Künstliche Intelligenz

Mit Agentic AI und Firefly-Modellen: Wie Adobe die Kreativbranche neu definiert

In einem hell erleuchteten, modern gestalteten Kreativstudio arbeiten engagierte Designer und Entwickler entspannt gemeinsam an hochmodernen Computern, während warmes Tageslicht die Szene erfüllt und die Atmosphäre von Innovation, Kollaboration und visionärer Kreativität strahlt.

Einmal mehr hat Adobe auf der diesjährigen MAX-Konferenz in Los Angeles einen Blick in die kreative Zukunft geworfen – und dabei nichts weniger als einen Paradigmenwechsel angestoßen. Mit Agentic AI, der neuesten Generation der Firefly-Modelle und strategischen Partnerschaften – etwa mit YouTube und NVIDIA – definiert Adobe die Grenzen menschlich-kreativer Kollaboration neu. Was bedeutet das für Designer, Cutter, Kreative – und die gesamte Contentwirtschaft?

Agentic AI: Der Aufstieg der proaktiven Kreativassistenten

Mit dem Begriff „Agentic AI“ beschreibt Adobe eine neue Klasse generativer KI, die nicht nur auf Eingaben reagiert, sondern kontextbewusst agiert, multischrittige Aufgabenstellungen eigenständig plant und ausführt. Inspiriert vom Konzept sogenannter autonomous agents, ist Agentic AI keine bloße Tool-Erweiterung mehr – sie wird zum aktiven Co-Creator.

Im Zentrum steht Adobes Creative Assistant, vormals als „Sensei“ bekannt, der 2025 in Adobe Photoshop, Premiere Pro und Illustrator in umfassender Neufassung integriert wurde. Nutzer können der KI komplexe Briefings in natürlicher Sprache geben – etwa „Erstelle mir ein Moodboard mit urbanen, asiatisch inspirierten Farben und gestalte eine passende Social-Ad daraus“ – und erhalten binnen Minuten ein vollständiges, editierbares Ergebnis.

Laut Adobe wurde die zugrundeliegende Architektur auf sogenannte „Multi-Agent-Systeme“ ausgelegt. Das bedeutet: Mehrere spezialisierte KI-Komponenten arbeiten arbeitsteilig – etwa für Bildkomposition, Texterstellung, Farbanalyse oder Lizenzprüfung – und koordinieren sich selbstständig abhängig vom Ziel. Die Agentic AI denkt mit, schlägt Verbesserungen vor und verfolgt kreative Ziele mit langfristigem Kontext.

Firefly 3: Generative Qualität für Profis – Lizenzsafe und editierbar

Parallel hat Adobe die dritte Generation seiner Firefly-Modelle vorgestellt, die intern seit Anfang 2025 trainiert wird – ausschließlich mit lizenzierten Daten aus Adobe Stock, öffentlich zugänglichem, gemeinfreien Material und explizit freigegebenen Datensätzen. Gerade für Unternehmen und Agenturen ist das ein zentrales Thema: Firefly bleibt vollständig “Commercial safe”.

Neu in Firefly 3 ist ein deutlich erweitertes semantisches Verständnis: Die Modelle erkennen nun nicht nur Objekte, sondern auch Stimmungen, Stile und Markenattribute. So lassen sich visuelle Konzepte präzise steuern: „Photorealistisches Portrait im Stil der 90er-Jahre-Werbung mit Pastell-Kontrast“ erzeugt tatsächlich ein coherentes Ergebnis – inklusive Lichtsetzung, Kleidung und Farbgebung.

Ein weiterer Meilenstein: alle Firefly-Ausgaben sind ab sofort „vollständig editierbar“ – Layer-Strukturen, Masken und Vektoren können automatisiert erzeugt und in den Creative Cloud Apps weiterhin bearbeitet werden. Laut Adobes CEO Shantanu Narayen zielt das Unternehmen darauf, „Generative KI nicht als Endergebnis-Technologie zu verstehen, sondern als Startpunkt professionell-kreativer Prozesse“ (Quelle: Adobe MAX Opening Keynote 2025).

Partnerschaft mit YouTube: Neue Workflows für Creator und Redaktion

Im Rahmen der Adobe MAX 2025 wurde auch die strategische Partnerschaft mit YouTube bekanntgegeben. Ziel ist es, Creator- und Redaktionsworkflows übergreifend mit generativer KI zu optimieren: Tools wie Firefly Video und Agentic Schnittassistenten werden künftig direkt in YouTube Studio integrierbar sein.

Ein zentrales Feature: automatische Episode-Teiler, Shorts-Generierung aus Longform-Inhalten und Thumbnail-Vorschläge auf Basis von Engagement-Daten. Laut YouTube konzentriert sich das Feature zunächst auf Corporate- & Educational-Content Creators – etwa Hochschulen, Nachrichtenredaktionen und Markenkanäle.

