Drupal geht mit Version 2.0 neue Wege – und das spürbar für alle, die professionell Webseiten entwerfen und verwalten. Der neue Drag-and-Drop-Editor des Open-Source-CMS verspricht eine grundlegende Veränderung im Workflow von Webdesignern. Doch was steckt hinter der Neuerung – und wie verändert sich das Spielfeld im Vergleich zu etablierten Systemen wie WordPress, Joomla & Co.?
Ein Quantensprung für Drupal: Vom Konfigurationslabyrinth zum visuellen Baukasten
Drupal galt lange als mächtig, aber sperrig. Entwickler und Site-Builder schätzten zwar die Flexibilität und Skalierbarkeit des Systems – doch für Designer ohne tiefere Backend-Kenntnisse blieb es eine Herausforderung. Mit Drupal 2.0 kommt nun ein mächtiges User Interface direkt in den Core: ein vollintegrierter, blockbasierter Drag-and-Drop-Editor, angelehnt an moderne Page-Builder wie Gutenberg für WordPress oder Elementor.
Der neue Editor ist nicht nur optisch intuitiv, sondern auch technisch robust: Basierend auf einem ReactJS-Frontend kommuniziert er in Echtzeit mit dem Core und erlaubt das Erstellen komplexer Layouts ohne Code. WYSIWYG-Editing, responsives Grid-System, Inline-Bearbeitung von Text- und Medienelementen sowie verschachtelbare Blöcke eröffnen neue kreative Freiheiten für visuelles Webdesign direkt im Browser.
Der Clou: Der Editor wurde nicht als Add-on, sondern als native Funktion von Drupal 2.0 entwickelt – mit voller Kompatibilität zu bestehenden Modulen und Themes. Das erleichtert Migrationen und reduziert Entwicklungs-Overhead erheblich.
Warum gerade jetzt? Marktdruck und Nutzererwartungen
Laut einer Marktanalyse von W3Techs (Stand: Januar 2026) basiert derzeit nur noch rund 1,4 % aller weltweit betriebenen Websites auf Drupal – ein kontinuierlicher Rückgang im Vergleich zu den 3,0 % im Jahr 2015. Im gleichen Zeitraum haben visuell orientierte CMS wie Wix oder Webflow deutlich zugelegt. Der Erfolg dieser Plattformen beruht nicht zuletzt auf deren hohen Bedienkomfort und visuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Webdesigner erwarten 2026 zunehmend schnelle Iterationen, intuitive Oberflächen und Low-Code-Lösungen.
Dieses neue Nutzerverhalten reflektiert auch ein Report von HubSpot (State of Web Design 2025), demzufolge 67 % der befragten Design-Professionals angaben, lieber mit Systemen zu arbeiten, die Drag-and-Drop-Editoren bieten – sogar wenn sie dafür auf konzeptionelle Flexibilität verzichten müssen.
Drupal hat also erkannt: Die Zukunft gehört hybriden Workflows, in denen Design und Development Hand in Hand gehen – nicht auf Kosten der anderen Disziplin. Mit dem neuen Editor schafft das CMS diesen Spagat auf beeindruckende Weise.
Funktionsumfang: Was der neue Editor wirklich kann
Der neue Page Builder in Drupal 2.0 ist nicht bloß ein simples Drag-and-Drop-Tool. Vielmehr handelt es sich um einen vollständig modularen Design-Workflow, der auf vier Kernfunktionen basiert:
- Visuelle Blockkomposition: Inhalte lassen sich aus einem umfangreichen Repertoire von Standardbausteinen – Text, Bilder, Videos, Galerien, Slides – frei kombinieren, wobei auch Custom-Blöcke als eigenständige Komponenten eingebunden werden können.
- Live-Vorschau & Inline-Editing: Text- und Medienelemente können direkt im Frontend bearbeitet werden. Änderungen sind sofort sichtbar, ohne dass die Seite manuell gespeichert oder neu geladen werden muss.
- Breakpoint-Management für Responsive Design: Designs lassen sich über verschiedene Viewports hinweg anpassen. Layouts können getrennt für Desktop, Tablet und Mobile optimiert werden – visuell und ohne zusätzliche CSS-Kenntnisse.
- Versionierung & Rollenrechte: Der Editor integriert sich in das bestehende Rechte- und Revisionssystem von Drupal. Nutzer mit entsprechenden Rollen können Layoutänderungen vorschauen, freigeben oder zurücksetzen.
Besonders wertvoll für Agenturen: Ganze Block-Strukturen lassen sich als Vorlagen speichern und in anderen Projekten wiederverwenden – ein Feature, das bislang eher hochpreisigen Enterprise-CMS vorbehalten war.
Drupal 2.0 vs. der Rest: Wie schlägt sich der Page Builder im Wettbewerb?
