Die Open-Source-Cloud-Plattform OpenStack erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Besonders seit der Übernahme von VMware durch Broadcom und den damit verbundenen Preissteigerungen suchen Unternehmen verstärkt nach Alternativen – und finden sie zunehmend im offenen Cloud-Ökosystem von OpenStack.
OpenInfra-Bericht 2025: OpenStack auf Wachstumskurs
Der aktuelle Jahresbericht 2025 der OpenInfra Foundation belegt: OpenStack zeigt erneut zweistellige Wachstumsraten bei Unternehmens-Adoption und Produktions-Deployments. Dem Bericht zufolge nutzen inzwischen über 40 Millionen Rechenkerne weltweit OpenStack – ein Zuwachs von 60 % gegenüber dem Vorjahr. Fast 300 neue Organisationen sind 2024 dem OpenInfra-Ökosystem beigetreten, darunter namhafte Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Forschung, Finanzwesen und öffentlicher Dienst.
Der Trend unterstreicht: OpenStack ist zurück auf dem Radar der Unternehmen – nicht nur als Nischenlösung für Hyperscaler wie CERN, Blizzard oder China Mobile, sondern als ernstzunehmende Option für hybride und private Cloud-Infrastrukturen in breiter industrieller Anwendung.
Von Broadcom zu OpenStack: Die Flucht vor VMware-Preismodellen
Ein wesentlicher Treiber dieses Booms: die Übernahme von VMware durch Broadcom und die daraus resultierende Geschäftspolitik. Seit der Finalisierung der 61-Milliarden-Dollar-Akquisition Ende 2023 wurden dedizierte Partnerprogramme gestrichen, Preismodelle vereinheitlicht und ehemals modulare Software in hochpreisige Monolithen überführt. Besonders der Umstieg auf Subskriptionsmodelle löste bei mittelständischen Unternehmen und Service Providern erheblichen Unmut aus.
Ein Beispiel: Hosting-Anbieter berichteten laut einer CIO.com-Analyse im Juli 2024 von Preissteigerungen zwischen 300 % und 600 % für bestimmte vSphere- und vSAN-Konfigurationen, vor allem bei Clustern unterhalb von 32 Cores. Viele IT-Verantwortliche sehen sich dadurch gezwungen, ihre Virtualisierungsstrategie grundlegend zu überdenken.
OpenStack, das im Kern ähnlich mächtige Funktionen für Compute, Storage und Netzwerk bietet, erscheint da als logische Fluchtposition – ohne die Lizenzkostenabhängigkeit proprietärer Vendoren. Wer Kontrolle, Offenheit und Kostenstabilität sucht, findet diese zunehmend im OpenStack-Ökosystem.
OpenStack heute: Reif, modular, produktionsbereit
OpenStack hat seit seiner Gründung 2010 eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Was einst als experimental-lastiges Bastelprojekt für Cloud-affine Admins begann, ist heute ein ausgereiftes, hochgradig modular aufgebautes Framework für Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Version 2025.1 „Caracal“ brachte erneut über 10.000 Beiträge von weltweit mehr als 900 Entwickler:innen – und das mit einem klaren Fokus auf Stabilität, Automatisierung und Sicherheit.
Die Modularität ist einer der größten Vorteile: Einzelkomponenten wie Nova (Compute), Neutron (Netzwerk), Cinder (Block Storage) oder Keystone (Identity) lassen sich unabhängig betreiben und kombinieren. Auch OpenStack-Distributionen wie Red Hat OpenStack Platform, Canonical Charmed OpenStack und Mirantis OpenStack bieten professionellen Enterprise-Support.
Laut einer 451 Research Studie von Oktober 2024 setzen inzwischen 47 % der Unternehmen mit mehr als 500 VMs zumindest teilweise auf OpenStack in ihrer Infrastrukturstrategie – vor zwei Jahren waren es nur 29 %.
Kostenvorteile und strategische Unabhängigkeit
Einer der wichtigsten Beweggründe für den OpenStack-Einsatz: planbare Betriebskosten. Während VMware zunehmend auf aggressive Lizenz- und Bundlemodelle setzt, bietet OpenStack völlige Transparenz und Kontrolle über Investitionen. Die Plattform ist lizenzkostenfrei, der Betrieb lässt sich mit Inhouse-Know-how oder über spezialisierte Dienstleister realisieren.