Ein Pilotprojekt mit der USC (University of Southern California) zeigte 2025, dass sich der Produktionsaufwand für Lehrvideos durch die neuen Integrationen um bis zu 40 % reduzieren ließ (Quelle: Adobe/YouTube Education Initiative Brief, August 2025). Gleichzeitig stieg die Zuschauerbindung (Watch Time) durch gezieltes Visual Enhancement um 23 %.

Hardware: NVIDIA RTX 50-Serie hebt Generative KI auf Echtzeitniveau

Neben Softwareentwicklungen zeigt sich auch auf der Hardwareseite ein bedeutender Innovationsschub. Adobe hat Firefly 3 und Agentic ML-Modelle für die neue NVIDIA RTX 50xx GPU-Generation optimiert – insbesondere auf die TensorRT-Beschleunigung.

Die neue RTX 5090 ermöglicht laut NVIDIA durch ein verbessertes Memory-Management (Hopper-Architektur, 48 GB VRAM) ein fünffach schnelleres Prompt-to-Render-Processing im Vergleich zur RTX 4090 in frühen Firefly-Prototypen (Quelle: NVIDIA DevBlog, November 2025). Ein komplexer 4K-Stiltransfer-Job in Premiere Pro dauert nun unter zwei Sekunden pro Frame – ein Meilenstein für Echtzeit-Editing mit StyleGAN-basierten Netzwerken.

Damit wird KI-generiertes Editing nicht nur zuverlässiger, sondern auch portabler. In Kombination mit den neuen Adobe-native AI Acceleration Libraries (AAAL) profitieren Creative Professionals ohne zusätzliche Rendering-Farmen von lokaler Performance auf Workstations oder leistungsfähigen Laptops.

Anwendungsfälle aus der Praxis: Wie Agentic Workflows echte Probleme lösen

Wie viel Zeit lässt sich durch die neuen Technologien tatsächlich einsparen? Eine aktuelle Umfrage von Pfeiffer Consulting im Auftrag von Adobe (Oktober 2025) zeigt:

  • 81 % der befragten Kreativ-Professionals gaben an, dank Agentic AI signifikant schneller zur ersten Visualisierung zu gelangen
  • 52 % schafften es, ihren iterativen Review-Prozess um durchschnittlich 35 % zu verkürzen

Besonders deutlich zeigt sich das in Beispielen aus der Werbebranche: Die Agentur Jung von Matt etwa berichtete, dass sie mit Firefly Outpainting 3.0 ein interaktives Billboard-Motiv in drei Varianten innerhalb von 48 Stunden umsetzen konnte – inklusive rechtssicherem Rechte-Clearing und interner Freigabeschleife. Üblicherweise rechnet die Agentur für solche Projekte mit fünf bis sieben Tagen (Quelle: JvM Creative Lab Report).

Auch kleinere Content-Studios profitieren: Das Berliner Podcast-Kollektiv “Track32” produziert mittlerweile seine Video-Trailer mit Firefly Video 3.1 – automatisiert aus Transkripten generiert die KI visuelle Snippets zu komplexen Gesprächssegmenten.

Drei Empfehlungen für den Einstieg in Agentic Creative Workflows

  • Agentic Briefings lernen: Statt stichpunktartiger Prompts helfen strukturierte, kontextreiche Aufgabenformulierungen. Adobe bietet kostenlose Templates für gängige Szenarien an.
  • On-Device Power nutzen: Wer RTX 50 GPUs oder Apple M4 Max Chips einsetzt, sollte mit lokalen Render-Settings arbeiten, um Echtzeitvorteile voll auszuschöpfen.
  • Teamrollen anpassen: Agentic AI befähigt neue Rollen wie Creative Orchestrators oder KI-Projektleiter – eine Anpassung klassischer Agentur-Skills ist ratsam.

Fazit: Vom Tool zur echten Zusammenarbeit – die neue Ära kreativer Intelligenz

Adobe positioniert sich 2025/26 endgültig nicht mehr nur als Softwareanbieter, sondern als Enabler kreativer Intelligenz. Mit Agentic AI und Firefly 3 etabliert sich eine technologische Basis, die nicht nur einzelne Tools verbessert, sondern den kreativen Workflow grundlegend transformiert: schneller, sicherer, kollaborativer.

Gerade im professionellen Umfeld wird das Zusammenspiel aus generativer KI, editierbaren Assets und performanter Hardware Branchenabläufe neu definieren. Die Herausforderung für Kreativteams liegt nun darin, diese neuen Möglichkeiten nicht bloß zu nutzen, sondern aktiv weiterzugestalten.

Welche Erfahrungen habt ihr bereits mit Agentic Workflows oder Firefly-Modellen gesammelt? Teilt eure Use Cases, Learnings und Herausforderungen in den Kommentaren – wir freuen uns auf spannende Insights aus der Community!

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