Webentwicklung

n8n-Sicherheitslücke: Wie Entwickler ihre Installationen schützen können

In einem hell erleuchteten, modernen Büro sitzt ein konzentrierter Entwickler vor zwei großen Bildschirmen mit offenem Code und Diagrammen, während warmes Tageslicht sanft durch große Fenster fällt und eine Atmosphäre von Achtsamkeit und verantwortungsvoller IT-Sicherheit vermittelt.

n8n, das Open-Source-Automatisierungstool für Low-Code-Workflows, hat in den vergangenen Monaten rasant an Popularität gewonnen. Doch mit der Verbreitung kamen auch neue Sicherheitsherausforderungen ans Licht. Eine kürzlich identifizierte Sicherheitslücke hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig verantwortungsvoller Betrieb und korrekte Konfiguration sind – besonders bei selbstgehosteten Lösungen.

Gefährliche Lücke in selbstgehosteten n8n-Instanzen

Im Oktober 2025 entdeckte ein unabhängiger Sicherheitsforscher unter dem Pseudonym ‚TomNomNom‘ eine Schwachstelle in n8n, die es externen Angreifern ermöglichte, beliebigen JavaScript-Code über Webhook-Workflows in unsachgemäß abgesicherten Umgebungen auszuführen. Die Lücke betraf insbesondere selbst gehostete Instanzen, bei denen das Frontend oder API öffentlich zugänglich gemacht wurde, ohne Restriktionen wie Authentifizierung oder Netzwerksegmentierung.

Die Ursache lag in der Kombination von dynamischer Codeausführung mit sogenannten „Execute Node Function“-Blöcken und unzureichend abgesicherten Webhook-Endpunkten. Über manipulierte HTTP-Requests konnten Angreifer nicht nur Daten exfiltrieren, sondern auch persistente Malware über Workflows einschleusen oder Systemressourcen kompromittieren.

Risiken für Organisationen und individuelle Nutzer

Laut einer Einschätzung des IT-Sicherheitsunternehmens Bishop Fox lag das Hauptproblem nicht in einem Exploit im klassischen Sinne, sondern in der Kombination aus Default-Konfigurationen und versäumten Sicherheitsvorkehrungen auf Administratorenseite. „Viele Nutzer sind sich nicht bewusst, dass n8n standardmäßig ohne Authentifizierung laufen kann, wenn man die Umgebung nicht absichert. In der Cloud exposed bedeutet das: offene Tür für Angreifer“, erklärt Sicherheitsexperte Jason Haddix.

Besonders betroffen waren Installationen auf Kubernetes oder via Docker, die mit offenen Ports in der Cloud gehostet und nicht hinter einem Proxy wie nginx abgesichert wurden. In öffentlichen Scans, wie jene von Censys, wurden innerhalb von 24 Stunden über 1.200 potenziell gefährdete n8n-Instanzen gefunden (Stand: Oktober 2025, Quelle: https://censys.io/blog/n8n-vulnerability-exposures). Diese Zahl verdeutlicht die potenzielle Angriffsfläche für Akteure mit automatisierten Exploit-Skripten.

Wie funktioniert die Lücke technisch?

Technisch basiert der Angriff auf einer Kombination aus fehlenden Zugriffskontrollen auf bestimmte Workflow-Typen – insbesondere Trigger-basierte Webhooks – sowie der Möglichkeit zur dynamischen Ausführung von Code in Nodes wie Function oder Code. Angreifer können über einen schlecht abgesicherten HTTP-Post-Request JavaScript-Code einschleusen, der dann auf dem Server zur Laufzeit evaluiert wird. Im schlimmsten Fall erlaubt dies einen Full Remote Code Execution (RCE) Angriff mit Root-Rechten, abhängig von der Container-Konfiguration.

Die Entwickler von n8n reagierten schnell: Mitte Oktober erschien mit Version 1.24.0 ein Sicherheitsupdate, das zusätzliche Warnmeldungen, verbesserte Umgebungsvariablen und Konfigurationshints für Webhook-Endpunkte einführte. Dennoch bleibt eines klar: Die Verantwortung für sichere Deployments liegt letztlich beim Betreiber.

n8n und Open Source: Chancen und Herausforderungen

n8n gilt als Paradebeispiel für moderne Open-Source-Automatisierungsplattformen. Die Software ermöglicht visuelle Workflows ähnlich wie Zapier, ist aber lokal hostbar und damit datenschutzfreundlich – ein Pluspunkt für europäische Organisationen. Doch mit großer Flexibilität kommt auch größere Verantwortung.