Diese strategische Flexibilität schätzen viele IT-Abteilungen. Wer OpenStack intern betreibt, entscheidet selbst über Hardware, Netzwerk-Topologie, Update-Zyklen und Security-Policies – ohne auf proprietäre Feature-Zyklen achten zu müssen. Zudem ermöglicht OpenStack dank seiner API-Standards eine nahtlose Integration mit CI/CD-Pipelines, Kubernetes und Automatisierungs-Frameworks wie Ansible oder Terraform.
Ein weiteres Argument: Unabhängigkeit von geografischer Datenregulierung. Während US-basierte Cloud-Anbieter oft der Kritik unterliegen, die europäische DSGVO nur unzureichend umzusetzen, lässt sich mit OpenStack eine vollständig datensouveräne Cloud innerhalb der EU betreiben.
Herausforderungen beim Wechsel auf OpenStack
So attraktiv OpenStack auch wirkt – der Umstieg ist kein Selbstläufer. Die Lernkurve für Admins, die bisher ausschließlich VMware-Umgebungen betreuen, ist steil. Nicht selten ist der Aufbau eines dedizierten DevOps-Teams erforderlich, das die Komponenten fein abgestimmt orchestriert. Auch das Monitoring und die Lifecycle-Optimierung sind komplexer als in kommerziellen Out-of-the-box-Suites.
Laut einer Umfrage von SDxCentral vom August 2024 nannten 38 % der befragten Unternehmen, die OpenStack testweise eingeführt hatten, die initiale Komplexität als Haupthindernis. Auch fehlende Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt erschweren teils den produktiven Betrieb – insbesondere im klassischen Mittelstand.
Dennoch: Viele Dienstleister haben sich inzwischen auf OpenStack-kompatible Betriebsmodelle spezialisiert und bieten schlüsselfertige Plattformen oder partielle Betriebsunterstützung via Managed Private Cloud.
Praktische Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Umstieg
- Vorab-Assessment durchführen: Unternehmen sollten ihre bestehende Infrastruktur sorgfältig analysieren und auf OpenStack-Kompatibilität prüfen – insbesondere in Hinblick auf Hardware, Netzdesign und Automatisierungstools.
- Mit Pilotprojekten starten: Anstatt eine komplette Migration zu wagen, empfiehlt es sich, zunächst dedizierte Workloads in eine OpenStack-Umgebung zu überführen – etwa Testumgebungen oder CI/CD-Runner.
- Partnerschaft mit Managed-Cloud-Anbieter prüfen: Wer keine internen Ressourcen für Betrieb und Wartung vorhalten kann, sollte auf Anbieter wie OVHcloud, StackHPC, Cleura oder T-Systems setzen, die OpenStack als Service mit deutschem Datenschutz anbieten.
OpenStack im Kontext: Hybridstrategien und Innovationspotenzial
OpenStack ist längst kein reiner Ersatz für VMware, sondern vielmehr ein strategisches Instrument für moderne Cloud-Architekturen. Die Plattform lässt sich hervorragend in hybride Infrastrukturen mit Kubernetes, OpenShift sowie Public Clouds wie AWS und Azure integrieren. Besonders im Edge-Bereich nutzen Telekommunikationskonzerne wie Verizon oder Deutsche Telekom OpenStack als Grundlage für dezentrale 5G-Knoten und Network Function Virtualization (NFV).
Zudem experimentieren Forschungsbereiche mit OpenStack als Koordinations-Layer für High-Performance-Computing und AI-Cluster, etwa das Max-Planck-Institut für Physik in München oder das Barcelona Supercomputing Center.
Fazit: OpenStack erlebt sein zweites Leben
Was vor Jahren als überkomplex und innovationsarm galt, wird heute zur gefragten Option für Unternehmen, die Offenheit, Souveränität und Kostenkontrolle suchen. Getrieben von Marktentwicklungen, einem ausgereiften Open-Source-Ökosystem und der zunehmenden Unzufriedenheit mit proprietären Lizenzmodellen erlebt OpenStack 2025 ein fulminantes Comeback.
Wer Virtualisierung, Cloud und Automatisierung neu denkt, sollte die Potenziale von OpenStack nicht länger ignorieren. Haben Sie schon Erfahrung mit der Plattform? Teilen Sie Ihre Insights in den Kommentaren – und werden Sie Teil einer wachsenden Community für offene Cloud-Infrastruktur.



