Die digitale Infrastruktur ist längst Herzstück moderner Unternehmen. Doch im Jahr 2026 entscheiden nicht nur technologische Kapazitäten über Erfolg oder Misserfolg – sondern die strategische Nutzung dieser Infrastruktur. Wer KI, Resilienz und digitale Souveränität richtig einsetzt, kann Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern.
Digitale Infrastruktur als strategischer Erfolgsfaktor
Ob Cloud-Plattformen, Rechenzentren, Edge-Computing oder KI-Frameworks – die Infrastruktur der digitalen Wirtschaft ist im Umbruch. Unternehmen, die 2026 bestehen wollen, müssen über bloße IT-Modernisierung hinausdenken. Infrastruktur wird zum strategischen Asset, das Innovation, Resilienz und Kontrolle ermöglicht. Laut einer IDC-Studie von 2025 werden bis Ende 2026 weltweit 67 % der Großunternehmen ihre Infrastrukturen neu ausrichten, um KI-nahe Workloads, Datenökosysteme und Security-by-Design zu unterstützen (Quelle: IDC FutureScape 2025).
Dabei geht es nicht allein um Technik, sondern um strategische Ausrichtung. Wer seine Infrastruktur gezielt modular, skalierbar und souverän aufstellt, kann schneller auf Krisen reagieren, Innovation beschleunigen und regulatorischen Anforderungen besser begegnen. Für viele CIOs lautet deshalb die zentrale Frage: Wie muss unsere Infrastruktur 2026 aussehen?
Künstliche Intelligenz verändert Infrastrukturstrategie
Künstliche Intelligenz (KI) steht im Zentrum vieler Transformationsprozesse. Von generativer KI über Predictive Analytics bis hin zu autonomen Systemen – die neuen Workloads stellen hohe Anforderungen an Netze, Datenverfügbarkeit und Rechenleistung.
„KI-Anwendungen benötigen spezialisierte Infrastrukturen – etwa durch GPU-Cluster, Highspeed-Netzwerkverbindungen oder integrierte Data-Lakes“, erklärt Dr. Miriam Heckert, Forschungsleiterin für KI-Systemarchitektur am Deutschen KI-Zentrum (DKIZ). „Unternehmen, die infrastrukturell auf klassische Legacy-Systeme setzen, werden mittelfristig ausgebremst.“
Ein Beispiel liefert der Automobilzulieferer Schaeffler: Das Unternehmen investierte 2024 in ein hybrides Infrastrukturmodell – Edge-KI-Inferenz am Standort kombiniert mit Cloud-basiertem Modelltraining. Ergebnis: über 30 % schnellere Entwicklungszyklen bei Produkten mit sensorischer Intelligenz.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Investitionsstrategien wider. Laut einer Capgemini-Studie von 2025 geben 58 % der befragten CIOs an, dass „dedizierte KI-Infrastruktur“ zu ihren Top-3-Investitionsprioritäten gehört.
Widerstandsfähigkeit als neue Infrastrukturmaxime
In den vergangenen Jahren haben globale Krisen – vom Ukrainekrieg über COVID-19 bis zu Engpässen in Lieferketten – gezeigt, wie verletzlich digitale Systeme sein können. Für 2026 gilt Resilienz als zentrales Designprinzip jeder IT-Infrastruktur.
Ein resilientes System ist nicht nur technisch stabil, sondern auch betriebsfähig unter Stressbedingungen. Dazu zählen Multi-Cloud-Strategien, Segmentierung von kritischen Systemen und integrierte Disaster-Recovery-Maßnahmen.
Ein internationales Vorbild in dieser Hinsicht ist der Schweizer Telekommunikationsanbieter Swisscom. Bereits seit 2023 setzt Swisscom auf ein dezentralisiertes Infrastrukturmodell mit mikroregionalen Rechenzentren. Als 2025 ein Cyberangriff auf EU-Kritische-Infrastruktur-Netze erfolgte, blieb Swisscom nicht nur unbeeinträchtigt – das Unternehmen konnte innerhalb von 72 Stunden auch mehreren Unternehmenskunden Ausweichkapazitäten zur Verfügung stellen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterstreicht in seinem Lagebericht 2025, dass „der Aufbau resilienter Infrastrukturen eine der effektivsten Maßnahmen gegen kritische Ausfälle darstellt“.
