IT-Sicherheit & Datenschutz

Zimbra-Server unter Beschuss: Was Admins jetzt tun müssen

Ein heller, freundlicher IT-Arbeitsplatz in einem modernen Büro mit einem fokussierten Administrator vor mehreren Bildschirmen, auf denen Sicherheitssoftware läuft, umgeben von natürlichem Tageslicht und warmen Holzakzenten, der entschlossen und zuversichtlich das kritische Thema Server-Sicherheit anpackt.

In ganz Europa, besonders aber in Deutschland, sorgt aktuell eine massive Welle ungepatchter Zimbra-Mailserver für Alarm in der IT-Sicherheitsbranche. Das CERT-Bund warnt bereits seit Monaten vor aktiven Angriffen auf kritische Schwachstellen – und viele Administratoren bleiben dennoch untätig. Höchste Zeit, zu analysieren, wie gefährlich die Situation wirklich ist und was Admins jetzt konkret unternehmen müssen.

Alarmstufe Rot: Tausende Zimbra-Server weiterhin verwundbar

Zimbra ist vor allem in Behörden, mittelständischen Unternehmen sowie Bildungseinrichtungen weit verbreitet – kein Wunder, schließlich punktet die Open-Source-Groupware durch Flexibilität und Unabhängigkeit. Doch dieser Vorteil wird aktuell zum sicherheitstechnischen Bumerang: Laut einer Analyse des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) aus dem vierten Quartal 2025 sind allein in Deutschland über 4.300 Zimbra-Server öffentlich erreichbar – und mehr als 2.100 davon mit bekannten, längst gepatchten Schwachstellen verwundbar.

Besonders betroffen ist die Schwachstelle CVE-2022-27925, die Remote-Code-Ausführung erlaubt – und damit vollständige Kontrolle über das E-Mail-System eines Unternehmens. Obwohl Patches seit Mitte 2022 verfügbar sind, gibt es laut dem Cyber Threat Report von Shadowserver aus Dezember 2025 mehr als 20.000 weltweit noch verwundbare Instanzen. Deutschland gehört dabei zu den fünf am stärksten betroffenen Ländern.

Warum die Schwachstellen nicht geschlossen werden

Die Ursachen sind vielfältig. Zimbra selbst bietet keine Automatik für Patches: Updates müssen manuell eingespielt werden – in besonders kritischen Konfigurationen kann das Downtime oder inkompatible Add-ons bedeuten. Viele Administratoren scheuen diese Risiken. Zudem erhalten einige Installationen Sicherheitsupdates nur über das kostenpflichtige „Network Edition“-Abo, was dazu führt, dass Systeme mit der „Open Source Edition“ verzögert oder gar nicht aktualisiert werden.

Ein weiterer Faktor: Fehlende Transparenz. Viele Installationen sind „once installed, never updated“ – sie laufen seit Jahren ohne Wartung. Zudem ist nicht immer klar dokumentiert, wer überhaupt die Verantwortung für den Betrieb trägt. Gerade bei extern beauftragten IT-Dienstleistern kommt es dabei zu organisatorischen Brüchen und Verantwortlichkeitslücken.

Angriffsfläche für Cyberkriminelle – schon jetzt in aktiver Ausnutzung

Im August 2025 meldete das CERT-Bund über die Plattform govcert.de, dass über mehrere Wochen gezielte Angriffe auf ungepatchte Zimbra-Instanzen liefen – darunter auch Systeme in der öffentlichen Verwaltung. In einem der aufgedeckten Kampagnen wurden über kompromittierte Server Proxy-Verbindungen in interne Netzwerke aufgebaut, um sich lateral auszubreiten und weitere Systeme zu kompromittieren.

Die gemeinnützige Organisation The Shadowserver Foundation bestätigte in ihrem Lagebericht vom 4. Dezember 2025, dass täglich noch mindestens 200 neue versuchte Exploits auf öffentlich frei zugängliche Zimbra-Instanzen registriert werden. Besonders brisant: Einige dieser Angriffe gehen von bekannten Infrastruktur-Clustern der Ransomware-Gruppierung „LockBit“ aus.

Laut Sophos beträgt die mittlere Zeit zwischen erfolgreicher Kompromittierung und Erpressungsversuch aktuell weniger als 72 Stunden. Admins sollten sich daher nicht auf ein vermeintliches Zeitpolster verlassen.

Zwischen Bedrohung und Verantwortung: Wer muss handeln?

Die Verantwortung liegt klar bei den Betreibern der Systeme. Das Problem: Da Zimbra häufig als Appliance-Lösung über VMware-Templates, Hosting-Provider oder in hybriden Cloud-Installationen betrieben wird, sind oft mehrere Parteien beteiligt. Eine unzureichende Dokumentation der Zuständigkeiten verzögert Sicherheitsmaßnahmen erheblich.

Das BSI appelliert an Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS), sofort sicherzustellen, dass installierte Zimbra-Instanzen auf dem aktuellen Stand sind – und bei fehlenden Ressourcen externe Spezialisten hinzuzuziehen. Bei Verstößen gegen die Meldepflicht im Rahmen von §8a BSIG drohen nicht nur empfindliche Strafen, sondern auch erhebliche Reputationsschäden.

