung für Microsoft Pluton, was den Mini-PC auch für den Enterprise-Einsatz absichert.
Warum jetzt? Technologischer Fortschritt trifft auf neue Nutzungsmodelle
Der Launch kommt nicht zufällig. Laut einer aktuellen Studie von Statista aus dem Jahr 2025 bevorzugen bereits über 43 % der weltweit mobil arbeitenden Beschäftigten Hardwarelösungen, die besonders kompakt, stromsparend und portabel sind – Tendenz steigend. Gleichzeitig ist der globale Markt für Mini-PCs laut Grand View Research zwischen 2023 und 2025 jährlich durchschnittlich um 12,4 % gewachsen.
HP greift damit zwei zentrale Markttrends auf: Zum einen die Nachfrage nach Device-Konsolidierung im Arbeitsumfeld (Keyboard, Rechner und notwendige Ports in einem Gehäuse), zum anderen den Wunsch nach minimalistischem Desk Setup bei gleichzeitig professioneller Performance.
Zielgruppen und Märkte: Für wen ist der OmniKey Compact gedacht?
HP selbst positioniert seinen Tastatur-PC in mehreren Sektoren. Im Fokus stehen:
- Remote-Arbeiter:innen: Ideal für wechselnde Arbeitsorte, temporäre Büros oder geteilte Arbeitsplätze
- Bildungseinrichtungen: Schüler:innen und Studierende profitieren von geringem Platzbedarf und einfacher Einrichtung
- IT-Abteilungen: Schnelle Rollouts durch vorinstallierte Managementlösungen über HP Wolf Security
- Branchenterminals: Point-of-Sale oder interaktive Arbeitsstationen im Einzelhandel
Vor allem auf Messen, Hotdesk-Umgebungen und digitalen Klassenzimmern könnte der OmniKey seinen größten Auftritt feiern – in Kombination mit einem Monitor lässt sich ein vollständiger Arbeitsplatz binnen Sekunden einrichten.
Grenzen dieses Ansatzes: Mobil, aber nicht mobil genug?
So elegant die Idee auch ist – der OmniKey Compact ist kein Ersatz für ein Notebook. Zwar bietet er Desktop-Leistung in einem Edge-fähigen Format, doch auf Akku, Display und Touch-Eingaben muss verzichtet werden. Auch ist der passive Kühlkörper in der AMD-Variante thermisch limitiert, bei hoher Auslastung kann es zu Throttling kommen.
Ein weiterer Punkt: Das Upgrade-Potenzial ist minimal. Zwar ist das M.2-SSD-Modul austauschbar, RAM und CPU sind jedoch fest verlötet. Damit eignet sich das System vor allem für Anwender mit einem klaren, langfristig stabilen Workflow.
Vergleich mit bestehenden Lösungen am Markt
Bereits bestehende Modelle wie der Raspberry Pi 400, der Zotac ZBOX PICO oder auch der Apple Mac Mini adressieren ähnliche Punkte, jedoch mit jeweils anderen Prioritäten. HP bringt mit dem OmniKey Compact eine seltene Kombination aus professioneller Leistung, Produktionsqualität und tatsächlichem Workplace-Fokus, die bisher nur in Nischen vertreten war.
Ein klarer Vorteil gegenüber Thin Clients: Der HP-PC läuft völlig autark, benötigt keine zentrale Infrastruktur und erlaubt Windows 11 Pro, Linux oder ChromeOS Flex als Betriebssystem.
So können Unternehmen von dieser Innovation profitieren
Vor allem für Unternehmen, Bildungseinrichtungen und IT-Administrationen bieten sich durch den OmniKey Compact neue Ansätze für Arbeitsplatz- und IT-Management. Durch seine Einfachheit könnte er Rollout-Prozesse beschleunigen, Sicherheitsstandards verbessern und langfristig Betriebskosten senken.
- Standardisieren Sie Mobile Workstations: Mit einem festen, einfach bereitzustellenden Hardware-Set können IT-Abteilungen Remote-Arbeitsplätze planbarer skalieren.
- Nutzen Sie den OmniKey für digitale Bildungslabore: Der schnelle Set-up und die geringe Wartung machen ihn zum idealen Gerät für Schulen und Lehrumgebungen mit vielen Wechslern.
- Reduzieren Sie IT-Kosten durch Kompakt-Hardware: Weniger Peripherie bedeutet geringere Anschaffungskosten und erleichtert den Austausch bei Defekten.
Ein Blick in die Zukunft: Ist das der Beginn einer neuen Geräteklasse?
Die Idee, vollwertige PCs in generische oder funktionale Gehäuse zu integrieren – ob Tastatur, Monitor oder Dongle – ist nicht neu. Doch der Erfolg des HP OmniKey Compact könnte dazu führen, dass der Markt für modulare, portable Arbeitsplatzlösungen erheblich wächst. Bereits jetzt arbeiten mehrere OEMs an ähnlichen Konzepten, darunter Asus, Lenovo und Framework.
Was dabei den Unterschied macht? Dass etablierte Hersteller nicht nur auf technologische Machbarkeit setzen, sondern konkrete Probleme lösen wollen – etwa Fragmentierung von Arbeitsumgebungen oder die Absicherung hybrider IT-Landschaften.
Innovation findet selten in großen Gesten statt. Manchmal genügt eine Tastatur, die mehr kann als tippen – sie könnte der erste Baustein einer neuen Generation mobiler Workstations sein. Welche Anforderungen hätte euer idealer Mini-PC? Diskutiert mit uns in den Kommentaren oder auf unseren Social-Channels unter #OmniKeyPC.



