Sie sehen amtlich aus, arbeiten mit Drohkulissen und setzen auf psychologischen Druck: Gefälschte Inkasso-Schreiben sind eine perfide Betrugsmasche, die in den letzten Monaten stark zugenommen hat. Tausende Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten Rechnungen für angebliche Schulden – doch wer nicht wachsam ist, zahlt auf kriminelle Konten. Wir erklären, wie die Methode funktioniert, woran man betrügerische Mahnschreiben erkennt und wie man sich zuverlässig schützt.
Die neue Welle gefälschter Inkasso-Forderungen
Die Verbraucherzentrale sowie die Bundesnetzagentur warnen aktuell vor einem drastischen Anstieg dubioser Mahnschreiben – teils per E-Mail, vermehrt wieder per klassischem Brief. Ziel: Verbraucher zur Zahlung fingierter Geldforderungen zu bewegen. Laut einer Analyse der Verbraucherzentralen werden Fälschungen immer professioneller – sie sind mit scheinbar echten Logos, Aktenzeichen und sogar QR-Codes ausgestattet. Besonders perfide: Manche der Schreiben drohen mit Klage oder Schufa-Eintrag.
Laut der Bundesnetzagentur gab es im Jahr 2024 über 38.000 Beschwerden im Bereich unerlaubter Inkassoschreiben und Cold Calls im Zusammenhang mit Abzockmaschen – eine Steigerung um rund 25 % gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Bundesnetzagentur Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2024). Auch der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) stellt eine Zunahme an Identitätsmissbrauch gegenüber seriösen Inkassounternehmen fest.
So funktioniert die Masche: Taktiken der Betrüger
Gefälschte Inkasso-Schreiben folgen meist einem simplen Muster: Ein angebliches Inkassounternehmen gibt an, im Auftrag eines bekannten Dienstleisters – etwa Streamingdiensten, Lotteriegesellschaften oder Versandhändlern – eine offene Forderung einzutreiben. Die angebliche Schuld wird dabei oft konkret beziffert (z. B. 279,35 €), mit einem knapp bemessenen Zahlungsziel versehen und durch juristische Konsequenzen wie Gerichtsvollzieher oder Negativ-Einträge verstärkt.
Die Täter nutzen dabei real existierende Unternehmensnamen oder erfinden komplett neue, seriös klingende Inkassofirmen. Häufig wird auf die Dringlichkeit hingewiesen – einige Schreiben enthalten sogar QR-Codes oder Zahlungslinks, die zu gefälschten Banking-Seiten führen. Besonders gefährlich: Aus Angst oder Unsicherheit zahlen viele Empfänger sofort, ohne die Angaben zu prüfen.
Eine besonders auffällige Masche ist der so genannte Phantom-Inkasso-Trick: Hierbei geben sich die Kriminellen als Dienstleister für Gewinnspielabos oder angebliche Vertragsabschlüsse aus, die nie getätigt wurden. Die Schreiben sind teils so echt, dass selbst erfahrene IT-Security-Experten zweimal hinschauen müssen.
Woran man gefälschte Inkassoschreiben erkennt
Gefälschte Schreiben lassen sich oft anhand formaler und inhaltlicher Details entlarven. Diese Punkte sind besonders verdächtig:
- Fehlende Angaben: Seriöse Inkassounternehmen nennen immer den ursprünglichen Gläubiger sowie eine detaillierte Forderungsaufstellung.
- Keine Kontaktdaten: Betrüger verzichten oft auf eine erreichbare Telefonnummer oder physische Adresse.
- Drohkulissen und Sprachstil: Übertriebene Formulierungen wie „unverzüglich begleichen“ oder „letzte Möglichkeit vor Klage“ sind unüblich.
- Zahlung an ausländisches Konto: Ein IBAN-Konto außerhalb der EU ist ebenfalls ein roter Alarm.
- Keine Registrierung: Unternehmen, die Inkasso in Deutschland betreiben, müssen im offiziellen Rechtsdienstleistungsregister gelistet sein.
Ein einfacher Online-Check beim Register (www.rechtsdienstleistungsregister.de) hilft, schwarze Schafe schnell zu enttarnen. Auch der BDIU bietet eine Liste seriöser Mitglieder auf seiner Website.
Digitale Risiken: Inkasso-Betrug per E-Mail und SMS
Während klassische Briefpost noch die häufigste Form für Inkasso-Betrug darstellt, verlagern sich viele Maschen zunehmend ins Digitale. Besonders seit Mitte 2025 berichten Sicherheitsexperten von steigenden Phishing-Aktivitäten, bei denen gefälschte Inkassomails im Namen bekannter Unternehmen wie Amazon, Netflix oder Telekom versendet werden. Diese enthalten oft Dokumente mit Schadsoftware oder leiten auf Phishingseiten um, die Zugangsdaten abgreifen.
Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wurden allein im Jahr 2025 mehr als 400.000 Phishing-Mails mit Betrugsbezug gemeldet – etwa 37 % davon im Zusammenhang mit Inkasso oder Zahlungsaufforderungen (Quelle: BSI Lagebericht 2025).
Besonders verbreitet sind auch SMS mit Links zu angeblichen Inkassoportalen (sog. Smishing). Auch hier gilt: Niemals auf Links klicken oder Daten eingeben – stattdessen den Absender blockieren und den Vorfall melden.
So schützen Sie sich vor Inkasso-Betrug
Prävention ist der beste Schutz gegen Inkasso-Fakes. Wer informiert ist und wachsam handelt, wird nicht so leicht Opfer. Hier sind bewährte Schritte zur Verteidigung:
- Eigenen Zahlungsverlauf prüfen: Erinnern Sie sich an keine offenen Schulden, ist Misstrauen angebracht. Notieren Sie den angeblichen Gläubiger und fragen Sie ggf. beim Unternehmen direkt nach.
- Keine Zahlungen ohne Prüfung leisten: Auch unter Zeitdruck gilt: Überweisen Sie nur, wenn Sie die Forderung zweifelsfrei nachvollziehen können.
- Schreiben analysieren lassen: Verbraucherzentralen bieten Prüfservices für verdächtige Inkassoschreiben an – oft auch online. Nutzen Sie diese Hilfe zeitnah.
Auch digitale Schutzvorkehrungen sind wichtig, z. B. ein aktuelles Antivirenprogramm, Phishing-Filter und Zwei-Faktor-Authentifizierung für E-Mail-Konten. Wer regelmäßig seine Schufa-Auskunft kontrolliert, erkennt frühzeitig betrügerische Aktivitäten im eigenen Namen.
Was tun im Betrugsfall?
Wenn Sie ein gefälschtes Inkassoschreiben erhalten oder bereits Geld überwiesen haben, ist schnelles Handeln gefragt. So gehen Sie konkret vor:
- Zahlung stoppen: Kontaktieren Sie Ihre Bank sofort und versuchen Sie, die Zahlung rückgängig zu machen (Stichwort: Rücküberweisung durch SEPA-Rücklastschrift oder Recall).
- Polizei einschalten: Erstatten Sie Strafanzeige bei der örtlichen Dienststelle oder online unter www.polizei.de. Verdachtsfälle werden gebündelt und polizeilich verfolgt.
- Verbraucherzentrale informieren: Die Dokumentation Ihres Falls hilft, Muster zu erkennen und andere zu warnen.
Wichtig: Wenn persönliche Daten wie IBAN oder Ausweiskopie in die Hände der Betrüger gelangten, sollten Sie auch eine Meldung bei der Schufa bzw. im Identitätsschutzportal der Verbraucherzentrale prüfen.
Inkassorecht und Strafverfolgung: Die juristische Lage
Inkassodienstleistungen in Deutschland unterliegen strengen Regularien. Betrügerische Eintreibungen erfüllen gleich mehrere Straftatbestände – darunter Betrug (§263 StGB), Urkundenfälschung (§267 StGB) und Missbrauch von Titeln (§132a StGB).
Die Bundesregierung reagierte im Jahr 2024 mit einer Verschärfung des Inkassorechts: Laut dem „Gesetz zur Förderung fairer Verbraucherverträge“ sind Gebühren bei Kleinstforderungen gedeckelt, zudem müssen Gläubiger ihre Forderungen nachvollziehbar belegen. Das macht es Kriminellen schwerer, glaubhafte Schreiben zu konstruieren.
Doch die Strafverfolgung ist schwierig und oft international – gefälschte Inkassobüros operieren meist aus dem Ausland, verstecken sich hinter Briefkastenfirmen oder anonymen Domains. Hier appellieren Experten an Plattformbetreiber und Domain-Registrare, verantwortlicher zu handeln.
Fazit: Digitale Wachsamkeit und Aufklärung sind der beste Schutz
Gefälschte Inkasso-Schreiben sind längst mehr als nur ein Ärgernis – sie sind Teil einer ausgeklügelten Betrugsmaschinerie, die persönliche und finanzielle Schäden verursachen kann. Doch wer informiert ist, überprüft und nicht vorschnell handelt, kann sich effektiv schützen. Besonders in Zeiten steigender Digitalisierung und wirtschaftlicher Unsicherheiten ist kritisches Denken wichtiger denn je.
Haben Sie selbst Erfahrungen mit solchen Schreiben gemacht? Teilen Sie Ihre Erkenntnisse, Tipps oder Fragen mit unserer Community – gemeinsam stärken wir die digitale Resilienz gegen Betrugsversuche.