Aktuelle Sicherheitslücken im Überblick

Folgende CVE-gelistete Sicherheitslücken gelten derzeit als besonders kritisch – alle sind öffentlich dokumentiert und werden aktiv ausgenutzt:

  • CVE-2022-27925: Unauthentifizierte Remote-Code-Ausführung
  • CVE-2022-37042: Authentifizierte Remote-Code-Ausführung über XML Injection
  • CVE-2023-41106: Privilege Escalation in Admin-Konsole
  • CVE-2024-29193: Cross-Site-Scripting in Web-UI (Client-seitige Ausführung)

Alle diese Schwachstellen wurden von Zimbra gepatcht – jeweils mit zeitnah veröffentlichten Hotfixes. Dennoch zeigt der aktuelle Bedrohungsstand: Die Lücke ist nicht technischer, sondern organisatorischer Natur.

Empfohlene Sofortmaßnahmen für Administratoren

Unternehmen, Behörden und Betreiber von Groupware-Systemen sollten jetzt dringend handeln. Folgende Maßnahmen helfen, das eigene Zimbra-System zu schützen:

  • Patches prüfen und einspielen: Alle installierten Zimbra-Versionen sollten auf dem aktuellen Stand sein. Sicherheitspatches sind direkt über die official release notes von Zimbra abrufbar. Versionen vor 8.8.15 gelten als veraltet.
  • Öffentliche Angriffsflächen minimieren: Die Zimbra-Web-Oberfläche sollte nicht direkt über das Internet erreichbar sein – nutzen Sie VPN-Gateways oder Reverse-Proxys mit Authentifizierung.
  • Logging & Monitoring aktivieren: Zimbra erlaubt detailliertes Logging über SMTP, IMAP, Auth und Web-Zugriffe. Diese sollten in ein zentrales SIEM-System integriert werden. Konfigurieren Sie Alarmregeln für ungewöhnliche Logins oder gescheiterte Authentifizierungen.

Optional sollten Admins zusätzliche Schutzmechanismen wie AppArmor, Fail2Ban und Zwei-Faktor-Authentifizierung implementieren.

Langfristige Resilienz braucht klare Zuständigkeiten und bessere Update-Prozesse

Der aktuelle Fall Zimbra zeigt: Systeme allein „sicher zu installieren“ reicht nicht. IT-Infrastrukturen benötigen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg eine Sicherheitsstrategie. Dazu gehören klare Update-Verantwortlichkeiten, interne Kontrollen und kontinuierliche Bewertung möglicher Angriffsvektoren.

Als strukturelle Maßnahme empfiehlt sich der Aufbau eines internen Patch-Management-Prozesses – samt Dokumentation der Systemzustände, Vorabaudits auf Kompatibilität sowie Sandbox-Tests. Nur so lässt sich die nächste Angriffswelle frühzeitig eindämmen.

Eine aktuelle Studie des Ponemon Institute (2025) zeigt: Unternehmen, die Sicherheitsupdates innerhalb von 48 Stunden nach Veröffentlichung einspielen, reduzieren das Risiko erfolgreicher Ransomware-Angriffe um 71 %. Das sollte auch Betreibern kleinerer Installationen zu denken geben.

Zimbra auf dem Prüfstand: Ist Wechsel eine Option?

Zimbra hat fraglos seine Verdienste – doch die jüngste Sicherheitskrise sollte Anlass zur technischen Neubewertung sein. Vor allem kleinere Organisationen ohne dediziertes IT-Security-Team sollten prüfen, ob Alternativen wie Microsoft 365, Kopano Groupware oder Tine 2.0 eine sicherere, zentral gepflegte Option darstellen.

Besonders im Kontext gestiegener Compliance-Anforderungen (DSGVO, KRITIS-Verordnung, NIS2-Richtlinie) reicht es nicht mehr, nur reaktiv zu verwalten. Managed Services können hier Abhilfe schaffen, müssen jedoch ebenfalls kontinuierlich geprüft werden.

Fazit: Nicht warten – handeln!

Die Vielzahl ungepatchter Zimbra-Server ist ein Paradebeispiel für strukturelle Cybersecurity-Schwächen. Trotz aller technischen Mittel scheitert digitale Sicherheit oft an Prozessen, Prioritäten und Zuständigkeiten.

Admins, CISO-Teams und IT-Verantwortliche sind jetzt gefordert. Wer weiterhin verwundbare Zimbra-Server betreibt, riskiert nicht nur Datenverlust und Betriebsunterbrechungen – sondern auch empfindliche Strafen und Reputationsverluste. Dabei sind viele Angriffe vermeidbar – mit Disziplin, Weitblick und professionellem Patch-Management.

Diskutieren Sie mit: Sind Open-Source-Groupware-Lösungen wie Zimbra im Jahr 2026 noch tragfähig? Wie sichern Sie Ihre E-Mail-Kommunikation? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in die Kommentare oder nehmen Sie an unserer LinkedIn-Umfrage teil!

Schreibe einen Kommentar