Welche Rolle spielt TYPO3 im modernen Technologie-Stack – und wohin entwickelt sich sein Frontend-Ökosystem? Auf dem TYPO3 Community Day 2025 in Düsseldorf diskutierten Entwickler, Integratoren und Core-Teams intensiv über genau diese Fragen. Der Tenor: Eine neue Ära der TYPO3-Frontend-Entwicklung steht bevor – progressiv, API-first und praxisnäher denn je.
TYPO3 Community Day 2025: Ein Stimmungsbild
Vom 11. bis 13. Juni 2025 versammelten sich über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Congress Center Düsseldorf zum jährlichen TYPO3 Community Day – der größten Veranstaltung rund um das gleichnamige Open-Source-CMS. Unter dem Motto „Building Futures, Bridging Generations“ lag der Fokus diesmal besonders auf dem Generationenwechsel in der Entwicklung: Wie können neue Technologien sinnvoll integriert werden, ohne die Stärken des über Jahrzehnte gereiften Systems zu verlieren?
In zahlreichen Sessions und Panel-Diskussionen kristallisierten sich mehrere zentrale Themen heraus, die auch die Zukunft der Frontend-Entwicklung mit TYPO3 maßgeblich prägen werden: Headless-Ansätze, Integration moderner JavaScript-Frameworks wie Vue.js und React, die Entkopplung von Backend und Frontend sowie ein verstärkter Fokus auf User Experience und Performance.
Headless & API-first: TYPO3 rüstet sich für neue Architekturen
Ein zentrales Thema der Konferenz war der Ausbau von TYPO3 als Headless-CMS. Während TYPO3 traditionell als klassisches monolithisches System mit integriertem Frontend fungierte, setzt der Core seit Version 12 stärker auf Schnittstellen (APIs) und strukturiertes Content Modelling. Damit positioniert sich TYPO3 nun offensiver als Backend-System für Single-Page-Apps (SPA), Progressive Web Apps (PWA) und externe Rendering Engines wie Next.js oder Nuxt.
Das Kernmodul content-rest wurde im Rahmen des TYPO3 Community Days als offizielles Core-Plugin angekündigt – mit konkretem Ziel: standardisierte REST- und GraphQL-Schnittstellen out-of-the-box bereitzustellen. Dies soll den Zugang für Frontend-Entwicklerinnen und -Entwickler stark erleichtern, die TYPO3 bislang wegen seiner Komplexität gemieden hatten. Auch ein erweitertes Schema.org-Support sowie strukturierte Content-Repräsentationen wurden präsentiert.
Vue, React & Co.: Frameworks im TYPO3-Kontext
Parallel zur API-Strategie wurde in Düsseldorf viel über die Integration moderner JavaScript-Frameworks gesprochen. Die Session „React & TYPO3: Beyond Boilerplates“ zeigte, wie sich dynamische Komponenten problemlos aus TYPO3 heraus strukturieren und mit React rendern lassen – inklusive Live-Demos mit Next.js als Rendering-Layer auf Basis einer TYPO3-Headless-Instanz. Auch Vue.js stand im Fokus: Hier wurde das Projekt TYPO3 Vue Boilerplate vorgestellt, das einen sofort einsetzbaren Entwicklungsstack zwischen TYPO3 und Vue bietet.
Eine wachsende Zahl von Agenturen – darunter die Hamburger Digitalschmiede Sitegeist und die Schweizer Agentur Snowflake – setzt zunehmend auf sogenannte hybrid-headless Modelle: TYPO3 bleibt CMS und Strukturgeber im Backend, während im Frontend React oder Vue für UI-Design und Rendering zuständig sind. Damit geht TYPO3 den Weg zur Frontend-Entkopplung konsequent weiter.
UX, Designsysteme und Barrierefreiheit
Frontend ist mehr als nur Code – das wurde auf dem Community Day mehrfach betont. Mehrere Sessions widmeten sich dem Thema Barrierefreiheit und konsistenter User Experience. Besonders hervorzuheben ist die Vorstellung des neuen TYPO3 Design System Kits, das auf Web Components basiert und TYPO3-spezifische Frontend-Bestandteile standardisiert. Das Ziel: eine gemeinsame visuelle Sprache, die für Frontend-Teams wiederverwendbar, zugänglich und wartbar ist.