Wie schneidet der neue Editor im Vergleich zu bekannten CMS-Lösungen ab?
- WordPress (mit Gutenberg): Der Gutenberg-Editor bietet einen ähnlich blockbasierten Ansatz, leidet jedoch weiterhin unter fragmentierter Plugin-Landschaft und Performance-Problemen bei großen Seiten. Drupal punktet hier durch native Integration und Skalierbarkeit.
- Webflow: Hochgradig wohldesigntes System für visuelles Webdesign, allerdings proprietär und eingeschränkt bei der Backend-Anpassung. Drupal 2.0 bietet mehr Offenheit und CMS-Tiefe.
- Joomla (YOOtheme Pro): Leistungsstarker visueller Builder – allerdings auch hier oft als Drittanbieter-Add-on umgesetzt, was zu Kompatibilitätsproblemen führen kann.
Insgesamt hebt sich Drupal 2.0 durch die nahtlose Core-Integration des Editors sowie die offene Systemarchitektur hervor. Damit spricht es auch mittlere und größere Webprojekte an, die bislang eigene Frontend-Lösungen entwickelten – etwa im NGO-, Research- oder Behördenumfeld.
Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Webdesignern und Entwicklerteams
Der neue Editor verändert nicht nur die Bedienung, sondern auch die Zusammenarbeit innerhalb von Design- und Dev-Teams. Designer erhalten endlich direkten Zugang zum Content-Layer – ohne jedes Mal ein Ticket für das Backend-Team aufzumachen. Gleichzeitig können Entwickler gezielter auf API-, Datenmodell- oder Logik-Ebene arbeiten. Es entstehen parallele Workflows.
Auch die Onboarding-Zeit für neue Teammitglieder verkürzt sich spürbar. Dank visuellem Interface muss nicht erst eine komplexe Konfiguration erklärt werden. Zudem sinkt der Bedarf an Drittanbieter-Editoren, was Lizenzkosten spart und technische Komplexität reduziert.
Praxis-Tipps: So gelingt der Umstieg auf Drupal 2.0 optimal
Design-Teams, die den Nutzen des neuen Editors voll ausschöpfen möchten, sollten strategisch vorgehen:
- UX-Design-System prüfen: Bestehende Designsysteme sollten auf Wiederverwendbarkeit im Block-Kontext geprüft und ggf. refaktoriert werden. Komponentenbasiertes Denken wird zur zentralen Disziplin.
- Integration vorbereiten: Entwickler sollten prüfen, ob benutzerdefinierte Themes und Module mit dem React-basierten Frontend harmonieren. Je nach Komplexität kann eine partielle Migration lohnend sein.
- Rollen und Arbeitsprozesse überdenken: Die neuen Möglichkeiten verändern Verantwortungen. Rollenprofile und Freigabeprozesse sollten an die neue kollaborative Umgebung angepasst werden – auch im Hinblick auf Governance.
Ausblick: Was kommt nach dem Drag-and-Drop?
Die Drupal Association hat bereits verlauten lassen, dass der neue Editor nur ein erster Schritt sei. Perspektivisch sind Integrationen mit KI-gestützten Layoutvorschlägen, ARIA-Konformitätsprüfungen und semantischem Content-Mapping geplant. Außerdem arbeitet das Core-Team an einer bidirektionalen Synchronisation mit Figma – eine Funktion, die die visuelle Brücke zwischen Design und Webproduktion weiter festigt.
Auch Headless-Szenarien sollen künftig enger mit dem visuellen Builder verzahnt werden. Erste Beta-Versionen zeigen, wie Layout-Änderungen im visuellen Editor auch automatisch Frontend-Komponenten in einem React- oder Vue-Frontend triggern können. Ein Quantensprung für multichannel-fähige Webplattformen.
Fazit: Ein neues Kapitel für Drupal – und für Webdesigner
Mit dem neuen Drag-and-Drop-Editor macht Drupal einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Nutzerfreundlichkeit, Agilität und visueller Exzellenz. Für Webdesigner eröffnet sich eine neue Ebene kreativen Arbeitens, frei von technischer Schwerfälligkeit. Gleichzeitig bewahrt Drupal seine Stärken als hochgradig konfigurierbares Enterprise-CMS.
Wer bisher vor der Komplexität von Drupal zurückschreckte, sollte 2026 neu hinschauen: Das CMS hat sich neu erfunden – und spricht nun explizit auch Design- und UX-Professionals an. Eine Entwicklung, die nicht nur technisch beeindruckt, sondern langfristig auch den Marktanteil von Drupal wieder steigern dürfte.
Was ist deine Meinung zum neuen Editor? Arbeitest du bereits mit Drupal 2.0 und hast Erfahrungen gesammelt? Teile deine Insights mit der Community – wir freuen uns auf deinen Kommentar!