Digitale Souveränität wird zum Standortkriterium
Spätestens seit dem Inkrafttreten des EU Data Act und dem AI Act der Europäischen Union ist klar: Datenhoheit und regulatorische Konformität rücken in den Mittelpunkt einer zukunftsfähigen Infrastrukturstrategie. Unternehmen müssen nicht nur wissen, wo ihre Daten liegen – sie müssen in der Lage sein, diese vollständig zu kontrollieren.
In der Praxis bedeutet das: Mehr europäische Cloud-Modelle, Open-Source-Software, kontrollierbare Datenschnittstellen. Projekte wie GAIA-X oder IDSA (International Data Spaces Association) gewinnen an Bedeutung. Im Jahr 2025 ist laut Eurostat der Anteil an Unternehmen in der EU, die eine souveräne Cloud-Lösung verwenden, auf über 41 % gestiegen – gegenüber 27 % im Jahr 2023.
Ein Beispiel liefert das Maschinenbauunternehmen TRUMPF. Seit 2024 nutzt der Konzern eine GAIA-X-kompatible Plattform, um Daten seiner Produktionsmaschinen EU-rechtskonform zu teilen – beispielsweise mit Zulieferern oder Servicepartnern. Ergebnis: kürzere Reaktionszeiten im Service sowie rechtskonformer Zugang zu Betriebsdaten durch Dritte.
Drei Handlungsempfehlungen für 2026
- Infrastruktur modernisieren mit Fokus auf KI-Readiness: Unternehmen sollten prüfen, ob ihre IT-Architektur die nötigen Voraussetzungen für den Einsatz von generativer und analytischer KI erfüllt – etwa durch GPU-fähige Server, Data-Fabric-Architektur und niedrige Latenznetze.
- Resilienz systematisch verankern: Dazu gehören Zero-Trust-Modelle, automatisierte Wiederherstellungslösungen, physische Diversifikation von Rechenzentren und regelmäßige Stresstests – nicht nur im Sicherheitsbereich, sondern auch hinsichtlich Betriebsunterbrechungen und Lastspitzen.
- Digitale Souveränität als Procurement-Kriterium etablieren: Bei der Auswahl von Infrastrukturpartnern oder Cloud-Diensten sollte die Frage nach Datenhoheit, juristischer Datenverantwortung und Kompatibilität mit EU-Recht genauso gewichtet werden wie Kosten und Performance.
Expertensicht: Infrastruktur ist keine Nebensache mehr
Dr. Torben Lenz, CTO der Digitalstrategieberatung Synetra, betont im Interview: „Infrastruktur wird 2026 nicht länger IT-Hygiene, sondern strategischer Hebel. Wer bei Resilienz oder Datenhoheit spart, riskiert Wettbewerbsnachteile – und das im globalen Maßstab.“
Er warnt zugleich vor Scheinlösungen: „Ein einzelnes Rechenzentrum auf deutschem Boden macht noch keine Souveränität. Es geht um Kontrollfähigkeit.“ Daher empfiehlt Lenz die Erstellung einer mehrjährigen Infrastruktur-Roadmap zur schrittweisen Überprüfung aller Technologieentscheidungen.
Ähnlich argumentiert auch Jeanette Berger, CIO bei einem mittelständischen Maschinenbauer: „Unser GAIA-X-Pilotprojekt zeigte uns: Es ist möglich, europäisch, souverän und trotzdem performant zu sein – aber es braucht Investitionen und Know-how.“
Fazit: Infrastruktur ist Zukunftsfähigkeit
Strategische Infrastruktur ist weit mehr als eine Frage neuer Server oder Netze. Sie wird 2026 zum entscheidenden Faktor für Resilienz, Innovationskraft und regulatorische Konformität. Wer die Trendentwicklungen frühzeitig erkennt und anwendet, verschafft sich messbare Vorteile – ob durch schnellere KI-Anwendungen, stabilere Betriebsabläufe oder rechtssicheres Datenmanagement.
Unternehmen müssen jetzt handeln: Infrastrukturentscheidungen von heute legen die Grundlage für die Marktstellung von morgen. Planen Sie mit, diskutieren Sie mit. Wie sehen Ihre Infrastrukturstrategien für 2026 aus?