Im Gegensatz zu kommerziellen SaaS-Angeboten wie Make oder Zapier fehlt n8n ein durchgängiges Security-Audit oder eine standardisierte Härtung für Default-Installationen. Während das Projekt auf GitHub aktiv gepflegt wird, erfolgen viele sicherheitsrelevante Patches reaktiv auf Community-Funde. Sicherheitsforscher warnen deshalb: Wer n8n produktiv einsetzt, sollte sich nicht auf die Default-Settings verlassen.

Absicherung von n8n: Best Practices für DevOps-Teams

Die gute Nachricht: Die meisten Angriffsvektoren lassen sich mit überschaubarem Aufwand entschärfen. Der Schlüssel liegt – wie so oft – in richtiger Konfiguration, Trennung von Dev- und Produktivumgebungen und minimalen Berechtigungen. Folgende Handlungsempfehlungen helfen beim Absichern selbstgehosteter Deployments:

  • Authentifizierung aktivieren: Stellen Sie sicher, dass das n8n-Frontend (Editor UI) und API nur mit aktivierter Benutzeranmeldung zugänglich ist. Dies geschieht über Umgebungsvariablen wie N8N_BASIC_AUTH_USER und N8N_BASIC_AUTH_PASSWORD.
  • Reverse Proxy mit HTTPS verwenden: Nutzen Sie nginx oder traefik als Reverse Proxy mit SSL-Zertifikaten. Leiten Sie nur die benötigten Ports weiter (typisch Port 443) und setzen Sie IP-Whitelist-Regeln, z.B. für interne Admin-Zugriffe.
  • Webhook-Zugänge beschränken: Verwenden Sie optionale Authentifizierungsmethoden für Webhooks, etwa HMAC-Signaturen oder Token-Prüfungen. Alternativ können Webhooks via Middleware auf Validität geprüft werden, bevor n8n sie verarbeitet.

Weitere Schutzmaßnahmen umfassen das Drehen von Tokens bei Userwechsel, das Einschränken von Netzwerkzugriffen über Firewalls und die regelmäßige Prüfung der Workflow-Exports auf unbekannte Function-Nodes.

Security-Quellen in CI/CD-Prozesse einbinden

Ein oft unterschätzter Aspekt im Umgang mit Open-Source-Tools ist das Monitoring und Patch-Management. Laut dem State of Open Source Security 2025 Report von Snyk und The Linux Foundation haben 79% der Unternehmen im Vorjahr Sicherheitsprobleme in OSS-Komponenten erlebt – häufig durch mangelnde Update-Strategien.

n8n kann, eingebettet in CI/CD-Pipelines, regelmäßig gegen Sicherheitsreleases geprüft und automatisiert aktualisiert werden. Tools wie Dependabot oder Renovate helfen bei der Dependency-Verwaltung, während Sicherheits-Scanner wie Snyk, Trivy oder OSV-Scanner bekannte CVEs identifizieren.

Ein Beispiel aus der Praxis liefert das Softwarehaus Meilisearch, das seine internen Automatisierungen via n8n organisiert: „Wir behandeln n8n wie ein Produktivsystem und patchen es wie unsere Kernanwendungen – inklusive Monitoring, Secrets-Management und Canary-Releases“, schildert CTO Clément Delafargue im Interview auf Dev.to.

Open Source braucht Security Awareness

Die n8n-Sicherheitslücke ist kein Einzelfall, sondern verdeutlicht ein strukturelles Problem: Open-Source-Infrastrukturen sind oft mächtig, flexibel – aber auch fehleranfällig, wenn Administration und Security nicht zusammenspielen. Besonders in agilen Dev-Teams, in denen Tools rasch integriert werden, ohne dediziertes Security-Audit, besteht Nachholbedarf.

Laut GitHub Octoverse 2025 nutzen bereits über 94 Millionen Entwickler Open-Source-Projekte regelmäßig. Doch nur 36% der analysierten Repositories verwenden eine Lizenz mit konkreten Sicherheitsvorgaben, wie die Studie zeigt. Das unterstreicht die Notwendigkeit, Sicherheitsaspekte auch in der Projektkultur und Dokumentation zu verankern.

Fazit: Sicherheit ist keine Option, sondern Pflicht

n8n bleibt trotz der Sicherheitslücke ein leistungsfähiges Werkzeug für automatisierte Datenflüsse und Integrationen. Die Open-Source-Community hat rasch reagiert – doch Betreiber dürfen sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wer die Kontrolle über seine Software behalten will, muss auch Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen.

Die zentrale Lehre aus dem Vorfall: Sicherheitsarchitektur sollte kein nachträgliches Add-on sein, sondern integraler Bestandteil jeder Toolentscheidung. Nur so lässt sich der Balanceakt zwischen Agilität und Absicherung nachhaltig gestalten.

Wie gehen Sie mit sicherheitskritischen Open-Source-Komponenten um? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren, teilen Sie Ihre Best Practices – oder stellen Sie Ihre Fragen an unsere Experten!

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