Nach Angaben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr waren im Jahr 2024 nur ca. 43 % aller öffentlichen Websites in Deutschland vollständig barrierefrei (Quelle: BMDV Accessibility Studie 2024). TYPO3 positioniert sich nun mit einem klaren Ziel: Barrierefreiheit soll Kernbestandteil aller offiziellen Extensions und Templates werden – verpflichtend ab Version 13 LTS, die für Oktober 2026 angekündigt ist.
Trends & Statistiken: TYPO3 in Zahlen
Auch wenn TYPO3 in globalen Benchmarks wie W3Techs (Marktanteil Mitte 2025: ca. 1,4 % aller CMS-basierten Websites) nicht mit WordPress oder Shopify konkurriert, bleibt es im DACH-Raum weiterhin stark – insbesondere im Enterprise- und Behördenumfeld. Laut dem CMS Usage Report 2025 von finch.research nutzen über 38 % der deutschen Mittelstandsunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden TYPO3 als primäres CMS. Im öffentlichen Sektor sind es sogar 52 %.
Besonders auffällig: der stetige Anstieg an Headless-Integrationen. Laut einer Umfrage von T3Terminal aus Q2/2025 gaben 34 % der befragten TYPO3-Agenturen an, Headless-Projekte aktiv umzusetzen – ein Anstieg von 12 Prozentpunkten im Vergleich zu 2023.
Roadmap: TYPO3 13 und darüber hinaus
Der Blick in die Zukunft erfolgte in Düsseldorf nicht nur visionär, sondern auch konkret. Core-Entwickler Benni Mack stellte die Roadmap für TYPO3 13 vor, das im Oktober 2026 in einer LTS-Version erscheinen soll. Geplante Highlights:
- Vollständige Unterstützung für Web Components im Core
- Integrierte GraphQL-API mit Filter-, Auth- und Pagination-Funktionen
- Standardisierte Vue.js-Komponenten für das Backend (TYPO3 Admin Interface)
- Verbessertes Templating via Fluid 4 mit JSX-ähnlicher Syntax
Langfristig, so der Konsens, soll TYPO3 zu einer API-zentrierten Content-Plattform werden, die individuell ausgestaltet werden kann – sei es klassisch, headless oder hybrid.
Strategien für Agenturen und Entwickler – 3 Handlungsempfehlungen
- Jetzt in Headless einsteigen: Agenturen sollten Projektansätze prüfen, bei denen eine Entkopplung von Frontend und Backend sinnvoll ist – insbesondere bei mobile-first Strategien oder komplexen UIs. TYPO3 bietet mit seiner REST-API und dem content-rest-Modul nun native Unterstützung.
- Designsysteme standardisieren: Wer mehrere Projekte mit TYPO3 betreut, sollte ein zentrales Designsystem aufbauen – idealerweise basierend auf Web Components. Shared Libraries sparen langfristig Zeit und erhöhen UX-Konsistenz und Barrierefreiheit.
- Vue oder React evaluieren: TYPO3 erlaubt zunehmend flexible Frontend-Stacks. Die Entscheidung für React oder Vue sollte je nach Teamkompetenz und Zielplattform getroffen werden – beide Technologien haben mittlerweile starke Tooling-Ökosysteme im TYPO3-Umfeld.
Fazit: Das Frontend wird zur Spielwiese
Der TYPO3 Community Day 2025 hat vor allem eines gezeigt: Das einst backend-zentrierte System öffnet sich zunehmend für moderne, flexible und zukunftstaugliche Frontend-Architekturen. Wer heute TYPO3-Projekte plant, sollte Frontend als strategisches Element verstehen und in die Technologieauswahl konsequent einbinden. Der Community gelingt derzeit, was vielen CMS-Projekten schwerfällt: den Spagat zwischen Legacy-Kompatibilität und Innovation.
Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, sich einzubringen: Ob als Entwickler:in, Konzepter:in oder Integrator:in – die neue Frontend-Roadmap von TYPO3 wird maßgeblich von der Community mitgestaltet. Mitschreiben, mitdiskutieren, mitentwickeln – die Zukunft von TYPO3 entsteht im offenen Diskurs.




